US-Präsident Ronald Reagan auf dem Hambacher Schloss
Am 6. Mai 1985 kam der US-Präsident Ronald Reagan nach Neustadt, um auf dem Hambacher Schloss eine Rede an die Deutsche Jugend zu halten. Am Vortag hatten er und Helmut Kohl auf dem Soldatenfriedhof Kolmeshöhe bei Bitburg, auf dem auch einige junge SS-Soldaten begraben waren, als Zeichen der Versöhnung einen Kranz niedergelegt. In Amerika schon vorher und auch in Deutschland brach eine Welle der Entrüstung aus, die den Staatsbesuch insgesamt emotional erheblich belastete. Der Besuch in Neustadt sollte deshalb nach dem Willen von Helmut Kohl zu einem versöhnlichen Abschluss führen.
Und so kam es zum Glück auch. Der Wettergott zeigte sich von seiner besten Seite, als der Hubschrauber des Präsidenten auf dem Flugplatz in Lachen-Speyerdorf landete. Die Weinkehlchen begrüßten unter der Leitung von Peter Janssen das Präsidenten- und Kanzlerpaar mit dem Volkslied: „Am Brunnen vor dem Tore“, das auch in Amerika bekannt war. Ich sprach einige Worte zur Begrüßung. Danach trugen sich die Gäste ins goldene Buch der Stadt ein.
Im Auto von Bernhard Vogel folgten wir den Gästen durch die Weinberge nach Hambach. Unterwegs zeigten mehrere Menschen dem vorbeifahrenden Präsidenten aus Verachtung für ihn ihr entblößtes Hinterteil. Wie peinlich, wahrlich! In Hambach fuhren wir durch die Schlossgasse im Schritttempo. Wir hatten Blumenkästen mit blühenden Geranien an den Fensterbänken befestigt. Die Straße bot ein malerisch farbenfrohes Bild mit dem Schloss in der Höhe in Sichtweite über uns. An der Mohre-Jule bat Helmut Kohl kurz anzuhalten, damit der Präsident einen Blick in den idyllisch geschmückten Hof werfen konnte. Ich fragte mich, was der Präsident in diesem Moment wohl denken mochte. Ob er an seine Kindheit dachte und an eine Puppenstube?
Oben angekommen, empfingen ihn etwa 6.000 begeisterte, meistens junge Menschen. Nach der Begrüßung durch Bernhard Vogel und Helmut Kohl begann Ronald Reagan seine Rede mit dem Satz: „Wenn Sie uns hier begrüßen, ehren Sie damit 237 Millionen Amerikaner, die zu vertreten ich die Ehre habe. Ich möchte hinzufügen, das wohl mehr Amerikaner ihre Wurzeln in diesem Lande, in diesen Städten und in ihren Familien haben, als in irgendeinem anderen Ort oder Volk dieser Welt. An die deutsche Teilung erinnernd meinte er: „Nichts könnte unsere Herzen froher stimmen, als den Tag zu erleben, an dem es keine Mauer mehr geben wird, keine Waffen mehr, die Familien und Freunde voneinander trennen.“ Den Jugendlichen rief er zu: „Die Zukunft wartet auf Ihren schöpferischen Geist“. „Meine jungen Freunde, dies ist eine herrliche Zeit zu leben und frei zu sein. Denken Sie daran, dass in Ihren Herzen die Sterne Ihres Schicksals leuchten, (-) dass alles von Ihnen abhängt, (-) und vergessen Sie keinen Augenblick, dass, wie Schiller gesagt hat, wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten.“ Zum Abschied fügte er sichtlich gerührt auf Deutsch hinzu: „Mein Herz ist mit Ihnen! Gottes Segen!"