Auf dem Weg zur Macht
Es war keineswegs ausgemacht und unabwendbar, dass die Weimarer Republik zum Scheitern verurteilt war. Dennoch wandten sich immer mehr Menschen von ihr ab und suchten ihr ‚Heil‘ im Nationalsozialismus.
Im Sommer 1932 erfasste die Statistik in der gesamten Pfalz 90.000 Arbeitslose – die politische und die wirtschaftliche Krise hatte ihren Höhepunkt erreicht. Nicht zuletzt durch eine ausgeprägte Propagandatätigkeit und eine häufige Präsenz während der Wahlkämpfe setzte die NSDAP ihren Aufstieg zur Volkspartei fort. Mit einfachen Parolen sollten die Menschen auf ihre Seite gebracht werden. „Gebt Hitler die Macht, und er wird Euch Brot und Arbeit geben“, vermeldete im Juli 1932 die „NSZ-Rheinfront“, das Parteiblatt der pfälzischen NSDAP.
Bereits 1927 war Neustadt zur Gauhauptstadt aufgestiegen und fungierte im Juli 1932 als Gastgeber des Gautreffens der pfälzischen NSDAP, zu dessen Beginn große SA- und SS-Einheiten durch die Stadt marschierten. Unmittelbar vor den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 veranstaltete die Führungsriege der pfälzischen NSDAP unter Gauleiter Josef Bürckel eine vierzehntägige Propagandarundfahrt durch die Region, zu deren Höhepunkt ein Besuch Hitlers am 29. Juli hochstilisiert wurde. Bürckel holte den Parteivorsitzenden am Flugplatz in Lachen-Speyerdorf ab, danach sprach dieser vor geschätzten 50.000 Menschen im Neustadter Stadion.
Zu Sündenböcken machten die NS-Wahlredner die demokratischen Parteien, die Juden und die Kommunisten und stachelten ihre Schlägertrupps in Form der SA zu Gewalt gegen diese an. Die Bemühungen der NSDAP waren vom Erfolg gekrönt – leider. Sie erreichte am 31. Juli 1932 in Neustadt mit 51,1% der Stimmen sogar die absolute Mehrheit, danach folgten weit abgeschlagen mit jeweils 15,5% die SPD und das Zentrum. Bereits im November musste der Reichstag erneut gewählt werden; zwar kam die NSDAP in Neustadt nur noch auf 45,3% der Stimmen, die Erlangung der Macht war aber trotzdem nicht mehr fern.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. In Neustadt feierten 700 Nationalsozialisten ihren Triumph mit einem Fackelzug durch die Stadt. Dass nur 200 Gegendemonstranten der KPD auf die Straße gingen, mutet schon wie ein böses Omen für die Zukunft an.