Wiederbewaldung nach dem 2.Weltkrieg mit Hilfe von Kulturfrauen
Während früherer Kriegszeiten, insbesondere im 1. und 2. Weltkrieg wurde überall in Deutschlands Wäldern mehr Holz eingeschlagen als zuwachsen konnte. Damit wurde gegen das eiserne, forstliche Prinzip der Nachhaltigkeit verstoßen. Auch nach den Kriegen wurde zunächst diese Übernutzung fortgesetzt. Zum einen um die Bevölkerung mit dem lebensnotwendigen Bau- und Brennstoff Holz zu versorgen, andererseits in Form sog. Reparationshiebe. Die Besatzungsmächte (in der Pfalz die Franzosen) schlugen für ihre eigenen Bedürfnisse zusätzliches Holz ein. Allein am Neustadter Königsberg ist ein großer Franzosenhieb mit über 2.000 m³ Holzanfall dokumentiert. Dort entstanden dann über 40 ha Kahlfläche.
Ab ca. 1948 begann die Zeit der Wiederaufforstung, bis ca. Mitte der 1950er Jahre. Viele ehemaligen Soldaten waren noch in Kriegsgefangenschaft oder waren verwundet und gefallen. Darüber hinaus mussten ja auch die zerstörten Städte aufgebaut und die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Wer sollte denn nun den darniederliegenden Wald wieder aufbauen?
Da kamen die sogenannten Kulturfrauen zum Einsatz. Bereits vor dem Krieg hatte man die meist ungelernten Waldarbeiterinnen für verschiedene „leichte“ Tätigkeit im Forst eingesetzt. Diesen meist als Saisonkräfte Beschäftigten ist es zu verdanken, dass innerhalb weniger Jahre zigtausende brachliegende Hektar Waldflächen aufgeforstet wurden. Die überwiegend im Akkord arbeitenden Kulturfrauen wurden sogar auf der 50-Pfennig-Münze geehrt.
Da nur wenig Pflanzgut verfügbar war, hat man für die Wiederbewaldung schnell wachsende und anspruchslose Nadelbaumarten gepflanzt: in der Pfalz auf dem nährstoffarmen Buntsandstein oft die Gemeine Waldkiefer in anderen Mittelgebirgen häufig die Fichte. Die jungen Bäumchen wurden meist in forsteigenen Kämpen, den Baumschulen, selbst gesät und großgezogen und nach ein bis drei Jahren in den Wald gepflanzt. Material aus Baumschulen war anfangs kaum verfügbar und recht teuer.
Die vielen Dutzenden Kulturfrauen wurden im Neustadter Stadtwald (im Übrigen der größte Kommunalwald in Rheinland-Pfalz) noch bis in die 1990er Jahre beschäftigt. Neben den Pflanzarbeiten waren die Kulturfrauen auch mit der Pflege junger Waldbestände beauftragt, wie Jungwuchspflege, Kulturpflege usw., meist mit manuellen Arbeitsgeräten.