Leibnizstraße (ehemals Von-Wissmann-Straße) 

nach Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker und politischer Berater

Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren. Seine Mutter war die dritte Ehefrau des Juristen Friedrich Leibnütz. Leibniz Elternhaus besaß eine umfangreiche und vielfältige Bibliothek, zu der Leibniz nach dem frühen Tod des Vaters unbeaufstichtigten Zugang hatte. Dies legte den Grundstein für die Bildung des jungen Leibniz. Als Achtjähriger lernte er in dieser Bibliothek autodidaktisch die lateinische und die griechische Sprache; als Zwölfjähriger entwickelte er beim Durchdenken logischer Fragestellungen die Anfänge einer mathematischen Zeichensprache.

Er studierte in Leipzig und Jena und erwarb an der Universität in Altdorf bei Nürnberg den Doktor beider Rechte –  des Kirchen- wie des Zivilrechts.

1676 nahm Leibniz, nach mehrjährigem Aufenthalt in Paris und Reisen nach London, Amsterdam und Den Haag, eine Stellung als Hofbibliothekar in Hannover an.

Leibniz kümmerte sich intensiv um Fragen der Mathematik, legte – parallel zu Isaac Newton – Wegweisendes zur Infinitesimalrechnung vor, einschließlich der bis heute gültigen Summenzeichen, entwickelte ein binäres Zahlensystem, die „Dyadik“, das die Darstellung aller Zahlen mit Hilfe der Null und der Eins ermöglicht –  später Grundlage der Computersprache – ,  und ertüftelte eine Rechenmaschine, die er jahrzehntelang zur Perfektion zu bringen versuchte.

Er war als Universalgelehrter der bedeutendste deutsche Philosoph seiner Zeit.

Gottfried Wilhelm Leibniz starb am 14. November 1716 im Alter von 70 Jahren in Hannover. Er hinterließ nicht nur ein beachtliches Vermögen sondern vor allem seine Manuskripte und Bücher, darunter rund 20.000 Briefe, die sofort nach seinem Tod an die Königliche Bibliothek übergeben wurden und ungeteilt überliefert sind. Bis heute ist die Edition aller Leibniz-Schriften nicht abgeschlossen.

Auf dem Sarg ließ Hofrat von Eckhart ein Ornament anbringen, das eine Eins innerhalb einer Null zeigte, mit der Inschrift OMNIA AD UNUM (deutsch: ‚Alles [bezieht sich] auf das Eine‘), als Hinweis auf das von Leibniz entwickelte binäre Zahlensystem und dessen theologische Deutung: Für Leibniz stand die 1 für Gott und die 0 für das Nichts.

In einer Umfrage zur Umbenennung der Straßennamen im Jahr 2023 hat sich klar herauskristallisiert, dass die Anwohnenden der Von-Wissmann-Straße in Zukunft den Straßennamen Leibnizstraße favorisieren.


ehemals nach Hermann von Wissmann (1853-1905), Afrikaforscher, Leiter der Wissmanntruppe, Gouverneur von Deutsch-Ostafrika

Biografie:

Hermann Wilhelm Leopold Ludwig Wissmann wurde 1853 in Frankfurt (Oder) geboren. Nach dem Besuch der Berliner Kriegsschule und des Kadettenkorps trat er in das Großherzoglich Mecklenburgische Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm“ Nr. 90 ein, wo er wegen seines aufbrausenden Auftretens den Spitznamen „toller Wissmann“ erhielt. Bei einer zufälligen Begegnung weckte der Afrikaforscher Paul Pogge in Wissmann das Interesse für Afrika. Er ließ sich für eine längere Zeit beurlauben, um Pogge 1881 auf einer von der afrikanischen Westküste ausgehenden Expedition in noch unbekannte Gebiete in Zentralafrika zu begleiten. Nachdem Pogge schwer erkrankt war und die Expedition hatte abbrechen müssen, erreichte Wissmann ohne ihn im November 1882 die Ostküste. Damit war er der erste Europäer, der den afrikanischen Kontinent durchquert hatte, was ihm Ansehen und Berühmtheit brachte.

1884 stellte das Deutsche Reich die afrikanischen Gebiete Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika, 1885 Deutsch-Ostafrika unter „Schutz“.

Schon bald kam es zu einem ersten großen Aufstand der indigenen Bevölkerung gegen die fremden Unterdrücker in Deutsch-Ostafrika, der zum Verlust fast aller durch die Kolonialmacht besetzten Gebiete führte. 1888 setzte Reichskanzler Otto von Bismarck daraufhin Wissmann als Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ein und beauftragte ihn mit der Niederschlagung des Aufstands. Vor dem Reichstag erklärte der neue Reichskommissar Wissmann im Januar 1889, Verhandlungen kämen für ihn nicht infrage, nur mit Gewalt könne „den Aufständischen eine gründliche Lehre erteilt und unser in Ostafrika schwer geschädigtes Ansehen wiederhergestellt“ werden. Von Bismarck erhielt Wissmann den Auftrag das Küstengebiet vollständig von den Aufständischen zurückzuerobern. Dabei sollten jedoch in keinem Fall Feldzüge unternommen werden, die mehr als einen Tagesmarsch ins Landesinnere führten. Der Reichskommissar widersetzte sich der Forderung Bismarcks und führte im September 1889 einen mehrmonatigen Feldzug ins Landesinnere an. Selbst andere Kolonialoffiziere bezeichneten Wissmanns Vorgehen dabei als „äußerst grausam“. Der „Wissmanntruppe“ gelang es auf diese Weise, den Widerstand der Aufständischen zu brechen.

Im Mai 1890 konnte Wissmann nach Berlin melden, dass die gesamte Küstenregion vollständig unter der Herrschaft des Deutschen Reiches stehe, woraufhin er zurückbeordert wurde. Zurück in Berlin, wurde Wissmann für seinen Einsatz zum Major befördert und von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Wegen seines nachlässigen Umgangs mit den ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln wurde er jedoch bereits ein Jahr später entlassen.

Wissmann wurde 1895 zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt. Er führte dieses Amt nur noch etwa ein Jahr aus, bevor er um Versetzung in den Ruhestand bat. Wissmann zog 1899 auf seinen Landsitz in Weißenbach (Liezen) in der Steiermark. Dort widmete er sich der Publikation seiner Erfahrungen in Afrika. 1905 starb Wissmann in Weißenbach bei einem Jagdunfall durch einen Schuss aus seinem eigenen Gewehr.

Anzahl der Straßenbenennungen nach Hermann von Wissmann in Deutschland:

Nach Hermann von Wissmann wurden in Mittel- und Großstädten des Deutschen Reichs 47 Straßen benannt, davon acht in der Kolonialzeit (bis 1919), sieben in der Weimarer Republik (bis 1933) und die übrigen 32 in der NS-Zeit.

Widmung 1938:

1938 wurde eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße als Von-Wissmann-Straße benannt.

Umbenennung 2024:

Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Leibnizstraße umzubenennen.