Nachtigallstraße (ehemals Gustav-Nachtigal-Straße)

nach der Nachtigall (Luscinia megarhynchos): eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsvögel, Unterordnung Singvögel. Ein schlichtes Äußeres, aber eine gewaltige Stimme - das sind die Hauptkennzeichen der Nachtigall. Sie ist etwa 16 bis 17 Zentimeter groß. Auf der Oberseite ist ihr Gefieder rötlichbraun mit kastanienbraunem Oberschwanz.


ehemals nach Gustav Nachtigal (1834-1886), Afrikaforscher, Reichskommissar für Deutsch-Westafrika

Biografie:

Gustav Nachtigal wurde 1834 in Eichstedt (Altmark) geboren. Sein Vater war Pfarrer und verstarb schon 1839 an Tuberkulose. Nach dem Abitur in Stendal studierte er Medizin und wurde 1858 Militärarzt der Preußischen Armee in Köln. Der Arzt Gustav Nachtigal siedelte 1862 nach Bona an der algerischen Küste über, weil er sich durch die dortigen klimatischen Verhältnisse eine Linderung einer Lungenerkrankung versprach. Ab dem darauffolgenden Jahr praktizierte er als Arzt in Tunis.1869 brach er auf zu einer langjährigen Forschungsreise, die ihn vom Tschadsee in das Tibesti-Gebirge und andere Regionen in Zentralafrika führte. Als erster Europäer stieß er vom Tschadsee nach Osten bis zum Nil vor. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1875 arbeitete er an der Publikation seines gesammelten Materials und trat geographischen Gesellschaften bei. Sein mehrbändiges Werk machte ihn zum bekanntesten Afrikaforscher dieser Zeit.

1882 wurde er zum Generalkonsul des Deutschen Reichs in Tunis ernannt. 1884 ernannte Reichskanzler Otto von Bismarck ihn zum Reichskommissar für Westafrika und beauftragte ihn damit, die von deutschen Handelsunternehmern beanspruchten Gebiete an der Westküste Afrikas als offizielle „Schutzgebiete“ für das Deutsche Reich in Besitz zu nehmen. Im Mai 1884 brach Nachtigal von Lissabon aus mit drei Kriegsschiffen auf und hisste die Flagge des Kaiserreichs an zahlreichen Orten in den späteren deutschen Kolonien Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika. Eine tatsächliche Kolonialherrschaft wurde anschließend mit Gewalt durchgesetzt.

Auf der Rückreise von Deutsch-Südwestafrika nach Europa erkrankte Nachtigal an Malaria und verstarb am 20. April 1885 vor der Küste Guineas.

Anzahl der Straßenbenennungen nach Gustav Nachtigal in Deutschland:

Nach Gustav Nachtigal wurden in Mittel- und Großstädten des Deutschen Reichs 32 Straßen benannt, davon drei in der Kolonialzeit (bis 1919), drei in der Weimarer Republik (bis 1933) und die übrigen 26 in der NS-Zeit.

Widmung 1938:

1938 wurde eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße als Gustav-Nachtigal-Straße benannt.

Umbenennung 2024:

Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Nachtigallstraße umzubenennen.