Straßennamen und ihre Geschichte
Die ältesten Straßennamen entstanden im Mittelalter in den Städten. In alltäglichen Gesprächen verwiesen Personen auf Orte in der Stadt, wobei sie das beschrieben, was es dort gab. So zeichnete sich eine Kirchgasse dadurch aus, dass sie zur Kirche führte, in einer Metzgergasse waren Metzger ansässig und eine Landauer Straße führte nach Landau. Erst allmählich festigten sich diese Bezeichnungen zu unveränderlichen Straßennamen (primäre Straßennamen).
Als die Städte im 18. und 19. Jahrhundert über ihre mittelalterlichen Grenzen hinauswuchsen, neue Stadtteile außerhalb der einstigen Stadtmauern angelegt wurden und zahlreiche neue Straßen benannt werden mussten, wurden Straßennamen schließlich offiziell ausgewählt, politisch legitimiert und administrativ verbindlich vergeben (sekundäre Straßennamen).
Exterstraße (ehemals Karl-Helfferich-Straße)
nach Gabriel Friedrich Karl Theodor Exter (1844-1914), Bürgermeister
Gabriel Friedrich Karl Theodor Exter wurde am 10.01.1844 in Neustadt an der Haardt geboren und heiratete 1869 Ilse Marie Luise Dacqué, die Tochter von Johann Ludwig Dacqué. Er übernahm die Gerberei seines Vaters in der Kellereistraße, war im Stadtrat und Landtagsabgeordneter. Exter war von 1895 bis 1905 der letzte ehrenamtliche Bürgermeister von Neustadt an der Haardt. Er war unter anderem an der Gründung der Weinbauschule und des Volksbades beteiligt. Von 1933 bis zum 31.12.2024 hieß der nördliche Teil der Exterstraße (ab der Ecke Heinestraße bis zur Maximilianstraße) Karl-Helfferich-Straße und vor der Umbennenung 1933 trug der Teil den Namen Pfalzbankstraße.
ehemals nach Karl Theodor Helfferich (1872–1924), Politiker
Biografie:
Karl Helfferich wurde am 22. Juli 1872 in Neustadt an der Haardt geboren. Er war das älteste von sieben Kindern des Textilfabrikanten Friedrich Helfferich (1845-1917) und dessen Frau Auguste, geb. Knoeckel, Tochter eines Papierfabrikanten aus dem Schöntal. 1890, nach dem Abitur am Gymnasium in Neustadt an der Haardt, studierte er bis 1894 Rechts- und Staatswissenschaften in München, Berlin und Straßburg und habilitierte 1899 an der Universität Berlin. Von 1901 bis 1906 war er als Beamter in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes tätig. 1903 veröffentlichte er sein wissenschaftliches Buch „Das Geld“, eine zusammenfassende Darstellung der Entwicklung des Geldwesens.1906 wurde Karl Helfferich zum Direktor der Anatolischen Eisenbahngesellschaft ernannt und 1908 Direktor im Vorstand der Deutschen Bank. Zwei Jahre später wurde er zudem als Mitglied in den Zentralausschuss der Reichsbank berufen. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918), ab dem 1. Februar 1915, war Helfferich Staatssekretär im Reichsschatzamt, was dem Amt des Finanzministers entspricht. In dieser Funktion finanzierte Helfferich den Krieg überwiegend durch langfristige Anleihen und nur in geringem Maß auch durch die Erhebung zusätzlicher Steuern.
Am 20. Oktober 1915 wurde Karl Theodor Helfferich das Ehrenbürgerrecht der Stadt Neustadt an der Haardt (für seine als Kaiserlicher Staatssekretär erworbenen Verdienste um die Kriegsfinanzierung) verliehen.
Im Mai 1916 wurde Karl Helfferich Innenminister und Vizekanzler unter Theobald von Bethmann-Hollweg und leitete nun die gesamte wirtschaftliche Kriegsführung. Mit den Kriegsanleihen allein konnten die Rüstungsausgaben nicht bewältigt werden, es erfolgte eine vermehrte Geldausgabe. Die Folge war der Beginn der Inflation. Nach dem Sturz des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg musste auch Karl Helfferich im November 1917 von seinen Ämtern zurücktreten. Nach Deutschlands Niederlage im Weltkrieg kam es 1923 zum hyperinflationären Wertverlust der Mark. Damit wurden auch die Kriegsanleihen praktisch wertlos, die Zeichner verloren das Geld, das sie dem Staat geliehen hatten. Als Kredit- und Währungsexperte entwickelte Karl Helfferich einen Plan zur Stabilisierung der Verhältnisse. Nach seinen Vorstellungen sollte die reformierte Mark durch Roggen gedeckt sein. Helfferichs Plan zur Einführung der „Roggenmark“ wurde zwar abgelehnt, dennoch übernahm die Regierung wesentliche Elemente seines Vorschlags bei der Einführung der Rentenmark. Die Rentenmark versprach eine „Deckung“ durch Grund- und Bodenwerte. Am 20. Oktober 1923 wurde die Deutsche Rentenbank als eine vom Reich unabhängige Gesellschaft gegründet. Mit der Rentenmark gelang die Bekämpfung der Inflation. Karl Theodor Helfferich galt fortan als „Vater der Rentenmark“.
1919 trat er der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei, ab 1920 war er Mitglied im Parteivorstand und Mitglied des Reichstags. Karl Helfferich spielte eine zentrale Rolle bei den Hetzkampagnen gegen den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger und gegen Walther Rathenau. Erzberger und Rathenau fielen beide politischen Attentaten zum Opfer. Helfferichs Gegnerschaft zu Matthias Erzberger reichte zurück in seine Zeit bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts. Im Reichstag und in der Presse trugen Erzberger und Helfferich einen heftigen Streit aus, nachdem Erzberger Missstände in der Kolonialverwaltung des Deutschen Reiches kritisiert hatte.
Als Abgesandter des Deutschen Reiches hatte Matthias Erzberger am 11. November 1918 den Waffenstillstand von Compiègne unterschrieben. Am 21. Juni 1919 wurde Erzberger zum Reichsminister der Finanzen ernannt. In einer von der rechten Presse angeheizten Kampagne diffamierte Helfferich Erzberger als Landesverräter. Während des folgenden von Helfferich provozierten Beleidigungsprozesses, schoss ein Attentäter am 26. Januar 1920 auf Erzberger und verletzte ihn an der Schulter. Als Motivation für das Attentat nannte der Täter ausdrücklich Helfferichs Schrift „Fort mit Erzberger!“. Am 26. August 1921 wurde Matthias Erzberger in Bad Griesbach im Schwarzwald bei einem weiteren Anschlag von zwei Angehörigen der rechten Organisation Consul ermordet.
Am 23. April 1924 kommt Karl Helfferich mit seiner Mutter bei einem Eisenbahnunglück im schweizerischen Bellinzona ums Leben. Am 30. April 1924 fanden auf dem Mannheimer Friedhof die Einäscherung von Karl Helfferich und seiner Mutter und eine große Trauerfeier statt. Die Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in Neustadt.
Straßenbenennung 1933 (aus der Pfalzbankstraße wird die Karl-Helfferich-Straße):
Die Neustadter Nationalsozialisten sahen in Karl Helfferich ihr politisches Vorbild. In der ersten Sitzung des nun von der NSDAP dominierten Stadtrats vom 27. April 1933 wurde die ehemalige Pfalzbankstraße in Karl-Helfferich-Straße umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nationalsozialisten schon zahlreiche politische Gegner im frühen Konzentrationslager in Neustadt interniert.
Von 20 Ratsmitgliedern gehörten im neuen „gleichgeschalteten“ Stadtrat 14 der NSDAP an, drei der SPD und drei der Zentrumspartei. Die drei Ratsmitglieder der Zentrumspartei, der auch der ermordete Matthias Erzberger angehört hatte, enthielten sich bei der Abstimmung zur Umbenennung der Pfalzbankstraße nach Karl Helfferich. Im Ratsprotokoll wurde die Ehrung Helfferichs in Neustadt folgendermaßen begründet: "Die Pfalzbankstrasse wird in „Karl Helfferichstrasse“ umbenannt in Erinnerung an den unermüdlichen Kampf, den er für Deutschlands Wiederauferstehung gegen Demokratie, Korruption und Erzberger geführt hat."
Umbenennung 2025 (die Karl-Helfferich-Straße wird ein Teil der Exterstraße):
Der Neustadter Stadtrat hat 2023 die Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war die Neustadter Karl-Helfferich-Straße bundesweit die einzige nach Karl Helfferich benannte Straße.
Im Zusammenhang mit der Diskussion über eine Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße in Neustadt an der Weinstraße wurde im März 2021 das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt, die Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin zu überprüfen. Bis zum Beschluss des Stadtrats vom Mai 2023 zur Umbenennung der Karl-Helfferich-Straße wurde eine ausführliche öffentliche Debatte über den Umgang mit den als problematisch erachteten Neustadter Straßennamen geführt.
Nach erfolgter Bürgerbeteiligung beschloss der Neustadter Stadtrat einstimmig, ab dem 1. Januar 2025 die Exterstraße nach Norden zu verlängern und die Hausnummern der alten Karl-Helfferich-Straße an die bestehenden Hausnummern der Exterstraße anzupassen.
Königsmühlstraße (ehemals Lüderitzstraße)
Der Fußweg zur Königsmühle und ins Kaltenbrunnertal beginnt im Wendehammer der Leibnizstraße. Die Königsmühlstraße mündet in die Leibnizstraße.
Die Königsmühle liegt im Schöntal von Neustadt an der Weinstraße.
Ihren Namen verdankt die Königsmühle ihrer majestätischen Lage am Königsberg. Diesen zerklüfteten, von Höhlen, Rissen und Spalten durchzogenen Berg besiedelten schon die Kelten. Im unteren Kaltenbrunner Tal gab es im 19. Jahrhundert gleich drei Mühlen, die 1883 alle im Besitz der Neustadter Müllerfamilie Correll waren. Die beiden hinteren Königsmühlen brannten ab und wurden nicht wieder aufgebaut. 1891 ging die Mühle in den Besitz der Stadt über und wurde 1894 zur Gaststätte und Kurhotel umgebaut. Zwischendurch wieder in Privatbesitz wurde die Königsmühle nach dem Krieg von französischen Gruppen beschlagnahmt und als Gefägnis benutzt. Danach ging das Haus an die ehemaligen Besitzer zurück und dann nach einigen Besitzerwechseln wurde es 1988 wieder in ein Hotel-Restaurant umgewandelt.
Seit 1990 gehört die Königsmühle und das dazugehörige Areal der Camphill-Lebensgemeinschaft.
Von der Widmung im Jahr 1938 bis zum 31.12.2024 hieß die Königsmühlstraße
ehemals nach Franz Adolf Eduard von Lüderitz (1834-1886), Großkaufmann, Landbesitzer in der späteren Kolonie Deutsch-Südwestafrika
Biografie:
Franz Adolf Eduard von Lüderitz wurde 1834 in Bremen als Sohn des Tabakhändlers Adolf Lüderitz geboren. Seine Ausbildung erfolgte im Tabakhandelsunternehmen seines Vaters, anschließend reiste er in die USA und war im Bremer Handelshaus in Mexiko beschäftigt. 1866 heiratete er die wohlhabende Bremerin Emilie Louise von Lingen. Nach dem Tod des Vaters 1878 leitete er dessen Tabakunternehmen.
Gemeinsam mit dem Kaufmann Heinrich Vogelsang plante Lüderitz die Errichtung einer deutschen Kolonie in einem Gebiet im Südwesten Afrikas, das zu diesem Zeitpunkt von keiner europäischen Macht beansprucht wurde.
In Lüderitz‘ Auftrag schloss Vogelsang 1883 einen Vertrag mit Joseph Fredericks ab, dem Oberhaupt der Orlam (Nama) in Bethanien, der ihm die Bucht Angra Pequeña (später Lüderitzbucht) und deren Umland übertrug. Einige Monate später verkaufte Fredericks in einem weiteren Vertrag einen Küstenstreifen von der Mündung des Flusses Oranje nach Norden. Lüderitz wies Vogelsang ausdrücklich an, Fredericks gegenüber offen zu lassen, um welche Meilen es sich handelte, sodass dieser von englischen Meilen (etwa 1,6 km) ausgehen musste. Fredericks stimmte dem Vertrag zu, doch beanspruchte Lüderitz anschließend Land auf der Basis deutscher Meilen (etwa 7,5 km). Sein Protestschreiben an das Auswärtige Amt der Deutschen Reichsregierung gegen diesen als „Meilenschwindel“ bekannt gewordenen Vorgang blieb folgenlos.
Lüderitz‘ Besitz wurde im April 1884 zum ersten deutschen „Schutzgebiet“ erklärt. Dieses Gebiet bildete die Keimzelle der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, als deren Gründer Lüderitz angesehen wurde. Lüderitz starb im Oktober 1886 unter ungeklärten Umständen an der Mündung des Oranjeflusses bei einer Erkundungsfahrt für eine neue Ansiedlung in diesem Gebiet.
Mit dem Erwerb eines großen Gebietes in Südwestafrika und seinem Einsatz für ein Engagement des Deutschen Reichs in der Kolonialpolitik hatte Lüderitz einen großen Einfluss darauf, dass der Aufbau eines Kolonialreichs ab 1884 begonnen wurde. Für die Einwohner des heutigen Namibia hatte diese Entscheidung weitreichende Folgen: Um die wirtschaftlich unrentable Kolonie gewinnbringend bewirtschaften zu können, wurde die einheimische Bevölkerung gewaltsam unterdrückt und ausgebeutet. Auf zwei Jahrzehnte der Unterdrückung folgte nach einem Aufstand gegen die Kolonialmacht der Völkermord an den dort lebenden Herero und Nama (1904-1908).
Nach der Kapitulation des Deutschen Reichs 1918 wurde das einstige Deutsch-Südwestafrika unter südafrikanisches Mandat gestellt, was einem neuerlichen Status als Kolonie gleichkam und womit auch dort die in Südafrika geltende Apartheid eingeführt wurde. Nach einem Jahrzehnte andauernden Befreiungskrieg konnte Namibia erst 1990 seine Unabhängigkeit erlangen.
Anzahl der Straßenbenennungen nach Adolf Lüderitz in Deutschland:
Nach Adolf Lüderitz wurden in Mittel- und Großstädten des Deutschen Reichs 64 Straßen benannt, davon vier in der Kolonialzeit (bis 1919), drei in der Weimarer Republik (bis 1933) und die übrigen 57 in der NS-Zeit.
Widmung 1938:
1938 wurde eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße als Lüderitzstraße benannt.
Umbenennung 2024:
Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Königsmühlstraße umzubenennen.
Leibnizstraße (ehemals Von-Wissmann-Straße)
nach Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker und politischer Berater
Gottfried Wilhelm Leibniz wurde am 1. Juli 1646 in Leipzig geboren. Seine Mutter war die dritte Ehefrau des Juristen Friedrich Leibnütz. Leibniz Elternhaus besaß eine umfangreiche und vielfältige Bibliothek, zu der Leibniz nach dem frühen Tod des Vaters unbeaufstichtigten Zugang hatte. Dies legte den Grundstein für die Bildung des jungen Leibniz. Als Achtjähriger lernte er in dieser Bibliothek autodidaktisch die lateinische und die griechische Sprache; als Zwölfjähriger entwickelte er beim Durchdenken logischer Fragestellungen die Anfänge einer mathematischen Zeichensprache.
Er studierte in Leipzig und Jena und erwarb an der Universität in Altdorf bei Nürnberg den Doktor beider Rechte – des Kirchen- wie des Zivilrechts.
1676 nahm Leibniz, nach mehrjährigem Aufenthalt in Paris und Reisen nach London, Amsterdam und Den Haag, eine Stellung als Hofbibliothekar in Hannover an.
Leibniz kümmerte sich intensiv um Fragen der Mathematik, legte – parallel zu Isaac Newton – Wegweisendes zur Infinitesimalrechnung vor, einschließlich der bis heute gültigen Summenzeichen, entwickelte ein binäres Zahlensystem, die „Dyadik“, das die Darstellung aller Zahlen mit Hilfe der Null und der Eins ermöglicht – später Grundlage der Computersprache – , und ertüftelte eine Rechenmaschine, die er jahrzehntelang zur Perfektion zu bringen versuchte.
Er war als Universalgelehrter der bedeutendste deutsche Philosoph seiner Zeit.
Gottfried Wilhelm Leibniz starb am 14. November 1716 im Alter von 70 Jahren in Hannover. Er hinterließ nicht nur ein beachtliches Vermögen sondern vor allem seine Manuskripte und Bücher, darunter rund 20.000 Briefe, die sofort nach seinem Tod an die Königliche Bibliothek übergeben wurden und ungeteilt überliefert sind. Bis heute ist die Edition aller Leibniz-Schriften nicht abgeschlossen.
Auf dem Sarg ließ Hofrat von Eckhart ein Ornament anbringen, das eine Eins innerhalb einer Null zeigte, mit der Inschrift OMNIA AD UNUM (deutsch: ‚Alles [bezieht sich] auf das Eine‘), als Hinweis auf das von Leibniz entwickelte binäre Zahlensystem und dessen theologische Deutung: Für Leibniz stand die 1 für Gott und die 0 für das Nichts.
In einer Umfrage zur Umbenennung der Straßennamen im Jahr 2023 hat sich klar herauskristallisiert, dass die Anwohnenden der Von-Wissmann-Straße in Zukunft den Straßennamen Leibnizstraße favorisieren.
ehemals nach Hermann von Wissmann (1853-1905), Afrikaforscher, Leiter der Wissmanntruppe, Gouverneur von Deutsch-Ostafrika
Biografie:
Hermann Wilhelm Leopold Ludwig Wissmann wurde 1853 in Frankfurt (Oder) geboren. Nach dem Besuch der Berliner Kriegsschule und des Kadettenkorps trat er in das Großherzoglich Mecklenburgische Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm“ Nr. 90 ein, wo er wegen seines aufbrausenden Auftretens den Spitznamen „toller Wissmann“ erhielt. Bei einer zufälligen Begegnung weckte der Afrikaforscher Paul Pogge in Wissmann das Interesse für Afrika. Er ließ sich für eine längere Zeit beurlauben, um Pogge 1881 auf einer von der afrikanischen Westküste ausgehenden Expedition in noch unbekannte Gebiete in Zentralafrika zu begleiten. Nachdem Pogge schwer erkrankt war und die Expedition hatte abbrechen müssen, erreichte Wissmann ohne ihn im November 1882 die Ostküste. Damit war er der erste Europäer, der den afrikanischen Kontinent durchquert hatte, was ihm Ansehen und Berühmtheit brachte.
1884 stellte das Deutsche Reich die afrikanischen Gebiete Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika, 1885 Deutsch-Ostafrika unter „Schutz“.
Schon bald kam es zu einem ersten großen Aufstand der indigenen Bevölkerung gegen die fremden Unterdrücker in Deutsch-Ostafrika, der zum Verlust fast aller durch die Kolonialmacht besetzten Gebiete führte. 1888 setzte Reichskanzler Otto von Bismarck daraufhin Wissmann als Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ein und beauftragte ihn mit der Niederschlagung des Aufstands. Vor dem Reichstag erklärte der neue Reichskommissar Wissmann im Januar 1889, Verhandlungen kämen für ihn nicht infrage, nur mit Gewalt könne „den Aufständischen eine gründliche Lehre erteilt und unser in Ostafrika schwer geschädigtes Ansehen wiederhergestellt“ werden. Von Bismarck erhielt Wissmann den Auftrag das Küstengebiet vollständig von den Aufständischen zurückzuerobern. Dabei sollten jedoch in keinem Fall Feldzüge unternommen werden, die mehr als einen Tagesmarsch ins Landesinnere führten. Der Reichskommissar widersetzte sich der Forderung Bismarcks und führte im September 1889 einen mehrmonatigen Feldzug ins Landesinnere an. Selbst andere Kolonialoffiziere bezeichneten Wissmanns Vorgehen dabei als „äußerst grausam“. Der „Wissmanntruppe“ gelang es auf diese Weise, den Widerstand der Aufständischen zu brechen.
Im Mai 1890 konnte Wissmann nach Berlin melden, dass die gesamte Küstenregion vollständig unter der Herrschaft des Deutschen Reiches stehe, woraufhin er zurückbeordert wurde. Zurück in Berlin, wurde Wissmann für seinen Einsatz zum Major befördert und von Kaiser Wilhelm II. in den Adelsstand erhoben. Wegen seines nachlässigen Umgangs mit den ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln wurde er jedoch bereits ein Jahr später entlassen.
Wissmann wurde 1895 zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt. Er führte dieses Amt nur noch etwa ein Jahr aus, bevor er um Versetzung in den Ruhestand bat. Wissmann zog 1899 auf seinen Landsitz in Weißenbach (Liezen) in der Steiermark. Dort widmete er sich der Publikation seiner Erfahrungen in Afrika. 1905 starb Wissmann in Weißenbach bei einem Jagdunfall durch einen Schuss aus seinem eigenen Gewehr.
Anzahl der Straßenbenennungen nach Hermann von Wissmann in Deutschland:
Nach Hermann von Wissmann wurden in Mittel- und Großstädten des Deutschen Reichs 47 Straßen benannt, davon acht in der Kolonialzeit (bis 1919), sieben in der Weimarer Republik (bis 1933) und die übrigen 32 in der NS-Zeit.
Widmung 1938:
1938 wurde eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße als Von-Wissmann-Straße benannt.
Umbenennung 2024:
Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Leibnizstraße umzubenennen.
Maria-Merian-Straße (ehemals Karl-Peters-Straße)
nach Maria Sibylla Merian (1647-1717), Naturforscherin, Künstlerin, Pionierin der Insektenkunde
Geboren wurde Maria Sybilla Merian 1647 in Frankfurt am Main als Tochter von Matthäus Merian dem Älteren und seiner zweiten Frau Johanna Catharina Sibylla Heim. Einer ihrer Halbbrüder war Matthäus Merian der Jüngere. 1665 heiratete sie Johann Andreas Graff mit dem sie zwei Töchten bekam. Der Vater Matthäus Merian der Ältere war ein berühmter Kupferstecher. Für Neustadt existiert ein Original-Kupferstich aus dem Jahr 1645.
Schon früh begann sie, Insekten zu beobachten und zu züchten. Sie machte zu den verschiedenen Entwicklungsstadien der Schmetterlinge und Falter detaillierte Aufzeichnungen und entwickelte einen neuen Bildtyp, das „Metamorphosenbild“, das diese auf ästhetische Weise illustrierte. Wegen ihrer genauen Beobachtungen und Darstellungen gilt sie als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde.
Von 1699 bis 1701 bereiste Merian gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea Maria die niederländische Kolonie Surinam. In den Jahren danach publizierte sie ihr berühmt gewordenes Hauptwerk "Metamorphosis insectorum Surinamensium". In ihren letzten Jahren entschied sie sich zu einer niederländischen Neuausgabe ihres Raupenbuchs.
Sie starb 1717 im Alter von 69 Jahren in Amsterdam.
Maria Sibylla Merian gehörte zu den ersten Forscherinnen, die Insekten systematisch beobachteten und etwas über deren tatsächliche Lebensumstände herausfanden. Sie konnte zeigen, dass jede Schmetterlingsart als Raupe von einigen wenigen Futterpflanzen abhängig ist und ihre Eier nur an diesen Pflanzen ablegt. Vor allem die Metamorphose der Tiere war weitgehend unbekannt. Zwar wussten einige Gelehrte von der Verwandlung von Raupen in ausgewachsene Schmetterlinge, weiteren Kreisen der Bevölkerung, aber auch vielen Gebildeteren, war der Vorgang fremd. Merian trug entscheidend dazu bei, dies zu ändern. Da ihre Bücher aber in deutscher Sprache erschienen, versagten ihr viele Wissenschaftler jener Zeit die Annerkennung, da die Fachsprache der Gelehrten Latein war.
ehemals nach Karls Peters (1904-1998), Rechtswissenschaftler
Biografie:
Karl Albert Josef Peters wurde 1904 in Koblenz geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten Münster, Königsberg und Leipzig sowie der Akademie für Internationales Recht in Den Haag.
1927 promovierte er an der Universität Münster und war anschließend in mehreren Städten als Staatsanwalt tätig, 1931 habilitierte er sich an der Universität Köln.
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat Karl Peters zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Über die strafrechtliche „Erneuerung“ durch den Nationalsozialismus äußerte er sich in mehreren Publikationen positiv.
An der Universität Köln wurde Peters 1938 außerplanmäßiger Professor. 1942 ernannte ihn das Justizministerium zum Ersten Staatsanwalt am Oberlandesgericht Köln. Im selben Jahr erhielt er einen Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität Greifswald. Nachdem Greifswald 1945 kampflos an die sowjetische Armee übergeben worden war, blieb Peters zunächst Professor. In seinem Entnazifizierungsprozess wurde er jedoch als „Mitläufer“ eingestuft und im März 1946 fristlos entlassen. Im November 1946 konnte Peters eine Lehrtätigkeit an der Universität Münster antreten. Als „Mitläufer“ schien er für die Verantwortlichen politisch tragbar. Im August 1948 gelang es ihm als „entlastet“ eingestuft zu werden.
1962 wechselte Peters an die Universität Tübingen. Die Bundesregierung beauftragte ihn mit der Aufklärung von Justizirrtümern. Nach seiner Emeritierung 1972 kehrte Peters nach Münster zurück. 1974 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, 1984 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg, 1989 die der Universität Münster. Er starb 1998 in Münster.
Anzahl der Straßenbenennungen nach Karl Peters in Deutschland:
Bei den heutigen Straßenbenennungen nach dem Rechtswissenschaftler Karl Peters handelt es sich – wie in Neustadt an der Weinstraße – um Umwidmungen von Straßen, die zuvor nach dem Kolonialisten Carl (Karl) Peters benannt worden waren. Dabei kamen insbesondere bei dem Straßennamen Petersstraße jedoch auch andere Personen für die Umwidmung infrage. Eine genaue Anzahl der Carl (Kar)l Peters gewidmeten Straßen anzugeben ist deshalb nicht möglich.
Umbenennung 2024:
Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Maria-Merian-Straße umzubenennen.
vor 2012 nach Carl Peters (1856-1918), Kolonialist
Biografie:
Carl (Karl) Peters, 1856 in Neuhaus/Elbe geboren, schlug sich Ende 1884 mit drei anderen Deutschen und mit Speeren bewaffneten Einheimischen durch Gebiete im Osten Afrikas, um Landbesitz von den dortigen Machthabern zu erhalten. Gegen die Übertragung von Land bot Peters „Schutz“ an. Die von ihm gegründete „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ gab jedoch „die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes auf anderer, schwächerer Völker Unkosten“ als ihr Hauptziel aus.
Peters, von den Indigenen als „der mit den blutigen Händen“ bezeichnet, in Deutschland als „Hänge-Peters“ betitelt, ging selbst für kolonialistische Verhältnisse besonders skrupellos vor.
1887 bis 1889 war Peters stellvertretender Präsident der „Deutschen Kolonialgesellschaft", 1891 wurde er zum Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ernannt. Berichte über Misshandlungen, willkürliche Hinrichtungen und Massaker in den Kolonien in Afrika gelangten schließlich nach Deutschland und sorgten für Empörung. Wegen seiner brutalen Amtsführung beschäftigte sich 1895 der Reichstag mit Peters. Er wurde zunächst nach Deutschland zurückgerufen und von seinem Amt suspendiert. Nach einem Disziplinarverfahren wurde er schließlich 1897 aus dem Reichsdienst entlassen und verlor seine Pensionsansprüche. Er starb 1918.
Widmung 1938:
1937 wurde das Urteil von 1897 durch einen Erlass von Adolf Hitler aufgehoben. Zahlreiche Straßen wurden danach nach Karl Peters benannt, 1938 auch eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße.
Umwidmung 2012:
Seit 1994 hatte es verschiedene Versuche zur Umbenennung durch den Stadtrat von Neustadt an der Weinstraße gegeben. Diese scheiterten an Klagen der Anwohner.
2011 gab es bei einer Befragung der Anwohner eine Mehrheit für die Umwidmung nach dem Rechtswissenschaftler Karl Peters. Daraufhin beschloss der Stadtrat die Umwidmung nach dem genannten Rechtswissenschaftler sowie die Anbringung eines erklärenden Zusatzschildes.
Nachtigallstraße (ehemals Gustav-Nachtigal-Straße)
nach der Nachtigall (Luscinia megarhynchos): eine Vogelart aus der Ordnung der Sperlingsvögel, Unterordnung Singvögel. Ein schlichtes Äußeres, aber eine gewaltige Stimme - das sind die Hauptkennzeichen der Nachtigall. Sie ist etwa 16 bis 17 Zentimeter groß. Auf der Oberseite ist ihr Gefieder rötlichbraun mit kastanienbraunem Oberschwanz.
ehemals nach Gustav Nachtigal (1834-1886), Afrikaforscher, Reichskommissar für Deutsch-Westafrika
Biografie:
Gustav Nachtigal wurde 1834 in Eichstedt (Altmark) geboren. Sein Vater war Pfarrer und verstarb schon 1839 an Tuberkulose. Nach dem Abitur in Stendal studierte er Medizin und wurde 1858 Militärarzt der Preußischen Armee in Köln. Der Arzt Gustav Nachtigal siedelte 1862 nach Bona an der algerischen Küste über, weil er sich durch die dortigen klimatischen Verhältnisse eine Linderung einer Lungenerkrankung versprach. Ab dem darauffolgenden Jahr praktizierte er als Arzt in Tunis.1869 brach er auf zu einer langjährigen Forschungsreise, die ihn vom Tschadsee in das Tibesti-Gebirge und andere Regionen in Zentralafrika führte. Als erster Europäer stieß er vom Tschadsee nach Osten bis zum Nil vor. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1875 arbeitete er an der Publikation seines gesammelten Materials und trat geographischen Gesellschaften bei. Sein mehrbändiges Werk machte ihn zum bekanntesten Afrikaforscher dieser Zeit.
1882 wurde er zum Generalkonsul des Deutschen Reichs in Tunis ernannt. 1884 ernannte Reichskanzler Otto von Bismarck ihn zum Reichskommissar für Westafrika und beauftragte ihn damit, die von deutschen Handelsunternehmern beanspruchten Gebiete an der Westküste Afrikas als offizielle „Schutzgebiete“ für das Deutsche Reich in Besitz zu nehmen. Im Mai 1884 brach Nachtigal von Lissabon aus mit drei Kriegsschiffen auf und hisste die Flagge des Kaiserreichs an zahlreichen Orten in den späteren deutschen Kolonien Togo, Kamerun und Deutsch-Südwestafrika. Eine tatsächliche Kolonialherrschaft wurde anschließend mit Gewalt durchgesetzt.
Auf der Rückreise von Deutsch-Südwestafrika nach Europa erkrankte Nachtigal an Malaria und verstarb am 20. April 1885 vor der Küste Guineas.
Anzahl der Straßenbenennungen nach Gustav Nachtigal in Deutschland:
Nach Gustav Nachtigal wurden in Mittel- und Großstädten des Deutschen Reichs 32 Straßen benannt, davon drei in der Kolonialzeit (bis 1919), drei in der Weimarer Republik (bis 1933) und die übrigen 26 in der NS-Zeit.
Widmung 1938:
1938 wurde eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße als Gustav-Nachtigal-Straße benannt.
Umbenennung 2024:
Um die Vergangenheit aufzuarbeiten wurde in der Stadtratssitzung am 24.09.2019 eine Überprüfung sämtlicher Straßennamen der Stadt auf politische Belastung hin in Auftrag gegeben. Mit dieser Überprüfung wurde das Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V. beauftragt. Ziel war es, die Straßennamen der Stadt vor allem hinsichtlich antisemitischer, nationalsozialistischer, kolonialistischer und frauenfeindlicher Gesichtspunkte zu untersuchen. Als Ergebnis ist der Abschlussbericht zu den umstrittenen Straßen entstanden, der am 15.09.2022 veröffentlicht wurde. Nach mehreren Umfragen und Beteiligungen der Anwohner, beschloss der Stadtrat einstimmig die Straße ab dem 1. Januar 2025 in Nachtigallstraße umzubenennen.
Arndtstraße
nach Ernst Moritz Arndt (1769-1860), Schriftsteller, Geschichtsprofessor
Ernst Moritz Arndt wurde 1769 in Groß Schoritz auf Rügen (damals Teil von Schwedisch-Pommern) geboren. Sein Vater war Leibeigener, konnte sich jedoch wenige Monate vor der Geburt des Sohnes aus der Leibeigenschaft freikaufen. Arndt konnte das Gymnasium in Stralsund besuchen, ab 1789 studierte er in Greifswald und Jena Theologie, Geschichte, Geographie, Völkerkunde, Sprachen und Naturwissenschaften. Ab 1794 arbeitete er als Hauslehrer. 1800 habilitierte er sich in Greifswald in Geschichte und lehrte als Privatdozent, ab 1805 als außerplanmäßiger Professor. Nach den napoleonischen Kriegen erhielt Arndt 1818 eine Professur im nun zu Preußen gehörenden Bonn. Da man ihm im repressiven Vormärz jedoch wie vielen anderen Gelehrten „demagogische Umtriebe“ unterstellte, wurde er bereits 1820 suspendiert. Obwohl die Vorwürfe zwei Jahre später fallengelassen wurden, durfte er weiterhin nicht lehren. Erst 1840, im Alter von 79 Jahren, wurde er vollständig rehabilitiert.
In den Revolutionsjahren 1848/49 gehörte Arndt als fraktionsloser Abgeordneter für Solingen der Frankfurter Nationalversammlung an. Er war Teil der Gesandtschaft, die 1849 dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anbot, die dieser ablehnte. Arndt starb 1869 im Alter von 91 Jahren in Bonn.
Die Nationalsozialisten verherrlichten Arndt als rassenideologischen Vordenker. 1933 wurde die Universität Greifswald zu seinen Ehren in Ernst-Moritz-Arndt-Universität umbenannt. Nach einem mehrere Jahre andauernden Streit über diese Ehrung wurde der Name 2018 wieder in Universität Greifswald geändert.
Die Neustadter Arndtstraße wurde vor 1911 benannt. Aus den Ratsprotokollen geht das genaue Jahr der Benennung nicht hervor. Auf einem zwischen 1896 und 1911 entstandenen Stadtplan ist die Arndtstraße bereits unter diesem Namen eingezeichnet.
Bismarckstraße
nach Otto von Bismarck (1815-1898), Politiker, Reichskanzler des Deutschen Reiches
Otto von Bismarck wurde 1815 auf Schloss Schönhausen bei Stendal in Sachsen als zweiter Sohn eines aus einem alten Adelsgeschlecht der Altmark stammenden Rittmeisters geboren. Nach dem 1835 abgeschlossenen Studium der Rechtswissenschaften begann er ein Referendariat im Verwaltungsdienst, das er jedoch nicht abschloss. Gemeinsam mit seinem Bruder verwaltete er ab 1839 die väterlichen Güter. 1847 schloss er die Ehe mit Johanna von Puttkamer. Das Paar hatte drei Kinder.
Seine politische Laufbahn begann Bismarck 1845 als Abgeordneter im Provinziallandtag von Pommern. 1847 rücke er in den Vereinigten Preußischen Landtag nach und hatte Kontakt zu führenden konservativen Politikern. 1851 wurde er zum preußischen Bundestagsgesandten in Frankfurt am Main ernannt. Er strebte die Gleichstellung der beiden Staaten Preußen und Österreich innerhalb des Bundes an. Im Verfassungskonflikt 1862, ausgelöst durch die Ablehnung der Ausgaben für die Heeresreform durch das Parlament, wurde er von König Wilhelm I. zunächst vorläufig, dann endgültig zum preußischen Ministerpräsidenten berufen und regierte bis 1866 ohne ein vom Parlament beschlossenes Budget. 1867 wurde er Kanzler des preußisch dominierten Norddeutschen Bundes.
1870 provozierte er mit der Veröffentlichung der von ihm bewusst verkürzten „Emser Depesche“ den Krieg zwischen den Staaten des Norddeutschen Bundes und Frankreich. Nach dem deutschen Sieg und der Gründung des Deutschen Reiches wurde Bismarck zum Reichskanzler ernannt. Wenig später löste Bismarck den „Kulturkampf“ gegen die katholische Kirche und die Zentrumspartei aus. Ebenso führte er in den folgenden Jahren einen fortwährenden Kampf gegen die erstarkende Arbeiterbewegung. Mit seiner eigenen Sozialgesetzgebung versuchte er ihr den Boden zu entziehen. Gleichzeitig versuchte er mit dem 1878 im Reichstag durchgesetzten „Sozialistengesetz“, das bis 1890 immer wieder verlängert wurde, vergeblich, die verhasste Sozialdemokratie zu vernichten. Mit der Thronbesteigung Wilhelms II. im Juni 1888 verlor Bismarck seine viele Jahre unangefochtene Machtposition. Seine Vorlage für ein unbefristetes Sozialistengesetz scheiterte im Januar 1890 im Reichstag. Der Kaiser forderte ihn nach Meinungsverschiedenheiten zum Rücktritt auf. Am 18. März 1890 reichte Bismarck sein Abschiedsgesuch ein und wurde zwei Tage später als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident entlassen. Am 30. Juli 1898 starb Otto von Bismarck in Friedrichsruh bei Hamburg.
Die Neustadter Bismarckstraße erhielt ihren Namen zwischen 1891 und 1896.
Ernst-Udet-Straße
nach Ernst Udet (1896-1941), Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, Generalluftzeugmeister im Zweiten Weltkrieg
Ernst Udet wurde 1896 in Frankfurt am Main geboren. Er besuchte in München die Volksschule und das Gymnasium, das er 1912 mit der Mittleren Reife verließ. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich 1914 freiwillig zum Heeresdienst, wurde zunächst abgelehnt und diente bis Oktober 1916 als ziviler Motorradmelder. Danach ließ er sich auf eigene Kosten zum Piloten ausbilden und wurde Jagdflieger. Mit 62 Luftsiegen, die meisten nach Manfred von Richthofen, wurde er zum gefeierten Kriegshelden.
Nach dem Krieg arbeitete Udet als Kunstflieger und leitete von 1922 bis 1925 in München seine eigene Firma Udet Flugzeugbau, die Sportflugzeuge baute. Durch spektakuläre Flugshows, Forschungsflüge und Auftritte in Filmen erlangte er internationale Berühmtheit. 1933 trat er der NSDAP bei und wurde Fliegervizekommodore des Deutschen Luftsportverbandes. Ab 1934 war er im Reichsluftfahrtministerium tätig und ab 1935 in der Luftwaffe unter Hermann Göring für deren technische Aufrüstung zuständig, obwohl ihm die organisatorischen Aufgaben schwerfielen. Er stieg bis 1939 zum Generalluftzeugmeister mit 4000 Mitarbeitenden auf, wurde jedoch zunehmend wegen Untauglichkeit kritisiert.
Die Luftwaffe erzielte Anfangs Erfolge im Zweiten Weltkrieg, zeigte aber ab 1940 erhebliche Schwächen, besonders in der Luftschlacht um England. 1941 entzog Göring Udet nach Hitlers Druck viele Kompetenzen, woraufhin sich Udet dem Alkohol hingab. Nach fehlender Unterstützung durch Göring erschoss er sich am 17. November 1941 in seiner Wohnung in Berlin. Das NS-Regime deklarierte seinen Tod als Unfall bei Waffenversuchen und organisierte ein Staatsbegräbnis.
Die Ernst-Udet-Straße in Lachen-Speyerdorf wurde 1981 nach ihm benannt.
Gerhart-Hauptmann-Straße
nach Gerhart Hauptmann (1862-1946), Dramatiker, Schriftsteller, bedeutendster Vertreter des Naturalismus
Gerhart Johann Robert Hauptmann wurde 1862 in Ober Salzbrunn (Szczawno-Zdrój) in Niederschlesien geboren, wo seine Eltern Robert Gerhard Hauptmann und Marie geb. Straehler ein Hotel betrieben. Nachdem er die Realschule in Breslau ohne Abschluss verlassen hatte, begann er zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Gutshof eines Onkels, bevor er 1880 in die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau eintrat. In dieser Zeit begann er auch zu schreiben und sein Interesse für das Theater zu entwickeln.
1885 heiratete er Marie Thienemann aus Radebeul. Mit dem sozialkritischen Stück „Vor Sonnenaufgang“ gelang Hauptmann 1889 der Durchbruch als Dramatiker. Es folgte drei Jahre später das Drama „Die Weber“. Nach der Uraufführung am Deutschen Theater Berlin kündigte Kaiser Wilhelm II. empört seine Loge. Dennoch war Hauptmann nach der Aufführung weiterer Stücke bald der populärste Dichter in Deutschland und galt im Ausland als Repräsentant der deutschen Literatur.1912 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gehörte Hauptmann zu jenen Mitgliedern der Deutschen Akademie der Dichtung, einer Sektion der Preußischen Akademie der Künste, die am 16. März 1933 eine Loyalitätserklärung gegenüber der neuen Regierung unterzeichneten. Andere Künstlerinnen und Künstler, wie Thomas Mann, Ricarda Huch und der Ehrenpräsident Max Liebermann, weigerten sich, das Schriftstück zu unterzeichnen. Käthe Kollwitz und Heinrich Mann hatte man kurz zuvor bereits zum Austritt genötigt. Alle jüdischen Mitglieder wurden wenig später ausgeschlossen. Den Antisemitismus lehnte Hauptmann ab, er äußerte seine Kritik jedoch nie öffentlich. Im Sommer 1933 stellte Gerhart Hauptmann einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP, der jedoch abgelehnt wurde. Trotz Kritik der NS-Kulturverantwortlichen an der weltanschaulichen Haltung in vielen seiner Werke bemühten sich die braunen Machthaber, Hauptmann wegen seines hohen Ansehens in der Bevölkerung im Land zu halten und ihn für ihre Zwecke zu nutzen. Seine Stücke wurden weiterhin gespielt, wenn auch manchmal zensiert, und er erhielt viele Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag.
Im August 1944 wurde er von Hitler in die „Gottbegnadeten-Liste“ sowie als einer von sechs Schriftstellern in die Sonderlisten der unersetzlichen Künstler aufgenommen. Das Kriegsende erlebte Hauptmann in seiner niederschlesischen Heimat. 1946 sollte er ausgewiesen werden. Er starb jedoch kurz zuvor am 6. Juni in seinem Haus „Wiesenstein“ in Agnetendorf (Agnieszków).
Die Gerhart-Hauptmann-Straße in Neustadt an der Weinstraße erhielt ihren Namen 1954.
Hanns-Fay-Straße
nach Hanns Fay (1888-1957), Kunstmaler
Hanns (gelegentlich auch Hans) Fay wurde 1888 in Frankenthal geboren. Während seiner Zeit an der Volksschule zog die Familie nach Speyer um. Wie sein Vater, der Schuhmacher war, erlernte Fay zunächst ein Handwerk und wurde Tüncher und Dekorationsmaler. Von 1907 bis 1908 besuchte er die Handwerksschule in Berlin, wo er anschließend als Dekorationsmaler arbeitete.
Im Ersten Weltkrieg leistete Fay von 1914 bis 1918 Kriegsdienst an der Westfront, wo er verwundet wurde und eine Gasvergiftung erlitt. Vor Kriegsausbruch war er zurück nach Speyer gezogen, wo er 1914 geheiratet hatte und sein erster Sohn geboren worden war. Nach dem Krieg gelang es Fay, sich mittels finanzieller Unterstützung durch Mäzene allmählich als freischaffender Künstler zu etablieren, sodass er in mehreren Städten seine Werke ausstellen konnte.
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde am 9. April 1933 in Neustadt u. a. durch die erzwungene Selbstauflösung des mitgliederstarken Pfälzischen Kunstvereins die Gleichschaltung der Institutionen der Bildenden Künste der Pfalz forciert. Die Künstler sollten sich unter dem Dach des „Kampfbundes für deutsche Kultur“ zu einer „Notgemeinschaft Pfälzer Kunst“ zusammenschließen. Fay, der im selben Jahr mit seiner Familie nach Neustadt zog, wurde zum ersten Vorsitzenden dieser gleichgeschalteten „Notgemeinschaft“ gewählt. Am 1. Mai 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. Von den schon vor der NS-Zeit beachteten pfälzischen Malern war Fay einer der wenigen, die sich in ihren Gemälden und Zeichnungen nun unmittelbar nationalsozialistischen Themen und Symbolen widmeten.
Nach NS-Verstrickungen in der ersten Phase der Diktatur sind von Fay keine weiteren politischen Bilder und Aktionen mehr bekannt, auch Ämter bekleidete er nicht mehr, nachdem die „Notgemeinschaft Pfälzer Kunst“ nach wenigen Monaten in andere Parteiorganisationen überführt worden war. Malerisch verlor er – trotz seiner Kooperation mit den Nationalsozialisten – gegenüber anderen Künstlern an Bedeutung. 1937 zog er mit seiner Familie nach Haardt. In den ersten Wochen des Zweiten Weltkriegs fiel sein zweiter Sohn Erich vor Warschau. Fay zog sich zunehmend zurück, bekam jedoch weiterhin Aufträge. In der Nachkriegszeit wirkte Fay weiter als Maler, beteiligte sich mit neuen Bildern an mehreren Ausstellungen. 1950 wurde sein kleines Haus mit Atelier in Haardt fertig. Er starb 1957 in Neustadt.
Die Neustadter Hanns-Fay-Straße wurde 1981 nach ihm benannt.
Heinrich-Strieffler-Straße
nach Heinrich Strieffler (1872-1949), Kunstmaler, Lithograph
Heinrich Strieffler wurde 1872 in Neustadt geboren und wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei seiner Großmutter und später den Brüdern seiner Mutter auf. Nach einer Lithographie-Lehre ging er auf Wanderschaft. 1891 trat er in die Kunstgewerbeschule in München ein und studierte ab 1893 an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1897 kehrte er kurzzeitig nach Neustadt zurück und schuf erste impressionistische Landschaftsgemälde der Pfalz. Im selben Jahr erhielt er ein Reisestipendium nach Italien, 1902 folgte eine Studienreise in die Niederlande.
Ab 1904 lebte er als freier Künstler in Landau, wo er zahlreiche Lithographien und Gemälde schuf. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit erfand Strieffler verschiedene technische Patente, unter anderem einen „Strieffler-Ofen“ (1896) und einen Luftschiffankermast (1908).
1912 heiratete er die aus Lachen stammende Maria Salm; ihre gemeinsame Tochter Marie wurde ebenfalls Künstlerin.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat Strieffler zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei, spielte jedoch keine herausragende Rolle im Kulturbetrieb. Abgesehen von Postkarten, auf denen Hakenkreuzfahnen abgebildet sind, jedoch keine besonders präsente Rolle einnehmen finden sich in seinen Werken keine NS-Symbole. Trotz anhaltender Erfolge blieb er im Schatten bekannterer Kollegen. Heinrich Strieffler starb 1949 in Landau.
Die Heinrich-Strieffler-Straße wurde 1981 nach ihm benannt.
Hermann-Löns-Straße
nach Hermann Löns (1866-1914), Schriftsteller, Journalist
Hermann Löns wurde 1866 in Culm (Chelmno) in Westpreußen geboren. Als er 18 Jahre alt war, wurde sein Vater, der Lehrer Friedrich Löns, nach Münster versetzt, wo Löns das Abitur ablegte. Seine Studienversuche in Medizin und Naturwissenschaften (1887–1890) brach er ab.
Ab 1891 arbeitete er bei verschiedenen Zeitungen in Kaiserslautern, Gera und schließlich in Hannover, wo er mit satirischen Texten unter dem Pseudonym Fritz von der Leine Erfolg hatte. In diesen Jahren machte er häufig Ausflüge in die Lüneburger Heide, die zu seinem Landschaftsidealbild wurde. 1901 erschienen der Gedichtband „Mein goldenes Buch“ und die Erzählsammlung „Mein grünes Buch“, die beide wenig Beachtung fanden. Löns‘ 1902 gegründete „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ musste 1904 den Betrieb wieder einstellen. Anschließend schrieb er bis 1908 Glossen für das „Hannoversche Tagblatt“ und war 1907–1909 Leiter der „Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung“ in Bückeburg.
Mit dem Erzählband „Mümmelmann“ und den Bauernromanen „Der letzte Hansbur“, „Dahinten in der Heide“ und insbesondere „Der Wehrwolf“ gelang Löns 1909/10 der literarische Durchbruch. Es folgten fünf weitere Buchveröffentlichungen innerhalb eines Jahres. Er wurde bekannt für seine Natur- und Jagdmotivik, häufig mit Bezug zur Lüneburger Heide. Er selbst stilisierte sich als „Jägerpoet“.
Nachdem ihn 1911 seine Frau mit dem gemeinsamen Kind verlassen hatte, begab sich der zunehmend unter Wahnvorstellungen und Alkoholproblemen leidende Löns auf eine Wanderschaft in Österreich, der Schweiz, und den Niederlanden. Nach seiner Rückkehr nach Hannover 1912 gelang es ihm nicht mehr, an seine literarischen Erfolge anzuknüpfen.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Löns freiwillig zum Kriegsdienst und fiel vier Wochen nach Dienstantritt in Frankreich bei Loivre. Von den Nationalsozialisten verherrlicht, wurde sein Leichnam 1934 angeblich identifiziert und 1935 bei Walsrode in der Lüneburger Heide feierlich beigesetzt.
Die Hermann-Löns-Straße in Mußbach erhielt 1971 ihren Namen.
Hindenburgstraße
nach Paul von Hindenburg (1847-1934), Generalfeldmarschall, Reichspräsident
Paul von Beneckendorff und von Hindenburg wurde am 2. Oktober 1847 in Posen als Sohn des preußischen Gutsbesitzers und Offiziers Robert von Beneckendorff und von Hindenburg und der Arzttochter Luise geb. Schwickart geboren. Für ihn war eine Militärlaufbahn vorgesehen. 1859 trat er in die Kadettenanstalt in Wahlstatt (Schlesien) ein und wechselte vier Jahre später auf die Hauptkadettenanstalt in Berlin. 1866 nahm er an der Schlacht von Königgrätz und 1870 an der Schlacht von Sedan teil. Anschließend stieg er im Militär bis zum Kommandierenden General des IV. Armee-Korps in Magdeburg, 1905 zum General der Infanterie auf und wurde 1911 unter Verleihung des schwarzen Adlerordens in den Ruhestand verabschiedet. Drei Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Hindenburg reaktiviert und zum Oberbefehlshaber der 8. Armee ernannt. Die Vernichtung der 2. Russischen Armee im August 1914 begründete Hindenburgs Mythos als „Sieger von Tannenberg“. Er wurde zum Generaloberst und schließlich zum Generalfeldmarschall befördert.
Nach weiteren Siegen an der Ostfront übernahm er zusammen mit Stabschef Generalmajor Erich Ludendorff im August 1916 die Oberste Heeresleitung (OHL), die zunehmend an Einfluss auf den Kaiser und die Politik des Deutschen Reiches gewann. Hindenburg war mitverantwortlich für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, die Ablehnung eines Verständigungsfriedens und die Diktatfrieden von Brest-Litowsk und Bukarest. Nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensive und dem Durchbruch der Alliierten bei Amiens im August 1918 erkannte die Oberste Heeresleitung, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen konnte. Am 9. November 1918 riet Hindenburg dem Kaiser, sich ins politische Asyl in die Niederlande zu begeben. Vor seiner Abreise übertrug Wilhelm II. den Oberbefehl über das Heer auf Hindenburg. Am 10. November 1918 drängte der Generalfeldmarschall zur Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags. Ein Jahr später, im parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung zu den Ursachen des Zusammenbruchs des deutschen Heeres, sprach Hindenburg dann jedoch vom „Dolchstoß“ in den Rücken des Heeres, das unbesiegt gewesen sei, und schuf mit dieser Verschwörungstheorie bewusst eine der schwersten Hypotheken für den neuen demokratischen Weimarer Staat.
Als nach Friedrich Eberts Tod 1925 bei der Reichspräsidentenwahl im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte, drängten die Rechtsparteien Hindenburg, im zweiten Wahlgang zu kandidieren. Der 77-Jährige siegte mit 48,3% über den Kandidaten des republikanischen „Volksblocks“ Wilhelm Marx (45,3%). Bei der nächsten Reichspräsidentenwahl 1932 wurde Hindenburg dazu gedrängt, noch einmal zu kandidieren. Als eine Einigung mit den Deutschnationalen und den Nationalsozialisten nicht erzielt werden konnte, sondern diese mit eigenen Kandidaten, Theodor Duesterberg (Stahlhelm) und Adolf Hitler (NSDAP) antraten, stellten sich alle demokratischen Parteien hinter Hindenburg, um die Wahl Hitlers zu verhindern. So wurde der greise Generalfeldmarschall und Monarchist für weitere sieben Jahre im Reichspräsidentenamt bestätigt, auch wenn es ihm zuwider war, dass er dies einem demokratischen Bündnis verdankte.
Nach seiner Wiederwahl schwächte Hindenburg durch wiederholte Auflösungen des Reichstags und die Berufung von antidemokratisch eingestellten Personen wie Franz von Papen und Generalleutnant Kurt von Schleicher an die Regierungsspitze das parlamentarische System. Unter dem zunehmenden Einfluss nationalistischer, rechter Kreise, die ein autoritäres Regime unter Einbindung der NSDAP anstrebten, ernannte Hindenburg schließlich am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hinsichtlich der Motive für seine Entscheidung wird von einigen Historikern vermutet, dass dabei das Bemühen Hindenburgs eine Rolle gespielt haben könnte, sich den Folgen aus dem „Osthilfeskandal“ und den damit verbundenen Untersuchungen von Korruptionsvorwürfen zu entziehen.
Am 4. Februar 1933 unterzeichnete Hindenburg gemeinsam mit Hitler die „Reichstagsbrandverordnung“, die zahlreiche Grundrechte, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit, das Vereins- und Versammlungsrecht, außer Kraft setzte sowie Eingriffe in das Brief- und Fernsprechgeheimnis, Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahmung von Eigentum ermöglichte. Die Verordnung schuf die Grundlage für eine Welle von Verhaftungen von politischen Gegnern der Nationalsozialisten vor der Reichstagswahl vom März 1933 sowie für die „Gleichschaltung der Länder“. Ebenso unterzeichnete Hindenburg am 24. März 1933 das „Ermächtigungsgesetz“, mit dem praktisch die gesamte gesetzgebende Gewalt auf Adolf Hitler überging, der nun Gesetze ohne Beteiligung des Reichstags erlassen konnte. Damit war der Weg in die Diktatur eingeleitet. Bis zu seinem Tod am 2. August 1934 wandte sich Hindenburg nicht gegen Hitlers zunehmend autoritäre und brutale Politik und trug damit wesentlich zur Zerstörung der Weimarer Demokratie bei.
Seit 1917 trägt die Hindenburgstraße in Neustadt an der Weinstraße ihren Namen.
Jahnstraße, Jahnplatz
nach Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), Pädagoge, Begründer der deutschen Turnbewegung
Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn wurde am 11. August 1778 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Lanz im Landkreis Prignitz in Brandenburg geboren. Nach Schulzeit und dem Studium an mehreren Universitäten, die er ohne Abschluss verließ, arbeitete er als Hauslehrer.
Unter dem Eindruck der Kämpfe gegen Napoleon wurde Jahn Nationalist. 1808 verfasste er die Schrift „Deutsches Volkstum“. Im November 1810 gründete er mit elf Freunden in der Hasenheide bei Berlin den geheimen „Deutschen Bund“, dessen Ziel die Befreiung und Einung Deutschlands war.
1811 gründete Jahn den Berliner Turnverein. Diesem Beispiel folgend, entstanden in 150 Städten in Deutschland Vereine, die 1818 bereits 12.000 Mitglieder zählten. Jahn ging es bei der Gründung der Turnbewegung neben der körperlichen Ertüchtigung auch um die Entfaltung sittlich-geistiger Kräfte. Vor allem aber ging es ihm um die Erzeugung eines nationalen Bewusstseins und um die paramilitärische Ausbildung der jungen Männer zur Vorbereitung auf einen Krieg, der Deutschland von Napoleons Herrschaft befreien sollte. Jahn versuchte, den preußischen Königshof von der Notwendigkeit dieses Freiheitskampfes zu überzeugen, und initiierte die Gründung des Lützowschen Freikorps.
Auf dem Höhepunkt der Turnbewegung hielten am 18./19. Oktober 1817 die Burschenschafter das Wartburgfest ab. Dabei fand auf Initiative von Jahn eine Bücherverbrennung statt, bei der auch der „Code Civil“ in Flammen aufging. Nach der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue im März 1819 wurden das Turnen ebenso wie die Burschenschaften verboten und beide Bewegungen polizeilich überwacht. Mehrere Turner aus Jahns Umfeld wurden festgenommen. Auch Jahn selbst wurde im Juli 1819 verhaftet und musste mehrere Jahre im Gefängnis verbringen, da er revolutionärer Umtriebe verdächtigt wurde.
1848 wurde Jahn als Abgeordneter in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Er favorisierte nun die Idee eines preußischen Erbkaisertums. Von der Turnerbewegung, die zunehmend demokratisch ausgerichtet war, wandte er sich enttäuscht ab. 1852 starb Friedrich Ludwig Jahn in Freyburg (Unstrut).
Die Jahnstraße in Neustadt an der Weinstraße wurde zwischen 1896 und 1911 nach ihm benannt. Der Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf trägt den Namen seit 1945.
Johann-Gottlieb-Fichte-Straße
nach Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), Philosoph
Johann Gottlieb Fichte wurde 1762 im sächsischen Rammenau geboren. Der Adelige Ernst Haubold von Miltitz förderte die schulische Bildung des Handwerkersohns und ermöglichte ihm den Besuch der Stadtschule in Meißen und ab 1774 das Gymnasium in Schulpforta. Nach seinem Abschluss begann Fichte 1780 ein Theologiestudium zunächst in Jena, dann in Leipzig. Nach dem Tod seines Förderers musste er dieses Studium 1784 aufgrund fehlender finanzieller Mittel abbrechen und verdiente seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer u. a. in Zürich und Leipzig.
Als ihn ein Student in Leipzig 1790 darum bat, ihm die Lehren Kants näherzubringen, beschäftigte sich Fichte erstmals eingehend mit den Arbeiten des Königsberger Philosophen, was sein Denken nachhaltig prägte. 1791 reiste er nach Königsberg und stellte sich Kant mit seiner eigens verfassten Schrift „Versuch einer Critik aller Offenbarung“ vor, in der die Religion erstmals aus der Sicht von Kants kritischer Philosophie betrachtet wird. Die 1792 anonym publizierte Arbeit wurde deshalb auch zunächst Kant selbst zugeschrieben. Dieser nannte jedoch Fichte als Verfasser, der dadurch als Philosoph unmittelbar große Geltung erlangte.
1794 erhielt Fichte eine Philosophieprofessur in Jena. Ab 1802 hielt Fichte Vorlesungen in Berlin, 1805 im damals preußischen Erlangen. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon zog er zunächst nach Berlin und erhielt in Königsberg schließlich erneut eine Professur, floh jedoch 1807 vor der französischen Besatzung und kehrte anschließend über Kopenhagen nach Berlin zurück, wo er sich für die Errichtung einer Universität einsetzte.
Größere Aufmerksamkeit erhielt er nun wieder, als er im Winter 1807/1808 an 14 Sonntagen mittags in der Akademie seine „Reden an die deutsche Nation“ hielt. Als die Universität in Berlin 1810 eröffnet werden konnte, wurde Fichte zunächst Dekan der Philosophischen Fakultät und anschließend zum ersten Rektor gewählt, doch geriet er schon nach wenigen Monaten mit dem Senat, dem Ministerium und der Studentenschaft derart in Streit, dass er selbst seine Amtsenthebung beantragte. Am 29. Januar 1814 verstarb er an Typhus.
Die Johann-Gottlieb-Fichte-Straße in Neustadter Ortsbezirk Mußbach wurde 1975 nach ihm benannt.
Leopold-Reitz-Weg
nach Leopold Reitz (1889-1972), Dichter, Lehrer, Mitbegründer der Weinbruderschaft
Leopold Reitz wurde 1889 in Böbingen geboren und stammte aus einer Bauernfamilie. Nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer unterrichtete er u.a. in Albersweiler, Waldmohr und Breunigweiler. Er diente im Ersten Weltkrieg, wurde jedoch auf Grund einer Verwundung 1916 aus dem Heeresdienst entlassen. 1917 heiratete er Rosa Weyrauch und zog mit seiner Familie nach Böbingen und unterrichtete in Neustadt.
Literarische Erfolge hatte er mit Büchern wie „Geschichten aus dem Kindelsbrunnen“ (1924) und „Schelm Schinderhannes“ (1927). Ab 1928 war Reitz Vorsitzender des Literarischen Vereins der Pfalz. Im Zuge der „Gleichschaltung“ im April 1933 beteiligte er sich maßgeblich an der Auflösung des Vereins und der Überführung seiner Mitglieder in die „Arbeitsgemeinschaft des deutschen Schrifttums der Pfalz“ unter dem Dach des „Kampfbundes für deutsche Kultur“. Reitz wurde Ortsgruppenleiter der Arbeitsgemeinschaft in Neustadt.
Literarisch hatte er seinen größten Erfolg 1937 mit dem Roman „Der Weinpfarrer von Wachenheim“, der noch in der Nachkriegszeit in einer Neuauflage erschien.
Bereits vor der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten war Reitz Mitglied im Stahlhelm gewesen, mit dem er im Zuge der „Gleichschaltung“ in die SA überführt worden war. Reitz gehörte der SA laut Selbstauskunft seit dem 25. Oktober 1933 an und ging den Schritt in diese paramilitärische NS-Organisation offenbar bewusst mit, was auch daran deutlich wird, dass er nicht inaktiv blieb, sondern 1934 den Rang eines Truppführers erlangte (vergleichbar mit dem Rang eines Feldwebels in der Wehrmacht) und 1936 zum Pressereferenten des SA-Sturmes I R 80 ernannt wurde.
Reitz’ Werke zeichneten sich durch heimatverbundene Themen aus und wurden von NS-Medien gefördert. Politisch war er Mitglied mehrerer NS-Organisationen und 1937 trat er der NSDAP bei. Karl Schlee, der Oberbürgermeister von Neustadt, ernannte Reitz 1943 zum städtischen Kulturreferenten. Trotz späterer Behauptungen, er sei der Partei mit Abneigung begegnet, wird sein Engagement als Teil der NS-Kulturförderung angesehen.
Nach dem Krieg wurde Reitz zunächst als „Aktivist“ eingestuft, später jedoch als „Mitläufer“ entlastet und durfte seinen Lehrerberuf wieder ausüben. Nachdem Reitz nicht mehr als belastet galt, wurden ihm diverse Ehrungen zuteil. So wurde er 1954 zum Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Böbingen ernannt, 1959 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, 1963 erhielt er den Literaturpreis des Bezirksverbandes Pfalz, 1966 die Goldene Bürgerplakette der Stadt Neustadt und 1969 den Deutschen Weinkulturpreis.
1954 war er Mitbegründer der Weinbruderschaft der Pfalz, deren Erster Ordensmeister er anschließend viele Jahre war.
Reitz starb 1972 in Neustadt, wo 1975 der ehemalige Sonnenweg im Nordwesten der Stadt ihm zu Ehren in Leopold-Reitz-Weg umbenannt wurde. Die Umbenennung erfolgte maßgeblich auf Initiative der Weinbruderschaft, die an diesem Weg auch einen Gedenkstein für Reitz aufstellte.
Anmerkung: Bei dem nach Reitz benannten Leopold-Reitz-Weg handelt es sich um einen Weg außerhalb der städtischen Bebauung, an dem es keine offizielle Anschrift gibt.
Moltkestraße
nach Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), Preußischer Generalfeldmarschall
Helmuth Karl Bernhard von Moltke (ab 1870 Graf von Moltke) wurde 1800 in Parchim (Mecklenburg) geboren. Da der Vater die Güter der Familie finanziell nicht halten konnte, siedelte diese 1806 nach Dänemark über, wo Moltke zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern 1811 in Kadettenanstalten untergebracht wurde. 1818 wurde Moltke Page am dänischen Königshof, 1819 Leutnant im Infanterieregiment im damals dänischen Rendsburg (heute Schleswig-Holstein). Nachdem er die Offiziersprüfung bestanden hatte, wurde er auf seine eigene Initiative hin in die preußische Armee überführt und in Frankfurt (Oder) eingesetzt.
Aufgrund seines kartographischen Talents wurde er 1828 nach Berlin zum Topographischen Büro des Großen Generalstabes kommandiert und 1833 als Premierleutnant dorthin versetzt. Als der osmanische Sultan Mahmud II. den preußischen König Friedrich Wilhelm III. um Unterstützung bei der Modernisierung seines Heeres bat, entsandte dieser Moltke als Militärberater nach Konstantinopel. 1838/1839 nahm er in Syrien am Feldzug der türkischen Armee gegen die ägyptischen Truppen teil, was ihn zur Zeit seiner Rückkehr Ende 1839 zu einem der wenigen preußischen Offiziere mit Kriegserfahrung machte.
Über verschiedene weitere Stationen beim Militär wurde er 1855–1857 auch Adjutant des preußischen Prinzen und späteren Kaisers Friedrich III., dessen Erziehung der inzwischen zum Generalmajor beförderte Moltke ergänzen sollte. Ab 1858 war er Chef des Großen Generalstabs. 1867 wurde er in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, wo er der konservativen Fraktion angehörte. Nach Gründung des Deutschen Reiches gehörte er dem neugewählten Deutschen Reichstag an, ab 1872 auch dem Preußischen Herrenhaus.
Besondere Auszeichnungen und Berühmtheit erlangte Moltke durch seine Rolle in den Einigungskriegen, in denen er weitgehende Handlungsfreiheit im Rahmen der militärischen Operationen erhielt. Aufgrund der militärischen Erfolge, die maßgeblich auf Moltkes taktisches und analytisches Geschick zurückgeführt werden und zur Bildung des deutschen Nationalstaats unter preußischer Führung entscheidend beitrugen, wurde Moltke zu einer der populärsten Personen der Gründerzeit und galt neben Reichskanzler Bismarck und Kaiser Wilhelm I. als Mitbegründer des Kaiserreichs. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden ihm deshalb zahlreiche Ehrungen zuteil, darunter die Widmung von Straßen, Brücken etc.
Auf die Organisation und taktische Führung des deutschen Heeres hatte Moltke anhaltende Wirkung, bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Heeresleiter der deutschen Geschichte. Da Wilhelm I. mehrere Rücktrittsgesuche Moltkes ablehnte, wurde dieser erst 1888 – nach 30 Jahren im Amt und im Alter von 88 Jahren – unter Wilhelm II. von seinen Pflichten als Chef des Generalstabs entbunden. Er starb 1891 in Berlin.
Die Moltkestraße in Neustadt an der Weinstraße erhielt ihren Namen im Jahr 1891.
Peter-Koch-Straße
nach Peter Koch (1874-1956), Kunstmaler, Bürgermeister und Ehrenbürger von Gimmeldingen
Peter Koch wurde 1874 in der Obermühle im Gimmeldinger Tal geboren, wo sein Vater Johannes Koch in zweiter Generation eine Wappenschmiede betrieb. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte auch Peter Koch eine Wappenschmiede- und Küferlehre. Aufgrund des industriellen Fortschritts wurde der Betrieb der Obermühle jedoch eingestellt, die Familie zog in die Ortsmitte von Gimmeldingen. Ab 1894 studierte Koch an der Akademie der Bildenden Künste in München, 1902 an der Freilicht-Malschule des Tiermalers Heinrich von Zügel in Wörth, wo er Otto Dill kennenlernte, mit dem er freundschaftlich verbunden blieb.
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahm Peter Koch einen Auftrag als Porträtkünstler in den USA an. Nach Ausbruch des Krieges weitete er seine Tätigkeit in New York aus, gründete ein Atelier, erhielt Auftragsarbeiten und knüpfte Kontakte zu Künstlern am Broadway. Nach fast einem Jahrzehnt kehrte er 1922 zurück und engagierte sich in Vereinigungen in seiner Heimatgemeinde Gimmeldingen und der Pfalz, die schon vor 1914 die Motive seiner Gemälde geprägt hatten.
Bereits mehr als ein Jahr vor der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten trat Koch am 1. Oktober 1931 in die NSDAP ein. Seit dem 27. April 1933 gehörte er der NSDAP-Fraktion im Gimmeldinger Gemeinderat an, die in Gimmeldingen einen überdurchschnittlich starken Rückhalt hatte. Im Mai 1933 gestaltete Koch im Auftrag des Gemeinderats Ehrenbürgerurkunden für Paul von Hindenburg, Adolf Hitler und den pfälzischen Gauleiter Josef Bürckel.
Am 9. April 1933 wurde in Neustadt die Gleichschaltung der Institutionen der Bildenden Künste der Pfalz eingeleitet, indem die bisherigen Künstlervereinigungen aufgelöst wurden. Stattdessen wurde die „Notgemeinschaft Pfälzer Kunst“ unter dem Dach des „Kampfbundes für deutsche Kultur“ gegründet. Koch gehörte diesem Bündnis als Mitglied des „Verwaltungs- und Propagandaausschusses“ an. Seit 1935 war Koch Fördermitglied der 1925 von Hitler als Leibgarde gegründeten SS, die später maßgeblich für die Planung und Durchführung von Kriegsverbrechen und den Holocaust verantwortlich war. Bereits ab 1934 war sie für den Betrieb und die Verwaltung der Konzentrationslager zuständig, ab 1941 auch der Vernichtungslager (SS-Totenkopfverbände). Zudem trat Koch u. a. dem Reichkolonialbund bei.
Am 5. März 1937 wurde Koch zum Bürgermeister der Gemeinde Gimmeldingen ernannt. Nach dem Einmarsch der US-Armee in Gimmeldingen am 22. März 1945 übergab Koch die Amtsgeschäfte an die Besatzungsmacht. Nach dem Krieg wurde ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Spruchkammer schlug vor, Koch als „Minderbelasteten“ einzustufen. Dieser „Säuberungsvorschlag“ wurde am 31. Januar 1950 mit folgenden Sühnemaßnahmen angenommen: dreijährige Bewährungsstrafe, Aberkennung der Wählbarkeit und des Rechtes der politischen Betätigung für drei Jahre, Geldbuße von 250 DM, Kostenübernahme des Verfahrens.
Koch betätigte sich weiter als Kunstmaler. 1954 war er Mitgründer der Weinbruderschaft der Pfalz. Seine Heimatgemeinde Gimmeldingen ernannte ihn im selben Jahr zum Ehrenbürger. Dort starb er 1956.
Die Peter-Koch-Straße in Gimmeldingen trägt seit 1971 den Namen.
Richard-Sauer-Straße
nach Richard Sauer (1877-1951), Winzer, Bürgermeister von Diedesfeld
Richard Sauer wurde 1877 in Diedesfeld geboren. Von 1919 bis 1920 war er stellvertretender Bürgermeister und ab 1925 Bürgermeister von Diedesfeld. Während seiner Amtszeit wurde unter anderem die Wasserleitung gebaut und er engagierte sich im sozialen Wohnungsbau. Zudem war er Vorstandsmitglied im Weinbauverein für die Rheinpfalz sowie Mitgründer der Diedesfelder Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins und des Weinbauvereins.
1933 wurde Sauer vom Gemeinderat einstimmig als Bürgermeister wiedergewählt, musste jedoch einen „Verpflichtungsschein für nationalsozialistische Bürgermeister“ unterzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt war er noch kein Mitglied der NSDAP, hatte jedoch nach eigenen Angaben bereits einen Mitgliedsantrag gestellt. Zum 1. April 1934 legte er sein Amt als Bürgermeister nieder. Die zeitliche Belastung erschwere das Betreiben seines Weinbaubetriebs und die Mitgliedschaft in der NSDAP blieb ihm verwehrt. 1937 wurde er schließlich aufgenommen.Weitere politische Aktivitäten sind bislang nicht bekannt.
1949 ernannte die Gemeinde Diedesfeld Sauer zum Ehrenbürger. Er starb 1951.
Die Richard-Sauer-Straße in Diedesfeld wurde 1974 nach ihm benannt.
Richard-Wagner-Straße
nach Richard Wagner (1813-1883), Komponist
Wilhelm Richard Wagner wurde 1813 in Leipzig geboren. Durch seinen Stiefvater, den Dresdner Hofschauspieler Ludwig Geyer, kam er früh mit Theater und Musik in Berührung. Wagner studierte in Leipzig und arbeitete als Musikdirektor und Kapellmeister in verschiedenen Städten. Nach finanziellen Problemen floh er 1839 nach England, später nach Paris, wo er Franz Liszt kennenlernte.
Zu seinen ersten Erfolgen zählten die Opern „Rienzi“ und „Der fliegende Holländer“. 1843 wurde er Hofkapellmeister in Dresden und begann mit bedeutenden Werken wie „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und dem „Ring des Nibelungen“. Wagner schrieb die Texte seiner Opern, inspiriert von der mittelalterlichen Mythologie, selbst, wobei für ihn das Erlösungsmotiv im Mittelpunkt stand. 1848 musste er wegen seiner Beteiligung an der der demokratischen Revolution ins Exil, das er hauptsächlich in Zürich und Paris verbrachte.
Wagner war auch als Autor umstritten: 1850 veröffentlichte er unter einem Pseudonym die antisemitische Schrift „Das Judenthum in der Musik“, die er 1869 nochmals in erweiterter Fassung, diesmal unter seinem Namen, herausbrachte.
Nach einer Amnestie kehrte er 1862 nach Deutschland zurück und lebte bald mit Cosima, der Tochter Franz Liszts, zusammen. Förderer war König Ludwig II. von Bayern, der den Bau des von Wagner konzipierten Festspielhauses in Bayreuth ermöglichte. Dort fand 1876 die Uraufführung von Wagners „Ring der Nibelungen“ statt.
Richard Wagner starb 1883 in Venedig und wurde in Bayreuth beigesetzt.
Seine Werke und sein ideologisches Denken hatten großen Einfluss auf die nachfolgenden Generationen, insbesondere auf die nationalsozialistische Ideologie, die seine germanisch-mythischen Themen und antisemitischen Äußerungen aufgriff. Die Familie Wagner pflegte enge Kontakte zu den Nationalsozialisten, was die Rezeption seiner Musik, vor allem in Israel, lange belastete.
Die Richardt-Wagner-Straße wurde zwischen 1896 und 1911 nach ihm benannt.
Theodor-Körner-Straße
nach Theodor Körner (1791-1813), Dichter, Dramatiker, Freiheitskämpfer
Carl Theodor Körner wurde 1791 in Dresden geboren. In seinem Elternhaus verkehrten u. a. Goethe, Schiller und Wilhelm von Humboldt, was bei ihm ein Interesse an Literatur und Wissenschaft weckte und ihn früh zu eigenen Dichtversuchen brachte. Zumeist wurde er durch Privatlehrer unterrichtet, 1808 begann er an der Bergakademie Freiberg ein Studium des Bergbaus, der Mineralogie und der Chemie. Während dieser Zeit entstanden einige Gedichte, die 1810 unter dem Titel „Knospen“ veröffentlicht wurden. Im selben Jahr wechselte er an die Universität Leipzig, wo er Kameralistik, Verwaltungs- und Wirtschaftslehre studierte. Wie schon in Freiberg nahm Körner rege am studentischen Leben Teil, war Mitglied einer Burschenschaft und duellierte sich mit Adeligen.
1811 begann Körner ein Studium in Wien, wo Freunde der Familie wie Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schlegel lehrten. In Wien besuchte er häufig das Burgtheater, lernte Joseph von Eichendorff kennen, verlobte sich mit der Schauspielerin Antonie Adamberger und schrieb in kurzer Zeit zahlreiche Dramen, Opernlibretti und Erzählungen. Mit dem Trauerspiel „Zriny“, das auf die Besatzung Deutschlands durch Frankreich anspielt, wurde er bekannt und erhielt Anfang 1813 von Erzherzog Karl einen dreijährigen Vertrag als Theaterdichter.
Trotz dieser Erfolge entschloss er sich im März 1813, sich aktiv der entstehenden Befreiungsbewegung gegen Napoleon anzuschließen, und reiste nach Breslau, wo er als „Jäger zu Fuß“ in das Freikorps des Majors Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow eintrat. Auch im Lützow’schen Freikorps schuf Körner weitere Gedichte, die sich meist mit den Befreiungskriegen oder anderen aktuellen Geschehnissen befassen, darunter „Lützows wilde Jagd“, das bereits 1814 von Carl Maria von Weber vertont und dadurch zu einem der berühmtesten Lieder aus der Zeit der Befreiungskriege wurde.
Im Juni 1813 wurde das Freikorps von württembergischen Rheinbundtruppen bei Kitzen in der Nähe von Leipzig angegriffen, wobei Körner durch drei Säbelhiebe am Kopf schwer verletzt wurde. Nach seiner Genesung stieß er im August abermals zum Lützow’schen Freikorps, das zu diesem Zeitpunkt in Mecklenburg stationiert war. Am 26. August beteiligte er sich an einem Überfall auf eine Nachschubkolonne der französischen Truppen bei Gadebusch, wobei er tödlich von einer Kugel im Bauchraum getroffen wurde. Seine Kameraden beerdigten ihn am darauffolgenden Tag zwischen zwei Eichen in Wöbbelin. An dieser Stelle ließ Körners Vater 1814 eine Gedenkplakette anbringen. Im selben Jahr veröffentlichte er in dem Gedichtband „Leyer und Schwerdt“, der bis 1819 fünf Auflagen er reichte, zahlreiche Gedichte seines Sohnes.
Die Theodor-Körner-Straße wurde zwischen 1896 und 1911 nach ihm benannt.
Walter-Engelmann-Platz
nach Walter Engelmann (1885-1951), Fabrikant, Vorsitzender der Volksbad AG
Walter Engelmann wurde 1885 in Köln geboren. Als Oberrealschüler kam er nach Neustadt, arbeitete später in der Nudelfabrik Mack und heiratete eine der Töchter des Inhabers Jakob Mack. Da Mack vier Töchter hatte, die seinen Betrieb nach seinem Tod 1926 erbten, hatte er bereits 1923 Engelmann und Georg Henrich, einen weiteren Schwiegersohn, zu Teilhabern seines Unternehmens gemacht. Beide leiteten die Nudelfabrik nach Macks Tod gemeinsam.
Schon früh engagierte sich Engelmann im Schwimmsport, nahm bereits 1902 erfolgreich für den SC Neustadt an Wettbewerben teil. 1919 wurde er technischer Leiter des Damen-Schwimmvereins, 1930 in den Aufsichtsrat der Neustadter Volksbad AG gewählt, deren Vorsitzender er ab 1935 war. Das 1898/1899 erbaute Volksbad wurde ihm zu Ehren in Walter-Engelmann-Bad umbenannt.
Vor 1933 war Engelmann Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP), für die er auch Mitglied im Neustadter Stadtrat war. Außerdem war er dem Stahlhelm, einen rechtskonservativen, republikfeindlichen Zusammenschluss, beigetreten. Als dessen Mitglieder in die nationalsozialistische Sturmabteilung (SA) überführt wurden, wurde auch Engelmann im August 1933 Mitglied der SA. Allerdings wurde er bereits im Juli 1934 nicht weiter als SA-Mitglied geführt, denn er habe es „an dem nötigen Interesse fehlen lassen“. Auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) war Engelmann bereits bei deren Gründung im April 1932 beigetreten; ab dem 1. Mai 1933 wurde er als NSDAP-Mitglied geführt. Doch auch in der Partei war er inaktiv, weshalb ihm in seinem „Säuberungsprozess“ bescheinigt wurde, dass er ihr nur zur Vermeidung beruflicher Nachteile beigetreten sei.
Seine einzige relevante Position in der NS-Zeit war die des stellvertretenden Obmanns des Fachverbandes Nahrungsmittelindustrie in Neustadt. 1947 wurde er als „Mitläufer“ eingestuft und zu einer Geldbuße von 300 RM verurteilt. Im Herbst 1950 trat Engelmann nach 24 Jahren als Vorsitzender des Neustadter Karnevalsvereins zurück. 1951 kam er bei einem Betriebsunfall in der Nudelfabrik Mack ums Leben.
Nachdem der Badebetrieb im Walter-Engelmann-Bad eingestellt und das Gebäude zu einem Gesundheitszentrum umgebaut worden war, wurde der Bereich davor zu Ehren Engelmanns 1993 Walter-Engelmann-Platz genannt.