Lesehilfe für das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept
Hochwasser- und Starkregenvorsorge
Extremwetterereignisse wie Starkregen nehmen auch in Neustadt an der Weinstraße zu. Hochwasser und Sturzfluten können überall auftreten - nicht nur in der Nähe von Gewässern.
Neustadt liegt am Rand des Pfälzerwaldes, mit Hanglagen und mehreren Gewässern. Bei starkem Regen kann Wasser auch fernab von Bächen über Straßen und Grundstücke fließen. Auch kleinere Bäche können dann stark anschwellen.
Mit dem Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept bereitet sich die Stadt frühzeitig auf diese Herausforderungen vor. Ziel des Vorsorgekonzeptes ist es, Gefahren frühzeitig zu erkennen, Risiken realistisch einzuschätzen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln - damit Neustadt besser geschützt ist.
Hochwasser- und Starkregenvorsorge ist eine gemeinsame Aufgabe von Stadt, Fachstellen und Bevölkerung. Je besser wir vorbereitet sind, desto geringer sind die Folgen von Extremwetterereignissen für unsere Stadt.
Entstehungsprozess des Konzepts
Das Konzept basiert auf wissenschaftlichen Analysen, Simulationen und lokalen Erfahrungswerten. Dabei wurden vergangene Schadensereignisse, Geländestrukturen und Entwässerungssysteme untersucht.
Besonders wichtig war die Zusammenarbeit mit Fachstellen, Einsatzkräften und der Bevölkerung. Denn Hochwasservorsorge funktioniert am besten, wenn viele Perspektiven zusammenkommen.
Nach der Auftaktveranstaltung am 7. Juli 2022 gab es zwischen Mai und September 2022 insgesamt 22 öffentliche und nicht öffentliche Ortsbegehungen in verschiedenen Ortsteilen. Im Anschluss daran wurden in allen Ortsteilen insgesamt 16 Workshops für Bürgerinnen und Bürger angeboten. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind wichtige Bausteine für die Erstellung des fertigen Konzeptes gewesen.
Das fertige Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept
Gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern, dem Büro ipr-Consult Ingenieurgesellschaft Pappon + Riedel mbh, Akteurinnen und Akteuren aus Verwaltung, Politik und Versorgungsunternehmern sowie den Katastrophen- und Rettungsdiensten wurde ein Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für die ganze Gemarkung Neustadt an der Weinstraße einschließlich aller Ortsteile erarbeitet. Mit den darin beschriebenen Maßnahmen will sich die Stadt besser gegen Überflutungen wappnen, die in Folge von Starkregenereignissen auftreten können.
Das Konzept ist ein strategischer Fahrplan für den Umgang mit Hochwasser- und Starkregenrisiken. Es zeigt, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen langfristig sinnvoll sind.
Dabei handelt es sich nicht um ein starres Bauprogramm, sondern um ein dynamisches Planungsinstrument, das regelmäßig weiterentwickelt wird.
Das Konzept wurde am 19. Dezember 2023 einstimmig im Stadtrat verabschiedet und liegt hier zum Download bereit. Eine Kurzfassung finden Sie hier.
Das Konzept zeigt:
- Wo bei Hochwasser und Starkregen Risiken bestehen
- Welche Gebiete besonders betroffen sein können
- Welche Maßnahmen sinnvoll sind
- Was die Stadt plant – und was jede und jeder selbst tun kann
Wie geht es weiter?
Das Vorsorgekonzept ist ein fortlaufender Prozess:
- schrittweise Umsetzung nach Prioritäten
- regelmäßige Überprüfung
- Anpassung an neue klimatische Entwicklungen
- Integration in Stadtplanung und Bauleitplanung
Maßnahmen aus dem Konzept
Das Konzept enthält ein breites Maßnahmenpaket und kombiniert verschiedene Schutzansätze:
a) Technischen Maßnahmen
- Rückhaltebecken und Regenrückhalt
- Verbesserung der Gewässerunterhaltung
- Optimierung von Durchlässen und Einläufen
- Anpassung der Kanalinfrastruktur
b) Naturnahen Maßnahmen
- Gewässerausbau/Gewässerrenaturierung
- Förderung der Versickerung
- Entsiegelung
c) Organisatorischen Maßnahmen
- Alarm- und Einsatzplanung
- Verbesserung der Krisenkommunikation
d) Privater Vorsorge (Verlinken mit nächstem Abschnitt Individuelle Vorsorge)
- Objektschutzmaßnahmen
- Rückstausicherungen
- Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung vor potentiellem Risiko/Gefährdung
Ein wirksamer Schutz entsteht erst durch das Zusammenspiel vieler Maßnahmen.
Die Maßnahmenliste ist eine fachliche Empfehlung, eine Arbeitsgrundlage für Verwaltung und Politik - es handelt sich nicht um eine automatische Bauzusage. Nicht jede Maßnahme wird sofort oder überhaupt umgesetzt.
Ortsteilbezogene Informationen
Für jedes Teileinzugsgebiet wurden eigene Maßnahmenlisten erstellt.
Dort finden Sie:
- Beschreibung der örtlichen Gefährdung
- Fotos von Schwachstellen
- empfohlene Maßnahmen
- Priorisierung
Maßnahmen sind mit Codes (z. B. G.KS.1) versehen und in den veröffentlichten Maßnahmenplänen kartografisch dargestellt.
Maßnahmenpläne für alle Teileinzugsgebiete
Wie lese ich die Maßnahmenliste? Was bedeuten die Spalten?
Risiko / Defizit: Welches Problem wurde festgestellt? (z. B. Rückstau, Engstelle, schneller Oberflächenabfluss)
Art / Ziel: Was soll die Maßnahme bewirken?
Aufwand & Nutzen: Grobe fachliche Einschätzung von Wirkung und Umsetzbarkeit.
Priorität (als Empfehlung, keine Beschlusslage)
- hoch = fachlich besonders dringlich
- mittel = mittelfristig sinnvoll
- niedrig = langfristig oder ergänzend
- Zuständigkeit: Wer grundsätzlich verantwortlich wäre (z. B. Stadt, Eigentümer, Behörde).
Individuelle Vorsorge
Hochwasserschutz beginnt am eigenen Gebäude. Schon kleine Maßnahmen können große Wirkung haben. Dazu gehören zum Beispiel Rückstausicherungen, angepasste Nutzung von Kellerräumen oder der Schutz von Eingängen und Tiefgaragen. Eigenvorsorge schützt nicht nur das eigene Eigentum, sondern auch Nachbarschaft und Stadt.
Nutzen Sie die Informationen, die wir hier für Sie zusammengestellt haben. Ein bisschen Planung kann viel Sicherheit bringen – starten Sie am besten noch heute.
Die Infografik „So bleibt das Wasser draußen“ – veranschaulicht einfache Maßnahmen, mit denen Wasser vom Haus ferngehalten werden kann [Quellenangabe: ecolo im Auftrag des Umweltbundesamts (FKZ 3716481030)]
Nutzen Sie Warn-Apps, um frühzeitig über drohenden Starkregen informiert zu werden. Je früher Sie eine Warnung erhalten, desto besser können Sie reagieren und geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen. Bundesweit stehen verschiedene kostenlose Warn-Apps zur Verfügung, die Sie zuverlässig über Unwetter, Hochwasser und andere Gefahren informieren – direkt auf Ihrem Smartphone per Push-Nachricht.
DWD WarnWetter (Deutscher Wetterdienst)
WarnWetter-App im Apple-Store (iOS)
WarnWetter-App im Google Play Store (Android)
NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App)
NINA-App im Google Play Store (Android)
KATWARN
Sturzflutgefahrenkarte des Landes Rheinland-Pfalz
Ein zentrales Element des Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzeptes sind die Starkregengefahrenkarten.
Sie zeigen:
- mögliche Fließwege von Wasser
- Bereiche mit potenziellen Überflutungstiefen
- besonders sensible Zonen
Wichtig: Eine dargestellte Gefährdung bedeutet kein sicheres Schadensereignis, sondern ein mögliches Risiko unter extremen Bedingungen.
Die Sturzflutgefahrenkarten des Landes zeigen konkret, wo bei extrem starken Regenfällen Wasser schnell abfließen oder sich sammeln kann. Sie ergänzen lokale Analysen und helfen dabei, Risiken besser einzuschätzen. Weitere Informationen zur Nutzung der Karte finden Sie hier.
Weitere Informationsquellen
Weitere Informationen finden Sie hier:
Kostenloses E-Book: Starkregen – Blitzschlag – Hagelschlag – Sturm (Verbraucherzentralen)
Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz
Broschüre Vorsorge bei Krisen und Katastrophen (Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz)
Broschüre Die unterschätzten Risiken „Starkregen“ und „Sturzfluten“
Broschüre Versicherungsschutz gegen Elementarschäden (Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz)
Broschüre Wassersensibel Planen und Bauen. Ein Leitfaden zur Starkregenvorsorge für Hauseigentümer*innen, Bauwillige und Architekt*innen in Köln (Stadtentwässerungsbetrieb Köln, aber mit einer sehr ausführlichen Darstellung zu den verschiedenen Handlungsbereichen)
Für Fragen stehen Ihnen die zuständigen Ansprechpartner der Stadtverwaltung zur Verfügung:
Herr Robert Leimkühler: Detailseite
Wasser-, Abfall- & Bodenschutzbehörde, Techn. Sachbearbeiter
Exterstraße 6
Zimmer 418
67433 Neustadt an der Weinstraße
FAQs zum Konzept
Hier finden Sie Antworten auf typische Fragen zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge, zu Kartenmaterialien, zu Maßnahmen oder zur Bedeutung für Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer. Die FAQs werden als dynamische Liste regelmäßig ergänzt – wenden Sie sich bei offenen Fragen bitte per E-Mail an Robert Leimkühler (robert.leimkuehler@neustadt.eu).
Für wen ist das Konzept relevant?
Je nach Interesse können unterschiedliche Kapitel wichtig sein - Sie müssen nicht alles lesen, sondern sollten gezielt auswählen:
- Bürger*innen & Eigentümer*innen: Gefahrenkarten, Risikoabschätzung, private Vorsorgemaßnahmen
- Politik & Verwaltung: Handlungsstrategien, Maßnahmenkatalog, Priorisierungen
- Planer*innen & Fachbehörden: Methodik, Datengrundlagen, Modellierungen
- Feuerwehr & Katastrophenschutz: Szenarien, kritische Infrastrukturen, Einsatzschwerpunkte
Wie lese ich die Karten richtig, was zeigen sie an?
Karten sind ein zentrales Element des Konzepts:
- Gefahrenkarten zeigen wo Wasser auftreten kann
- Szenarien (z. B. selten / extrem) zeigen wie stark die Gefahr ist
- Farben & Symbole erklären Intensität und Betroffenheit
Wichtig in diesem Zusammenhang: Eine dargestellte Gefährdung bedeutet keine sichere Überflutung, sondern ein mögliches Risiko
Was bedeutet das Konzept für mich konkret?
Beim Lesen sollte man sich fragen:
- Liegt mein Wohn- oder Arbeitsort in einem Gefahrenbereich?
- Welche Art von Wassergefahr ist relevant (Flusshochwasser oder Starkregen)?
- Welche Eigenvorsorge wird empfohlen (z. B. Rückstausicherung, Geländeanpassung)?
Das Konzept ersetzt keine individuelle Beratung, liefert aber eine wichtige Orientierung. Ergänzend dazu finden Sie unter dem Punkt Individuelle Vorsorge (VERLINKEN) viele wertvolle und wichtige Informationen, wie Sie sich, Ihre Familie und Ihr Zuhause schützen können.
Wann werden die Maßnahmen umgesetzt, die in der Maßnahmenliste genannt sind?
Die Maßnahmenliste ist keine Bauplanung und kein Beschluss, sondern:
- eine fachliche Empfehlung
- eine Sammlung möglicher Vorsorgemaßnahmen
- eine Arbeitsgrundlage für Verwaltung, Politik und Beteiligte
Das bedeutet: Nicht jede Maßnahme wird automatisch umgesetzt.
Wie lese ich die Maßnahmenliste richtig?
Empfohlene Reihenfolge:
Schritt 1: Gebiet identifizieren -> Welche Maßnahmen betreffen meinen Stadtteil / Bach / Hang?
Schritt 2: Problem erkennen -> Rückstau? Oberflächenabfluss? Engstellen? fehlenden Rückhalt?
Schritt 3: Rolle klären -> Betrifft die Maßnahme die Stadt, mehrere Akteure oder mich als Eigentümer*in?
Schritt 4: Zusammenhang sehen -> Maßnahmen wirken im Paket, Einzelmaßnahmen allein bringen oft wenig
Was bedeutet das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für mich als Bürgerin?
Die Maßnahmenlisten zeigen, ob ein Risiko erkannt wurde und wo Handlungsbedarf besteht. Sie ersetzen keine Eigenvorsorge. Private Maßnahmen (z. B. Rückstausicherung) sind oft nicht extra aufgeführt, aber trotzdem notwendig - deshalb informieren Sie sich bitte auf unserer Website unter Individuelle Vorsorge (VERLINKEN) und nutzen Sie die dort genannten weiterführenden Informationen.