Kriegerdenkmal
Das „Kriegerdenkmal“ steht heute mitten in der Hauptstraße von Neustadt an der Weinstraße. Es regt durch die eingemeißelten Namen von 500 Opfern des Ersten Weltkrieges heute zum Nachdenken über den Krieg und dessen Opfer an. Ursprünglich war das Denkmal zum Gedenken an die „gefallenen Helden“ des Ersten Weltkrieges gedacht.
Ein Kind hatte gefragt, warum der Mann dort auf dem Pferd so traurig schaut. „Weil sie den Krieg verloren haben“, kam eine Antwort. Auch der gesenkte Kopf des Pferdes drückt diese Trauer aus.
Krieg zieht immer Opfer nach sich. Die eingemeißelten Namen zeigen aber nur die Opfer der im Krieg umgekommenen Männer. Nicht gezählt wurden die vielen Opfer in der Zivilbevölkerung, die besonders im Winter 1917/1918 in Neustadt an Hunger und Kälte starben, darunter viele Kleinkinder.
An diese Ereignisse aus Neustadter Sicht erinnert der Roman „Felix zieht in den Krieg“, der genau hier am Kriegerdenkmal mit einem Nachdenken beginnt:
1925: Das Denkmal
Da stehe ich nun vor dem neuen Denkmal. Mitten auf der Hauptstraße meiner Heimatstadt (ergänzend: Neustadt an der Weinstraße, früher Neustadt an der Haardt) ragt es empor. Oben eine muskulöse Gestalt mit Stahlhelm und Lanze, die mich an die Helden meiner Kindheit erinnert. Zu seiner Einweihung vor wenigen Tagen war ich als Kriegsteilnehmer eingeladen. Doch ich konnte nicht – oder wollte ich nicht dabei sein?
„Unseren Gefallenen zur Ehr und zum Andenken“, steht da. 500 Namen erinnern an junge Männer aus Neustadt, die im Krieg zwischen 1914 bis 1918 ihr Leben verloren 500 von 17 Millionen weltweit. Ich finde die Namen meines Bruders Georg und meines Freundes Paul - und vieler anderer, die ich kannte. Auch mein Name könnte darauf stehen.
Den Krieg habe ich überlebt, aber ich fühle mich seither wie ein knorriger Baum voller Narben. Dabei bin ich erst 27 Jahre alt.
Ich heiße Felix. Mein Name bedeutet eigentlich „der Glückliche“. Aber wie die meisten jungen Männer in meinem Alter habe ich bereits so viel Elend und Tod gesehen, dass ich mich frage, ob dieser Name noch zu mir passt. 1568 Tage dauerte dieser Krieg, der für viele Überlebende wie mich zur Hölle auf Erden wurde. Selbst nach all den Jahren verfolgt er mich weiter, Tag und Nacht.
Ich bin mir sicher: Dieser Krieg wird mich ein Leben lang begleiten, denn ich trage viele äußere und innere Narben. Meinen rechten Arm habe ich verloren. Jedes Mal, wenn ich vor dem Spiegel stehe, sehe ich die Spuren der Granate, die mich in den letzten Wochen des Krieges verwundet hat. Keiner jedoch sieht meine inneren Narben. Die spüre nur ich, fast jede Nacht. Dann wache ich schweißgebadet auf und sehe die Bilder von damals, höre im nächtlichen Albtraum das Donnern der
Kanonen und die Schreie der Sterbenden. Ich sehe dann in die toten Augen meines Schulfreundes Paul oder glaube, die letzte Umarmung meines Bruders zu spüren, der im ersten Jahr des Krieges ums Leben kam. Dieses Denkmal mit seinen 500 in Stein gemeißelten Namen ruft Erinnerungen in mir wach. Es lässt mich in Gedanken auf eine Reise gehen – zu meinen Erlebnissen im Krieg. Das Denkmal lässt mich aber auch an die Jahre meiner Kindheit denken, in denen ich auf den Krieg vorbereitet wurde. Und ich sehe die Folgen vor mir, die der Krieg nach sich zog.
Auszug aus Michael Landgraf, Felix zieht in den Krieg, Agiro-Verlag, Neustadt an der Weinstraße 2014, ISBN 978-3-939233-21-3, S. 3-4.
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