Konfessionen im 16.Jahrhundert in Neustadt
Die „Hohe Schul“, also die Universität der kurpfälzischen Hauptstadt Heidelberg, war eine der wichtigsten theologischen Ausbildungsstätten Deutschlands. Seit dem 15. Jahrhundert stand das Neustadter Stift und dessen Schule in enger Verbindung zu ihr.
1518 kam Martin Luther zu einer Disputation über seine Lehre an der Heidelberger Universität, wodurch die Reformation in der Region bekannt wurde. 1523 soll in Neustadt „ein Pfaff ein Jungfrau zur Kirch“ geführt, also geehelicht haben. Ebenfalls wurde der Priester Heinrich Stoll ausgewiesen, weil er in Worms „evangelisch gepredigt“ habe. Doch während in Landau, Worms und später in Speyer die Reformation eingeführt wurde, verhielt sich Kurfürste Ludwig V. (1478-1544) vermittelnd. Er trat für Reformen ein, blieb jedoch seinem alten Glauben treu, der damals noch nicht „katholisch“ genannt wurde. So hatte er eine Vermittlerrolle auf Reichstagen, was ihm den Beinamen „der Friedfertige“ einbrachte.
In Neustadt drückte 1545 der Stadtrat seine Unzufriedenheit mit dem Lebenswandel eines Geistlichen aus, der eine „Magd mit einem Kind“ bei sich hatte und der „nicht angenehm in der leer“ sei, doch wurde bereits 1546 in der Heidelberger Heiliggeistkirche unter dem auf der Burg Winzingen geborenen Kurfürsten Friedrich II. das evangelische Abendmahl gefeiert. 1554 wurde mit der Übernahme von Jörg Schoner (oder Schöner) als „Pfarrer und Prädikant“ die Reformation in Neustadt eingeführt, zwei Jahre vor dem Rest der Kurpfalz.
Die konfessionelle Prägung in der Zeit zwischen 1554 und 1560 unter den Kurfürsten Friedrich II. und Ottheinrich war gemäßigt lutherisch, orientiert an dem aus der Kurpfalz stammenden Theologen Philipp Melanchthon. Lutheraner lassen Bilder in Kirchen und Bibelausgaben zu. Sie haben eine umfangreiche Liturgie mit einer Liedtradition, die an Martin Luther anknüpft. Beim Abendmahl glauben Lutheraner, dass Jesus „anwesend“ sei, allerdings lehnen sie die katholische Transsubstantiation, also die „Wesensverwandlung“ von Brot und Wein durch einen Priester ab.
Ab der Amtsübernahme von Kurfürst Friedrich III. um 1560 orientierte sich die Kurpfalz an der Lehre des Genfer Reformators Johannes Calvin. Mit dem „Heidelberger Katechismus“ von 1563, dessen Hauptverfasser Zacharias Ursinus war, ging man aber einen gemäßigten Sonderweg, der „reformiert“ genannt wurde. Die Reformierten konzentrierten sich auf die Bibel und das gepredigte Wort. Daher waren Wandmalereien und Schmuck in Kirchen unerwünscht. Der Altar wurde durch einen Abendmahlstisch ersetzt, auf dem allein die der Gemeinde zugewandte aufgeschlagene Bibel lag. Abendmahl gab es nur vier Mal im Jahr, die Liturgie war auf das Wesentliche beschränkt und gesungen wurden nur die 150 Psalmen der Bibel, die mit einer Melodie unterlegt waren.