Oberamtsstadt und Landesherrschaft

Oberster Beamter des Pfalzgrafen in der Oberamtsstadt Neustadt war der Viztum. Aus seinen Aufgaben hatte sich die Finanzverwaltung zu einem eigenen Organ entwickelt, an dessen Spitze der Landschreiber stand. Er war Einnehmer der landesherrlichen Abgaben der Orte seines Zuständigkeitsbereichs. Außerdem erledigte er alle in seinem Bezirk anfallenden Ausgaben des Heidelberger Hofs. Seit etwa 1500 entstand in der Neustadter Oberamtsverwaltung das Amt des Kellers, der die Naturalabgaben und die Einkünfte aus den kurfürstlichen Domänen zu verwalten hatte. Die Oberamtsstadt unterhielt besondere Beziehungen zu den landesherrlichen Beamten wie auch zum Landesherrn. Durch Einladungen und Geschenke wurde die Verbindung zwischen ihnen gepflegt. 

Der Viztum ließ dem Rat der Stadt am Karfreitag, sicherlich bestimmt für Ostern, und zu Pfingsten Wildbret zukommen. Er wurde von der Stadt immer wieder verköstigt. Dann wiederum gab es beim Viztum ein gemeinsames Essen mit dem Rat der Stadt. Der Viztum, seine Frau und sein Bruder wurden von der Stadt mit Weingeschenken bedacht. In der Stadtrechnung von 1492/93 sind Ausgaben verbucht für ein Weingeschenk an den Viztum zur Geburt seines Kinds.

Bei Besuchen in der Stadt wurde der Pfalzgraf standesgemäß bewirtet. Anlässlich des Besuchs von Ludwig III. um den Martinstag des Jahrs 1424 in Neustadt wurden in der Stadtrechnung zwei Ohm (etwa 300 Liter) und zwei Viertel (etwa 18 Liter) Wein abgerechnet. An den Heidelberger Hof wurden immer wieder Mandeln, Äpfel und Birnen als Geschenke geliefert.

Nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich I. am 12. Dezember 1476 übernahm dessen Neffe Philipp der Aufrichtige die Regierung in Heidelberg. Dies war für die Stadt Anlass zu einem besonderen Geschenk für den Kurfürsten und seine Ehefrau. Für einen Becher, den "man unßerm gnedigen herren geschincket hat", wurden 38 Gulden ausgegeben. Teurer noch war der Becher für die Kurfürstin. Nach der Stadtrechnung von 1476/77 musste die Stadt insgesamt 65 Gulden dafür aufwenden.

Als Kurfürst Ludwig V. im Iggelheimer Wald jagte, schickte die Stadt ihm fünf Ohm und zwei Viertel vom roten Gänsfüßer Wein. Dazu gab es einen gemästeten Stier.  Dafür ließ der Landesherr dem Rat der Stadt Neustadt schon einmal Wildbret zukommen. Verzehrt wurde das Fleisch bei einem abendlichen Mahl, bei dem Rat und Viertelmeister einschließlich Ehefrauen zusammen mit dem neuen Landschreiber Hiltprant und dessen Ehefrau gefeiert haben.