Stadtluft macht frei

Stadtluft macht frei – die Empfänger der Königsurkunde, des Königsprivilegs der Stadt Neustadt, waren die Bürger – mehrmals werden "cives" (Bürger) und die Gesamtheit der städtischen Gemeinschaft "civitas" (Bürgerschaft) genannt und die Genossenschaft kennzeichnet die „Novam Civitatem“, die „neue Schwurgemeinschaft“, beziehungsweise die „neue Stadt“.

Die „Nova Civitas“ wurde in die Winzinger Gemarkung hineingebaut. Siedlungen anderer politischer Kräfte des Raumes südlich, westlich und nördlich der Stadt waren vorhanden, doch sie sind "terra incognita" und bislang unerforscht. Der Einflussbereich des Bischofs von Speyer reichte vom Hambacher Schloss bis vermutlich zum Speyerbach (Marientraut). Das Tal wurde von der Reichsburg Wolfsburg beherrscht. Die Burg Winzingen kam im Einflussbereich der Leininger, vor allem der Pfalzgrafschaft, zu liegen. Das Ritterhaus könnte von Ministerialen (der Herzöge von Zweibrücken?) dominiert worden sein.

"Bürger und Bauer“ trennt nichts als die Mauer sagt ein Rechtssprichwort. Dahinter steckt aber mehr: der Bürger hat gerade auf dem Weg von der Unfreiheit zur Freiheit die Eierschalen der Unfreiheit abgestreift. Der Satz "Stadtluft mach frei" lässt die Abhängigkeitsmerkmale hinter sich:

der Grundherrlichkeit,
der Leibeigenschaft,
der gerichtlichen Abhängigkeit.

"Stadt" bedeutet Aufstieg, freie Luft zum Atmen! Die Abhängigkeiten konnten vielfältig sein und bestanden im:

Erbringen von Diensten (Frondienste), diese konnten unbemessen sein oder "bemessen", begrenzt, nur zur Erntezeit oder Aussaatzeit,
Zahlung eines jährlichen Geldzinses (Männer waren "mehr wert" und daher höher belastet,
Wachszinspflichtigkeit,
Heiratsbeschränkungen - der Konsens des Herrn war nötig,
Schollengebundenheit,
Freizügigkeit,
erbrechtliche Einschränkungen: Abgabe des "Besthaupt", des besten Stück Vieh und des "Buteil", des besten Kleides.

Der König hat den Aufstieg der Städte erfasst und anerkannt (Ratsverfassung). Die Bürger waren durch den Bürgereid miteinander verbunden, wählten jährlich ihre beiden Bürgermeister, am 11. November (St. Martin) und kurz danach sechs Viertelmeister am 18. November (St. Elisabeth).