Maria-Merian-Straße (ehemals Karl-Peters-Straße)

nach Maria Sibylla Merian (1647-1717), Naturforscherin, Künstlerin, Pionierin der Insektenkunde

Geboren wurde Maria Sybilla Merian 1647 in Frankfurt am Main als Tochter von Matthäus Merian dem Älteren und seiner zweiten Frau Johanna Catharina Sibylla Heim. Einer ihrer Halbbrüder war Matthäus Merian der Jüngere. 1665 heiratete sie Johann Andreas Graff mit dem sie zwei Töchten bekam. Der Vater Matthäus Merian der Ältere war ein berühmter Kupferstecher. Für Neustadt existiert ein Original-Kupferstich aus dem Jahr 1645.

Schon früh begann sie, Insekten zu beobachten und zu züchten. Sie machte zu den verschiedenen Entwicklungsstadien der Schmetterlinge und Falter detaillierte Aufzeichnungen und entwickelte einen neuen Bildtyp, das „Metamorphosenbild“, das diese auf ästhetische Weise illustrierte. Wegen ihrer genauen Beobachtungen und Darstellungen gilt sie als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde.

Von 1699 bis 1701 bereiste Merian gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea Maria die niederländische Kolonie Surinam. In den Jahren danach publizierte sie ihr berühmt gewordenes Hauptwerk "Metamorphosis insectorum Surinamensium". In ihren letzten Jahren entschied sie sich zu einer niederländischen Neuausgabe ihres Raupenbuchs.

Sie starb 1717 im Alter von 69 Jahren in Amsterdam.

Maria Sibylla Merian gehörte zu den ersten Forscherinnen, die Insekten systematisch beobachteten und etwas über deren tatsächliche Lebensumstände herausfanden. Sie konnte zeigen, dass jede Schmetterlingsart als Raupe von einigen wenigen Futterpflanzen abhängig ist und ihre Eier nur an diesen Pflanzen ablegt. Vor allem die Metamorphose der Tiere war weitgehend unbekannt. Zwar wussten einige Gelehrte von der Verwandlung von Raupen in ausgewachsene Schmetterlinge, weiteren Kreisen der Bevölkerung, aber auch vielen Gebildeteren, war der Vorgang fremd. Merian trug entscheidend dazu bei, dies zu ändern. Da ihre Bücher aber in deutscher Sprache erschienen, versagten ihr viele Wissenschaftler jener Zeit die Annerkennung, da die Fachsprache der Gelehrten Latein war.


ehemals nach Karls Peters (1904-1998), Rechtswissenschaftler

Biografie:

Karl Albert Josef Peters wurde 1904 in Koblenz geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten Münster, Königsberg und Leipzig sowie der Akademie für Internationales Recht in Den Haag.

1927 promovierte er an der Universität Münster und war anschließend in mehreren Städten als Staatsanwalt tätig, 1931 habilitierte er sich an der Universität Köln.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat Karl Peters zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Über die strafrechtliche „Erneuerung“ durch den Nationalsozialismus äußerte er sich in mehreren Publikationen positiv.

An der Universität Köln wurde Peters 1938 außerplanmäßiger Professor. 1942 ernannte ihn das Justizministerium zum Ersten Staatsanwalt am Oberlandesgericht Köln. Im selben Jahr erhielt er einen Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Greifswald. Nachdem Greifswald 1945 kampflos an die sowjetische Armee übergeben worden war, blieb Peters zunächst Professor. In seinem Entnazifizierungsprozess wurde er jedoch als „Mitläufer“ eingestuft und im März 1946 fristlos entlassen. Im November 1946 konnte Peters eine Lehrtätigkeit an der Universität Münster antreten. Als „Mitläufer“ schien er für die Verantwortlichen politisch tragbar. Im August 1948 gelang es ihm als „entlastet“ eingestuft zu werden.

1962 wechselte Peters an die Universität Tübingen. Die Bundesregierung beauftragte ihn mit der Aufklärung von Justizirrtümern. Nach seiner Emeritierung 1972 kehrte Peters nach Münster zurück. 1974 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, 1984 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg, 1989 die der Universität Münster. Er starb 1998 in Münster.

Anzahl der Straßenbenennungen nach Karl Peters in Deutschland:

Bei den heutigen Straßenbenennungen nach dem Rechtswissenschaftler Karl Peters handelt es sich – wie in Neustadt an der Weinstraße – um Umwidmungen von Straßen, die zuvor nach dem Kolonialisten Carl (Karl) Peters benannt worden waren. Dabei kamen insbesondere bei dem Straßennamen Petersstraße jedoch auch andere Personen für die Umwidmung infrage. Eine genaue Anzahl der Carl (Kar)l Peters gewidmeten Straßen anzugeben ist deshalb nicht möglich.

Umbenennung 2024:

Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Maria-Merian-Straße umzubenennen.


vor 2012 nach Carl Peters (1856-1918), Kolonialist 

Biografie:

Carl (Karl) Peters, 1856 in Neuhaus/Elbe geboren, schlug sich Ende 1884 mit drei anderen Deutschen und mit Speeren bewaffneten Einheimischen durch Gebiete im Osten Afrikas, um Landbesitz von den dortigen Machthabern zu erhalten. Gegen die Übertragung von Land bot Peters „Schutz“ an. Die von ihm gegründete „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ gab jedoch „die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes auf anderer, schwächerer Völker Unkosten“ als ihr Hauptziel aus.

Peters, von den Indigenen als „der mit den blutigen Händen“ bezeichnet, in Deutschland als „Hänge-Peters“ betitelt, ging selbst für kolonialistische Verhältnisse besonders skrupellos vor.

1887 bis 1889 war Peters stellvertretender Präsident der „Deutschen Kolonialgesellschaft", 1891 wurde er zum Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ernannt. Berichte über Misshandlungen, willkürliche Hinrichtungen und Massaker in den Kolonien in Afrika gelangten schließlich nach Deutschland und sorgten für Empörung. Wegen seiner brutalen Amtsführung beschäftigte sich 1895 der Reichstag mit Peters. Er wurde zunächst nach Deutschland zurückgerufen und von seinem Amt suspendiert. Nach einem Disziplinarverfahren wurde er schließlich 1897 aus dem Reichsdienst entlassen und verlor seine Pensionsansprüche. Er starb 1918.

Widmung 1938:

1937 wurde das Urteil von 1897 durch einen Erlass von Adolf Hitler aufgehoben. Zahlreiche Straßen wurden danach nach Karl Peters benannt, 1938 auch eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße.

Umwidmung 2012:

Seit 1994 hatte es verschiedene Versuche zur Umbenennung durch den Stadtrat von Neustadt an der Weinstraße gegeben. Diese scheiterten an Klagen der Anwohner.

2011 gab es bei einer Befragung der Anwohner eine Mehrheit für die Umwidmung nach dem Rechtswissenschaftler Karl Peters. Daraufhin beschloss der Stadtrat die Umwidmung nach dem genannten Rechtswissenschaftler sowie die Anbringung eines erklärenden Zusatzschildes.