Vitamin Sprache für dein Kind
Sprachentwicklung beginnt im Mutterleib
Dein Baby kann dich schon ab der 20. SSW hören! Ab der 22. SSW reagiert es auf deine Ansprache. Babys können im Mutterleib die Stimmen ihrer Eltern von anderen Stimmen unterscheiden und lernen den Klang und den Rhythmus ihrer Muttersprache.
Deine Sprache beruhigt mich
Hast du dich schon einmal gefragt, was dein Baby aus seiner Umwelt wahrnimmt?
- "Ich will meine Welt entdecken, sehen, riechen, schmecken und hören"
- "Ich möchte eure Stimme hören. Eure Stimme gibt mir Sicherheit und Geborgenheit, damit ich alles Neue erkunden und entdecken kann."
- "Du kannst in ruhiger Stimme mit mir sprechen oder auch leise singen. Beides beruhigt mich."
Wenn du dein Kind gut beruhigen kannst, wird eure Bindung gestärkt. Dadurch erfährt dein Baby Sicherheit und ist nun bereit zu lernen.
Elternwissen: Bindung
Unter Bindung versteht man ein gefühlvolles, unsichtbares Band zwischen zwei Menschen – insbesondere die Verbindung zwischen den Eltern und ihrem Kind. Diese Verbindung gibt Babys Sicherheit und Geborgenheit und hat großen Einfluss auf die gesamte Entwicklung des Kindes und sein weiteres Leben.
Deine Sprache, dein Singen, deine Stimme, euer Körperkontakt, deine Liebe und deine Aufmerksamkeit beruhigen dein Baby. Es tankt bei dir auf, so entsteht eine stabile Bindung zwischen euch. Nur wenn sich dein Baby sicher und geborgen fühlt, sowie seine Bedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Schlaf gestillt sind, ist es bereit, die Welt zu entdecken und Neues zu lernen.
Damit du für dein Kind eine sichere Bindungsperson sein kannst, solltest du feinfühlig auf die Signale Deines Kindes reagieren. Dein Baby macht sich bei Freude, Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerz, Angst etc. durch Gesten und Laute bemerkbar und versucht so, Nähe zu dir herzustellen. Wenn du also direkt mit deinem Baby sprichst, es beruhigst, es anlächelst, streichelst, mit ihm Babysprache sprichst und singst, förderst du die Bindung zwischen euch.
Je stabiler euer Bindung ist und je sicherer sich dein Baby fühlt, desto besser kann es sich der Erkundung seiner Umwelt widmen und lernen. Dein Baby lernt vor allem in der Interaktion mit dir. Durch genaues Beobachten und Nachahmen lernt es die Welt kennen und begreifen. Während dein Baby intensiv seine Umwelt erkundet, benötigt es dich immer wieder als sicheren Hafen. Im Körperkontakt, durch beruhigendes Sprechen und Singen erfährt dein Baby Sicherheit und „tankt auf“, um später wieder auf Entdeckungstour gehen zu können.
Merke dir:
- Frühkindliche Bildung braucht eine sichere Bindungsbeziehung.
- Beruhige dein Kind mit deiner Stimme, deinem Singen und deiner Sprache und beobachte, wie es darauf reagiert. Wenn dein Baby mehr braucht, nimm es auf den Arm und überlege, was es von dir braucht, um sich zu beruhigen.
- Nimm Augenkontakt zu deinem Kind auf und unterbreche diesen nicht zu häufig durch Störungen oder Ablenkungen von außen.
- Leises Singen oder Brummen hilft deinem Baby, emotionale Selbstkontrolle zu entwickeln.
Die ersten 1000 Tage zählen
Sprache macht intelligent: Indem Dein Kind früh deine Sprache hört und selbst versucht zu sprechen, entwickeln sich wichtige Gehirnzellen - das Sprachzentrum entwickelt sich und damit auch die Intelligenz.
Kein Sprechen ohne Hören, kein Hören ohne Sprechen: Dein Baby kann nur sprechen und hören lernen, wenn du mit ihm sprichst.
Übung macht den Meister: Je mehr du mit deinem Baby sprichst, desto besser entwickelt sich sein Gehirn. Wiederholungen sind wichtig!
Sprache vermitteln ist ganz einfach: Benenne einfach die Dinge, die du tust! Zum Beispiel, wenn du dein Kind anziehst oder es fütterst.
Sprich mit deinem Kind in deiner Muttersprache!
Elternwissen: Spracherwerb
Warum die ersten 1000 Tage so wichtig sind: In diesem Zeitraum ist das Gehirn deines Kindes am empfänglichsten für Sprache. In dieser Zeit werden grundlegende neuronale Verbindungen für das Sprachverständnis und die Sprachproduktion gebildet. Frühe Erfahrungen und Interaktionen während dieser entscheidenden Phase legen den Grundstein für die sprachlichen Fähigkeiten und damit auch die Intelligenz deines Kindes in seinem späteren Leben.
Wie Sprechenlernen funktioniert: Sprechenlernen findet in verschiedenen Bereichen des Gehirns statt. Dafür müssen Verbindungen zwischen den Nervenzellen aufgebaut werden. Für das Sprechenlernen bedeutet das: Zeige deinem Baby die Gegenstände, über die du sprichst. Dein Kind kann dann eine Verbindung zwischen dem Gehörten Wort und dem gesehenen Gegenstand herstellen. Wenn dein Kind diese Situation häufiger erlebt, verstärkt sich diese Verbindung und es lernt, das Wort mit dem Gegenstand zu verknüpfen.
Du kannst das Sprechen lernen auf viele Arten fördern: Du kannst im Alltag Lieder, Reime und Geschichten einführen, die immer wieder bei den gleichen Tätigkeiten zum Einsatz kommen: Ein Lied vor dem Waschen, ein Reim nach dem Aufstehen, ein Bilderbuch anschauen vor dem Schlafengehen. Benenne die Dinge, auf die dein Baby zeigt, erkläre ihm, was du tust, siehst, riechst, schmeckst. Singe ihm vor, schau gemeinsam mit ihm ein Bilderbuch an und brabble mit deinem Kind. In dem du dein Baby nachahmst und seine Laute wiederholst, lernt es, dass auf es reagiert wird, dass es gehört und beachtet wird. Das wiederum fördert die Bindung zwischen euch.
Übung macht den Meister: Je mehr mit Kindern gesprochen wird, desto besser entwickelt sich ihre Sprache. Dazu brauchen sie einen direkten Gesprächspartner, der mit ihnen spielt, singt, spricht und ihnen vorliest. In Studien konnte belegt werden, dass der Wortschatz von Kindern größer ist, deren Eltern häufig mit ihnen sprachen. Ein Hörspiel oder der Fernseher können dies nicht ersetzten!
Kinder lernen in ihrem eigenen Tempo sprechen: Um den ersten Geburtstag können Kinder Ein-Wort-Sätze sprechen. Im Verlauf der nächsten Monate steigt der Wortschatz kontinuierlich an. Mit ca. 18 Monaten kommt es zum „Vokabelspurt“, die Kinder lernen in kurzer Zeit immer mehr Worte. Beachte bitte, dass Kinder auf sehr unterschiedliche Weise, in ihrem eigenen Tempo sprechen lernen. Kinder sprechen in dieser ersten Phase auch noch „untypisch“ d.h. jedes Essen kann „Brei“ sein, jeder runde Gegenstand ein „Ball“ und jedes Tier ein „Hund“. Auch die Aussprache kann noch fehlerhaft sein, ohne dass eine Sprachstörung vorliegen muss. Wenn du unsicher bist, sprich deine Kinderärztin oder deinen Kinderarzt an.
Im Internet gibt es eine Vielzahl von Beispielen für Schoßreiter, Reime und Kinderlieder. Schöne Anregungen – auch in anderen Sprachen - findest du u.a. bei der VHS Braunschweig.
Sprich Babysprache mit mir
Wusstest du, dass Babysprache deinem Baby hilft, sprechen zu lernen?
Babysprache, das bedeutet:
- höhere Stimmlage,
- längere Pausen,
- langsames Sprechtempo,
- überdeutliche Vokale.
Jeder kann Babysprache! Du auch! Schau es dir an:
Elternwissen: Babysprache
Babysprache hilft deinem Baby beim Sprechen lernen: Mit Babysprache ist gemeint, dass wir mit Babys brabbeln oder auch betont deutlich, langsam und meist mit höherer Stimme sprechen. Vielleicht kommst du dir dabei manchmal albern vor, aber Babysprache hilft deinem Baby beim Sprechen lernen. Babys interessieren sich brennend für andere Menschen, die sie direkt, deutlich und langsam ansprechen. Dadurch werden sie motiviert, selbst Laute zu bilden. Auch die Tonhöhe ist wichtig, denn Babys können höhere Töne besser hören, als tiefe. Wenn du also in übertriebener Sprachmelodie mit deinem Baby sprichst, weckst du sein Interesse, es hört länger zu und bekommt so mehr sprachlichen Input.
Babysprache macht dein Baby glücklich: Mit der glücklich klingenden, langsamen, hohen, ausdrucksstarken Babysprache verbindet dein Baby enorm positive Gefühle. Dadurch ist dein Baby aufmerksamer für seine Umwelt, für dich und das, was du sagst. Forscher fanden heraus, dass Eltern, die Babysprache mit ihren Babys sprachen, häufiger und mehr mit ihren Kindern sprachen. Dadurch lernten ihre Babys schneller sprechen: Mit 1,5 Jahren sprachen diese Kinder doppelt so häufig ganze Worte und hatten mit 18 Monaten bereits einen Wortschatz von ca. 100 Worten, im Vergleich zu Kindern, mit denen keine Babysprache gesprochen wurde. Hier betrug der Wortschatz mit 1,5 Jahren nur 60 Worte.
Du kannst Babysprache: Erwachsene können intuitiv mit Babys brabbeln. Wenn sie die Laute wiederholen, die das Baby macht, zeigen sie ihm, dass es wahrgenommen und dass auf es reagiert wird. Dies fördert die Bindung zwischen Kindern und ihren Eltern.
Weitere Informationen zum Thema Sprechenlernen von Babys unter: www.swr.de
Schenk mir deine Sprache
Du spielst mit deinem Baby und greifst kurz zum Handy um etwas zu googlen oder um eine Nachricht zu schreiben?
Wolltest du schon mal kurz aufs Handy schauen und ohne dass du es merkst, sind 30 Minuten vergangen?
So, oder so ähnlich ist es uns allen schon mal ergangen. Das Smartphone ist unser ständiger und für die meisten enorm wichtiger Begleiter geworden.
Doch was macht das mit deinem Kind? Schau dir dieses Video an:
Elternwissen: Sprich mit mir und bleib bei mir
Sprich mit mir und bleib bei mir: Lass dich in der Kommunikation mit deinem Kind nicht ablenken oder unterbrechen! Wenn du eure Kommunikation plötzlich abbrichst -wie in dem still face -Experiment-, reagiert dein Baby mit Verwirrung, Unbehagen und Frustration. Die kontinuierliche Interaktion ist für das Wohlbefinden deines Babys wichtig. Es ist darauf angewiesen, dass du im Kontakt mit ihm bleibst, um Sicherheit und Verbundenheit zu fühlen und sich bestmöglich entwickeln zu können. Wenn dein Baby diese Erfahrung des Kontaktabbruchs häufiger macht, wird dein Baby seltener versuchen, mit dir in Kontakt zu treten, seine Konzentrationsspanne und emotionale Beziehungsfähigkeit nehmen ab und es reagiert wütend und traurig.
Beschäftige dich mit deinem Kind: Kommunikation meint nicht nur miteinander zu sprechen. Sie beginnt schon mit dem Blickkontakt, mit Gestik und Mimik. Aufeinander zu reagieren, die Reaktionen deines Babys wahrzunehmen und darauf zu antworten, ist die notwendige Zuwendung, die dein Kind braucht, um sich geborgen zu fühlen, zu verstehen und zu lernen.
Manchmal braucht dein Baby eine Pause: Achte darauf, ob dein Baby gerade bereit ist, mit dir zu singen, zu spielen oder zu brabbeln, oder ob es etwas anderes benötigt. Nicht immer sind Babys dazu bereit, akustische Reize wie Worte, Lieder, Reim etc. aufzunehmen. Erinnere dich daran, dass dein Baby nur dann bereit ist, zu lernen und die Welt zu erkunden, wenn es sich sicher und geborgen fühlt. Lass es daher bei dir und anderen Bezugspersonen auftanken (v.a. durch Körperkontakt und beruhigendes Sprechen), damit es weiter lernen und entdecken kann.
Bedenke, dass von deinem Smartphone eine Sogwirkung ausgehen kann, die Eltern unterschätzen. Vermeide daher die Nutzung des Smartphones in Anwesenheit deines Kindes. Dein Baby muss dich sehen, deine Reaktionen genau erkennen und deuten können. Dein Kind kann nicht verstehen, warum du lachst, weinst, emotional reagiert, weil du etwas auf dem Handy gesehen hast.
Elternwissen: Entwickle sinnvolle Regeln für die Mediennutzung in deiner Familie
Mache dir bewusst, wie oft und wann du dein Handy nutzt: Weißt du, wie häufig und wofür du dein Handy nutzt? Das kannst du ganz einfach herausfinden, in dem du deine Handyeinstellungen öffnest und hier die Analyse deines Nutzungsprofils anklickst. Die meisten Handys bieten auch „Auszeit- / Jugendschutz- / Unterbrechungs-“ einstellungen und Apps an, die dabei helfen, das Handy häufiger wegzulegen.
Überlege dir, ob du eine medienfreie/ handyfreie Zeit festlegen kannst, in der deine Aufmerksamkeit nur deinem Baby gilt und verlege deine Mediennutzung am besten auf die Zeiten, in denen dein Kind schläft.
Lege dein Handy in der Wohnung am besten an einem festen Ort ab und trage es nicht ständig mit dir herum.
Lass keine Bildschirmmedien wie z.B. den Fernseher laufen, wenn sich dein Baby im selben Raum befindet. Der schnelle Wechsel von Bildern und Geräuschen kann die Aufmerksamkeit deines Babys überfordern und seine Fähigkeit zur Konzentration und zum Lernen beeinträchtigen. Außerdem steigt das Risiko für Schlafstörungen.
Weitere Tipps, wie Du einen sinnvollen Umgang für Digitalmedien in der Familie umsetzen kannst, findest Du unter
Smartphones können kein Vitamin Sprache
Es ist für Babys nicht möglich, über Bildschirme zu lernen.
Dein Smartphone kann deinem Baby nicht dabei helfen, sich zu entwickeln, sich zu beruhigen und die Welt zu verstehen.
Die Bilder und Geräusche deines Smartphones überfordern dein Kind.
Kinder unter 3 Jahren sollten noch keine Zeit vor Bildschirmmedien verbringen.
Elternwissen: Smartphones können kein Vitamin S
Es ist für Babys nicht möglich über Bildschirme zu lernen: Die Sogwirkung des Smartphones erfasst nicht nur Erwachsene, sondern vor allem auch Babys und Kinder. Sie sind fasziniert von dem, was sie sehen und hören, können es aber nicht verarbeiten und sind überfordert und reizüberflutet. Diese Reaktionen zeigen kleine Kinder nicht immer direkt beim betrachten von Medieninhalten, sondern unter Umständen auch erst einige Stunden später. Sie finden dann z.B. nicht zur Ruhe oder in den Schlaf.
Was die Bezugspersonen tun und sagen hilft deinem Baby sich zu entwickeln, sich zu beruhigen und die Welt zu verstehen, nicht die Stimmen und Bilder aus dem Smartphone.
Bidschirmfrei bis 3! Experten sind sich einig, dass Kinder unter 3 Jahren aktiv spielen, erkunden und echte soziale Interaktionen erleben müssen. Bildschirmzeit in diesem Alter kann die Entwicklung von Sprache, sozialen und emotionalen Fähigkeiten, Aufmerksamkeit und motorischen Fähigkeiten beeinträchtigen. Außerdem werden die Augen deines Babys zu stark belastet und das Risiko für Schlafstörungen steigt.
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