Woher wissen wir, welche Schulform die richtige für unser Kind ist?
Mit dem Halbjahreszeugnis der vierten Klasse bekommt Ihr Kind eine Empfehlung der Grundschule, welche weiterführende Schule für das Kind geeignet ist. Diese Schulempfehlung beruht auf langfristigen Beobachtungen, einer sorgfältigen Abwägung und fällt in der Klassenkonferenz, also unter Beteiligung aller Lehrer/innen, die in der Klasse unterrichten. Wenn Sie möchten, können Sie im Vorfeld (etwa zwischen November und Januar) ein Empfehlungsgespräch mit der Grundschule in Anspruch nehmen.
Für die Wahl der richtigen weiterführenden Schule sind zunächst einmal die schulischen Leistungen und das allgemeine Lern- und Arbeitsverhalten entscheidend. Hinweise zum Lern- und Arbeitsverhalten sowie zum Sozialverhalten sind auf den Jahres- und Abschlusszeugnissen der Grundschule vermerkt. Kriterien zur Beurteilung des Lernverhaltens sind beispielsweise, welche Lerninhalte Ihr Kind leicht erfasst und welche ihm schwerfallen, in welchem Tempo es lernt, wie gut es sich konzentrieren und die Lerninhalte merken kann, ob es spezielle Interessen für bestimmte Fächer hat und ob es aus eigenem Antrieb nach Lösungswegen sucht oder vielleicht bemüht ist, Schwierigkeiten zu vermeiden.
Sie können sich ein eigenes Bild vom Lern- und Arbeitsverhalten Ihres Kindes machen, wenn Sie es bei den Hausaufgaben beobachten:
- Beginnt Ihr Kind von selbst mit den Hausaufgaben oder müssen Sie es häufig dazu auffordern?
- Erledigt es auch Aufgaben, die es nicht gerne mag, ordentlich und zuverlässig?
- Schreibt Ihr Kind an der Tafel notierte Hausaufgaben vollständig und korrekt ab?
- Versteht Ihr Kind die Arbeitsaufträge ohne Ihre Erklärungen oder fragt, wenn ihm etwas unklar ist, direkt bei der Lehrperson nach?
- Nimmt es alle für den Unterricht benötigten Materialien verlässlich mit in die Schule?
- Kann es mindestens zwanzig Minuten lang alleine arbeiten?
- Reichen im Durchschnitt 50 bis 60 Minuten für die Hausaufgaben aus?
- Kann es zuhause Text (z. B. für eine Theaterszene) auswendig lernen und in der Schule mit anderen sprechen und spielen
- Bemüht sich Ihr Kind, selbständig Wissen zu erwerben oder zu vertiefen (beispielsweise, indem es sich Bücher ausleiht, Wissenssendungen im Fernsehen verfolgt oder Erwachsenen Sachfragen stellt)?
Für die Beurteilung der Leistungen Ihres Kindes sind nicht nur Noten ausschlaggebend. Mit der Wahl einer weiterführenden Schule treffen Sie eine Prognose über die zukünftige Leistungsfähigkeit. Dafür ist auch wichtig, ob Ihr Kind im Unterricht erläuterte Gesetzmäßigkeiten in den Übungen bei den Hausaufgaben selbständig anwenden kann (Transfer), beispielsweise, ob es mathematische Textaufgaben versteht. Das Sprachverständnis zeigt sich zum Beispiel darin, ob Ihr Kind Erlebnisse spannend und sprachlich zutreffend wiedergeben kann.
Von großer Bedeutung ist auch, ob das Kind Ereignisse sinnvoll in eine Reihenfolge anordnen kann (Bildergeschichten o.ä.), also das Prinzip von Ursache und Wirkung verstanden hat. Ein weiteres Merkmal ist, ob Ihr Kind Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gegenständen oder Begriffen erkennt und in der Lage ist, Gleiches unter einem Oberbegriff zusammenzufassen.
Über diese leistungsbezogenen Kompetenzen hinaus darf nicht übersehen werden, dass auch die emotionale Sicherheit und das Selbstvertrauen des Kindes eine Rolle spielen. Es gehört zu den Anliegen der weiterführenden Schule, Ihr Kind bei der allmählichen Festigung seiner Persönlichkeit und der Freude am Lernen zu begleiten und zu unterstützen.
Sollten Sie zu einer gänzlich anderen Schulform tendieren als die Empfehlung der Grundschule, können Sie eine schulpsychologische Beratung als zweite Meinung einholen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer Ihr Kind schon länger begleitet und in vielen Situationen erlebt hat, während schulpsychologische Diagnostik immer nur eine Momentaufnahme darstellt. Bedenken Sie, dass sowohl die Grundschule als auch Sie das Wohl des Kindes im Blick haben; niemand hat Interesse daran, Ihrem Kind eine falsche Laufbahn nahezulegen.