Teileröffnung der Mountainbike-Trails am Weinbiet - Haardt-Line und Two Beers frei
Ein Jahrzehnt Diskussionen, Abstimmungen und Planungen zum Thema „legales Mountainbiken“ im Stadtwald geht zu Ende. Am Donnerstag, 7. Mai, wurden die ersten zwei von insgesamt fünf MTB-Downhillstrecken rund um das Weinbiet offiziell freigegeben.
„Das ist ein wichtiger Moment für alle, die hier stehen“, so die Beigeordnete Johanna Kunzendorff. An die Pfalzbiker e.V. gerichtet sagte sie: „Sie haben gezeigt: Wir wollen das! und sind drangeblieben.“ Ein solches Projekt könne nur entstehen, wenn wirklich die Bereitschaft von allen Seiten da sei, ein gutes Ergebnis zu erzielen. „Nun können Sie Rad fahren und Spaß haben im Einklang mit der Natur.“ Zudem sei die Umsetzung ein sehr gutes Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation zwischen der öffentlichen Hand und privatem Engagement.
Über 1.300 offizielle Arbeitsstunden seitens der Biker haben sie in den Bau der Strecken gesteckt. „Es hat lange gedauert, aber es hat Spaß gemacht und wir freuen uns mega, dass zwei Strecken fertig sind“, so Jennifer Dietmann. Die beiden neuen Strecken heißen Haardt-Line und Two Beers. Wie bei Skipisten werden sie in die Schwierigkeitsgrade blau, rot und schwarz eingeteilt. Erstere Strecke ist rot mit schwarzen Elementen, die aber umfahren werden können. Zweitere ist blau und für Anfänger geeignet. Wenn im Frühjahr 2027 alle Strecken fertig sind, kann man sie rund um das Weinbiet auch verbinden.
Der Stadtrat hatte 2016 beschlossen, ein Mountainbike-Konzept für den Gebirgswald der Stadt erarbeiten zu lassen. Stadtverwaltung sowie Tourist, Saalbau und Kongress GmbH (TKS) konzentrierten sich zunächst jedoch auf ein Wanderwegekonzept für Fußgängerinnen und Fußgänger.
Anfänglich hatten TKS, städtischer Forstbetrieb und Umweltabteilung ein gebietsübergreifendes MTB-Konzept für den gesamten Haardtrand nach einheitlichen Kriterien und Standards favorisiert. Das kam jedoch nicht zustande, unter anderem weil sich keine überkommunale Stelle fand, ein solches Konzept zu koordinieren.
In der Folge waren zwei lokale Projekte entstanden: zwei Trails am Förlenberg in der Gemarkung Leinsweiler/SÜW (Vertragspartner Forstamt Annweiler und Pfalzbiker) und eine Rundtour um den Eckkopf im Deidesheimer Wald (VG Deidesheim und Radsportverein Edelweiß). Bei Bad Dürkheim sind ebenfalls offizielle MTB-Strecken in der Planung (Stadt Bad Dürkheim und Team Pfälzer Land). Sie kamen aber wegen der Kosten für Umweltprüfungen im dortigen Vogelschutzgebiet mittlerweile ins Stocken.
Beim Neustadter Vorhaben hatten die Pfalzbiker in vorheriger Abstimmung mit dem Forstbetrieb und der Naturschutzbehörde fünf um das Weinbiet gelegene Trails beantragt. Dabei handelt es sich um Downhillstrecken, die im Laufe der Zeit illegal entstanden waren. Drei dieser Strecken, die Trails „Two Beers“ und „Graf Digga“ Richtung Lindenberg sowie „Haardt-Line“ zum Ludwigsbrunnen, konnten mit geringfügigen Änderungen kurzfristig umgesetzt werden. Die beiden anderen („Eiskanal“ Richtung Gimmeldingen/Haardt und „Ziegenmelker“ durch das Meisental nach Haardt) müssen auf Teilstrecken in einigem Abstand zu Zonen mit strengen artenschutzrechtlichen Restriktionen neu trassiert werden. Die alten Strecken werden zurückgebaut.
Da die Trails im Biosphärenreservat Pfälzerwald und drei davon zudem im Vogelschutzgebiet Haardtrand liegen, sind die Trails nach Naturschutzrecht zu genehmigen. Gemäß dem Verursacherprinzip mussten die Pfalzbiker einen Fachbeitrag Naturschutz, eine Natura-2000-(Vor)Prüfung und eine Artenschutzprüfung vorlegen. Die TKS hat die Umweltuntersuchungen mit 5.000 Euro bezuschusst, die Pfalzbiker zahlten rund 18.000 Euro.
Als wichtigste naturschutzrechtliche Kompensation für die mit dem Bau und Betrieb der Trails verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft ist die Verbesserung der Habitatbedingungen für die seltene Vogelart Ziegenmelker vorgesehen. Hierzu sollen am oberen Westhang des Wolfsberges Richtung Nonnental fünf ältere Kiefernbestände mit zusammen rund 5 Hektar Fläche bis zu einem Überschirmungsgrad der Kronen von 40 bis 50 Prozent aufgelichtet werden. Weil der Ziegenmelker nicht nur sehr lichte Kiefernwälder benötigt, sondern als Brut- und Nahrungshabitat auch eine Kombination aus Heidekraut, Felsen und offenem Boden, werden innerhalb der fünf Ausgleichsflächen auch kleine vegetationsfreie Sandstellen geschaffen und dauerhaft offengehalten.
Zwischen der Stadt als Grund- und Waldeigentümerin und den Pfalzbikern wird ein Vertrag über den Betrieb der Strecken geschlossen. Die Strecken werden zurückhaltend markiert, wobei die Pfalzbiker auf Markierungssysteme bestehender MTB-Strecken zurückgreifen. Besonderes Augenmerk gilt der Absicherung von Kreuzungen der Trails mit Fahrwegen und Wanderpfaden. Übersichtspläne und Benutzungsregeln werden am Anfang und Ende der Trails angebracht.
Auflage der naturschutzrechtlichen Genehmigung ist auch, den Trailbau nur im Winterhalbjahr außerhalb der Schonzeit für Vögel durchzuführen. Die beiden Trails „Ziegenmelker“ im Meisental und „Eiskanal“ können daher erst ab Oktober um- und ausgebaut werden. Eine Freigabe dieser Abfahrten kann daher voraussichtlich im Frühjahr 2027 erfolgen. Die Stadtverwaltung bittet darum, die beiden in Arbeit befindlichen Trails noch nicht zu befahren.
Die MTB-Community wünscht, legale Angebote auch für abfahrtsorientiertes Mountainbiken am Ostrand des Pfälzerwaldes mittelfristig miteinander zu verbinden. Inwieweit es hierdurch tatsächlich zu einer verbesserten Lenkung des MTB-Verkehrs kommt und auch der Naturschutz profitiert, wird die Erfahrung zeigen. Für die Neustadter Trails wird es daher auch ein Monitoring zur Einhaltung der Nutzungsregeln, zur Entwicklung der Besucherzahlen und zur Entwicklung der Ziegenmelker-Population geben. Dann wird sich ergeben, ob die auf fünf Jahre befristete Genehmigung verlängert werden kann.
Mehr Infos unter www.pfalz-biker.com.
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