Matthäus Harnisch und die Neustadter Bibel

Der Druckerverleger Matthäus Harnisch wurde mit Vornamen auch Matthis oder Matheus und mit Nachnamen latinisiert Harnisius genannt. Geboren wurde er 1535 in der Region Leipzig, er starb 1596 in Neustadt. In den 1560er Jahren ließ er sich in Heidelberg nieder, wo er Anna Wigand ehelichte. Das Paar hatte zwei Söhne, Josua und Wilhelm, und zwei Töchter. Bruder seiner Frau war der Druckerverleger Johann Meyer, dessen Mitarbeiter und Partner Harnisch wurde. Bei Meyer erschien 1563 der „Pfälzer Katechismus“, der später „Heidelberger Katechismus“ genannt wurde, sowie 1569 eine Bibelausgabe.

Harnisch lernte das Buchbinderhandwerk und firmierte als Buchhändler auf Messen, aber auch als Weinhändler. 1571 wurde Harnisch ein eigenes Wappen verliehen und er erhielt ein Privileg des Kurfürsten, dass er auch linksrheinisch Bücher verkaufen durfte. Ab 1573 war er in Frankfurt und Leipzig bei den Buchmessen mit einem umfangreichen Katalog an theologischen, philosophischen, juristischen, medizinischen, historischen, poetischen, sprachlichen und musikalischen Büchern vertreten.

Nach dem Tod Friedrich III. 1576 zogen Meyer und Harnisch nach Neustadt. Meyers starb 1579, Harnisch wurde nun auch Buchdrucker und erwarb ein Haus, „am Markt gelegen“. 1583 starben Kurfürst Ludwig VI. sowie Harnischs Frau Anna, während er auf der Frankfurter Buchmesse war. 1584 heiratete Harnisch Anna Klemm und errichtete 1586 ein neues Haus mit Druckerei und Buchhandlung, vermutlich in der Landschreibereistraße 1, so Lutz Frisch.

Nach der sukzessiven Verlegung der Hochschule zurück nach Heidelberg blieb Harnisch Neustadt treu und verlegte bis zu seinem Tod 1596 seine Bücher selbst. Nur kurz führten seine Söhne die Druckerei weiter, Wilhelm starb 1597, Josua wurde vom Konsistorium der Stadt wegen Trunksucht ermahnt. Bekannt sind über 330 Bücher die mit Harnischs Namen verbunden sind. Seine Druckermarke (Signet) zeigt ein Füllhorn verbunden mit dem hebräischen Gottesnamen und dem Spruch „ditat servata fides“, übersetzt: „den Glauben bewahren macht reich.“

Die erste Neustadter Bibel erschien 1579. Harnisch nutzte dafür Luthers Bibelübersetzung, doch übernahm er nicht dessen Anmerkungen und Vorworte. Gemäß der reformierten Lehre wurden auch keine Bilder im Text aufgenommen, die die Geschichten visualisierten. Nur im Vorwort und an wenigen Stellen im Text ergänzte der Verleger sachkundliche Grafiken und Landkarten. Durch diese erste deutsche Ausgabe, die eine Verszählung enthielt, konnten Laien schneller überprüfen, ob Aussagen von Theologen auf der Bibel basieren. Dies war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Demokratisierung des Glaubens und der Kirche insgesamt. Diese Ausgabe ist damit auch Vorbild moderner, unbebildeter Bibeln.

1588-1589 erschien dann eine von David Pareus (1548-1622) kommentierte Ausgabe, die im engeren Sinne als „Neustadter Bibel“ verstanden wird (Traudel Himmighöfer). Pareus, ein Schüler von Zacharias Ursinus, war 1580-1584 Pfarrer in Winzingen und später Professor am Heidelberger Sapienzkolleg. Lutheraner beschimpften diese Bibelausgabe aufgrund der reformierten Kommentierungen des Luthertextes sowie aufgrund der Übersetzungskorrekturen durch Pareus als „Erzbubenstück“ und „mit des Teufels Kot beschmeißte Biblia“, die eine „calvinische verdammte Ketzerei“ sei und „gräuliche erschreckende Irrtümer“ enthielt. Neuauflagen erschienen 1591, großformatige Folio-Ausgaben 1594, 1596 und als Nachdruck 1613 in Hanau und Frankfurt. Ab 1594 sind in manchen Ausgaben die Psalmgesänge Ambrosius Lobwassers und der Heidelberger Katechismus bei gebunden.