Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stiftskirche: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen

Rund 200 Bürgerinnen und Bürger haben heute in der Neustadter Stiftskirche der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der bundesweite Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 und mahnt bis heute zu Wachsamkeit, Haltung und Menschlichkeit. In Neustadt stand die diesjährige Gedenkveranstaltung bewusst im Zeichen einer lange übersehenen Opfergruppe: der Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. Ihr Leid ist Teil der Stadtgeschichte und Teil unserer gemeinsamen Verantwortung.

Die Gedenkfeier begann mit einem musikalischen Einstieg des Kurfürst Ruprecht Gymnasiums, begleitet von einer Bilderpräsentation. Kurt Werner, Vorsitzender der Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus Neustadt, machte in seinen einführenden Worten deutlich, dass es unter die Geschichte des Holocaust keinen Schlussstrich geben kann und darf. Das Gedenken sei aktueller denn je, gerade angesichts von Ausgrenzung, Antisemitismus und wachsendem Hass. „Nie wieder ist jetzt“, appellierte er.

Oberbürgermeister Marc Weigel erinnerte daran, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht abstrakt waren, sondern mitten aus der Gesellschaft heraus geschahen. Die NS Krankenmorde seien ein Beispiel für staatlich organisierten Mord, der bürokratisch geplant, medizinisch begleitet und sprachlich verschleiert wurde. Die Zerstörung der Menschlichkeit, so Weigel, beginne mit Abwertung und Sprache. „Die Würde des Menschen muss auch heute der Maßstab allen Handelns bleiben“, mahnte Weigel.

Biografien geben den Opfern ein Gesicht

Schülerinnen und Schüler des Käthe Kollwitz Gymnasiums stellten exemplarisch zwei Biografien vor. Rosa B. und Wilhelm C. stehen stellvertretend für viele Menschen, die entrechtet, ausgegrenzt und schließlich getötet wurden, weil sie als krank oder nicht leistungsfähig galten. Ihre Lebensgeschichten machten deutlich, dass es sich nicht um anonyme Opfer handelte, sondern um Nachbarn, Angehörige und Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das Erinnern an ihre Namen und Schicksale soll ihnen ihre Würde zurückgeben.

Darstellendes Spiel als eindringliche Mahnung

Besonders eindrucksvoll war das darstellende Spiel „Gnadentod?“ des Leibniz Gymnasiums. Schülerinnen und Schüler führten vor Augen, wie Menschen aus ihren Familien gerissen, diagnostiziert, entmenschlicht und ermordet wurden. Die Inszenierung machte spürbar, wie perfide das System der NS Krankenmorde funktionierte und wie hilflos die Betroffenen und ihre Angehörigen waren. Stille im Kirchenraum zeigte, wie tief diese Darstellung berührte.

Gemeinsames Gedenken

Die Schüler der Schubert Schule entzündeten Kerzen der Erinnerung für alle Opfer der NS Terrorherrschaft. Zum Abschluss sangen alle Anwesenden gemeinsam das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Musikalisch begleitet von Schülern des Kurfürst Ruprecht Gymnasiums wurde dieser Moment zu einem stillen Zeichen von Zusammenhalt, Trauer und Hoffnung.

Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart

Die Gedenkveranstaltung machte deutlich, dass Erinnerung kein Rückblick aus Pflicht ist, sondern ein Blick nach vorn aus Verantwortung. Demokratie und Menschenwürde sind nicht selbstverständlich. Sie brauchen Schutz, Engagement und eine klare Haltung gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.

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Autor: Pressestelle, 27.01.2026