Erinnerungen an das Hambacher Fest in Bildern und Musik

Das Hambacher Fest von 1832 fand seinen Niederschlag in zahlreichen schriftlichen Zeugnissen und Beschreibungen. Zu der sich entwickelnden Erinnerungskultur gehörte auch die Produktion von Gegenständen, die an das Fest erinnern sollten. Männer trugen breitkrempige Hüte nach dem Vorbild der Festordner, auf Pfeifenköpfen und Tellern wurde die Hambacher Schlossruine abgebildet. Zur Sonntagsgarderobe der Frauen gehörte eine lithografisch bedruckte Schürze mit dem Motiv des Festzugs. Aufwändig von zwei Steinen bedruckt wurde das sogenannte Hambacher Tuch. Auf der Textilie sind im Kreis die Porträts von sechzehn Männern mit Verbindung zum Hambacher Fest angeordnet, darunter Siebenpfeiffer und Wirth. Auch zwei Neustadter Bürger sind dabei: der Fahnenträger Johann Philipp Abresch und der Landtagsabgeordnete Johann Jakob Schopman. Nicht alle der porträtierten Persönlichkeiten hatten allerdings auch am Fest teilgenommen. In der Mitte des Tuchs ist der Zug der Festteilnehmer zur Schlossruine zu sehen. 

Die bekannteste bildliche Darstel-lung der Ereignisse vom 27. Mai 1832 ist Erhard Joseph Brenzingers Federlithografie mit der Darstellung des Festzuges. Sie entstand als Beilage zu der Mitte Juni 1832 in Karlsruhe erstmals erschienenen Zeitschrift „Der Zeitgeist“, initiiert und redigiert von Brenzingers Freund Karl Mathy. Brenzingers Lithografie des Festzugs wurde in der Zeit nach dem Hambacher Fest von anderen Grafikern mehrfach übernommen. Dazu gehören die Variationen auf der Hambacher Schürze, dem Hambacher Tuch und die Federlithografie in dem vom Neustadter Buchhändler Philipp Christmann herausgegebenen Volkskalender „Der Bote vom Haardtgebirge für das Jahr 1833“.

Die beiden ersten zur Erinnerung an das Hambacher Fest entstandenen druckgrafischen Darstellungen stammen allerdings von dem seinerzeit in Neustadt ansässigen Mathias Johann Carl Thum (1810-1899). Es handelt sich um eine schon am 25. Mai 1832 im Neustadter Wochenblatt offerierte Kreidelithografie mit dem Bild der Schlossruine und eine am 2. Juni 1832 im Landauer Eilboten veröffentlichte Federlithografie mit der Darstellung der tafelnden Festteilnehmer vor der Kulisse des Hambacher Schlosses.

Auch mit Musikstücken sollte die Erinnerung an die Hambacher Ereignisse lebendig gehalten werden. Beim Musikverlag Schott´s Söhne in Mainz erschienen 1832 und 1833 vier Kompositionen für Piano, die alle nach dem Ort des Festes benannt sind: Hambacher Walzer, Hambacher Galoppade, Hambacher Favorit Marsch und 2. Hambacher Favorit Walzer. Das Titelblatt des Favorit Marsches schmückt eine Lithografie nach Brenzingers Darstellung des Festzuges, die Titelblätter der drei anderen Ausgaben zeigen Variationen nach Thums Erinnerungsblatt mit dem Bild der Schlossruine.

In den Notenheften findet sich kein Hinweis auf den Komponisten der vier Musikstücke. Als Urheber kommt mit dem jungen Pianisten und Komponisten Johann Ludwig Dacqué ein weiterer Neustadter infrage.  Sein Vater Ludwig Dacqué war während des Hambacher Festes Neustadter Bürgermeister und bemühte sich um die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung. Außerdem war Ludwig Dacqué Inhaber einer Papierfabrik im Schöntal und stand in enger Geschäftsverbindung mit dem Musikverlag Schott´s Söhne. Dacqués Fabrik lieferte Papier für den Druck der Notenhefte nach Mainz.