Hauptstraße mit Ursinus-Haus und Abresch-Haus


Das Ursinus-Haus: Hauptstraße 115/117, Turmstraße 14

Das aus mehreren Häusern bestehende Fachwerkeckensemble mit Erker wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Es steht an der Straßenkreuzung zwischen Juden- und Lauerviertel. Hier lebte 1577 bis zu seinem Tod 1583 der Reformator und Professor der Hochschule Casimirianum, Zacharias Ursinus mit Familie. Er war der Hauptverfasser des Heidelberger Katechismus von 1563. Dieser ist heute noch Glaubensbasis vieler reformierter Kirchen weltweit wie in den Niederlanden, in Südafrika, Indonesien und den USA. Nach der von Ursinus mitverfassten Schulordnung von 1563 sollten alle Kinder lesen und schreiben lernen. Als 1577 die Spaltung der Protestanten in Lutheraner und Reformierte drohte, mischte er sich vergeblich von Neustadt aus ein. Von ihm mit beeinflusst war auch das Erscheinen der ersten vollständigen Bibeln mit Verszählung in Heidelberg und Neustadt. Jeder sollte so theologische Aussagen überprüfen können. Ursinus wurde in der Stiftskirche bestattet, wo Tafeln und ein Fenster an ihn erinnern.


Das Abresch-Haus: Hauptstraße 118

In diesem dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshaus wohnten Johann Philipp Abresch und seine Frau Anna Maria. Ältestes Element des Hauses ist der um 1600 erbaute Torbogen auf der Rückseite. Das Gebäude in seiner jetzigen Gestalt wurde bis 1899 mehrfach umgebaut. Abresch war Stadtrat, Kaufmann, sowie einer der Organisatoren und Redner des Hambacher Fests von 1832. Er soll als erster die Farbenfolge Schwarz-Rot-Gold für eine deutsche Fahne festgelegt haben. Mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“ trug er diese Fahne beim Festzug zum Schloss hinauf und hisste sie. Im Revolutionsjahr 1848 hisste Johann Philipp Abresch diese Fahne nochmals, diesmal aber auf der Wolfsburg. Anna Maria versteckte sie nach dem Tod ihres Mannes in diesem Haus. Nachfahren der Familie bewahrten die Fahne in der NS-Zeit vor der Zerstörung. Sie befindet sich heute auf dem Hambacher Schloss und ist dort eines der wichtigsten Ausstellungsstücke. Schwarz-Rot-Gold gilt als Symbol der deutschen Demokratie.


Weitere historisch bedeutende Gebäude in der Hauptstraße:

Altes Rathaus: Hauptstraße 84/ Kellereistraße 1
Das 1589 erbaute Alte Rathaus war bis 1838 Sitz der Stadtverwaltung und des Stadtrats. 1780 wurde das Gebäude umgebaut und 1898 in ein Kaufhaus umgestaltet. Einst führte eine Außentreppe zum oberen Stockwerk, deren Brüstung am Balkon zu sehen ist. Hier stand der Rathausbrunnen, der sich heute im Innenhof des Rathauses am Marktplatz befindet. Als Spitze der städtischen Verwaltung dokumentierte ein Stadtschreiber Ereignisse und beriet die meist ehrenamtlichen Bürgermeister und den Stadtrat. Da Neustadt eine kurpfälzische Oberamtsstadt war, gab es auch einen Landschreiber (Landschreibereistraße). Der regelte die Angelegenheiten des Kurfürsten und verwaltete dessen Einnahmen im Oberamt Neustadt. Vor dem Hambacher Fest wurden im Januar 1832 vor dem alten Rathaus polnische Freiheitskämpfer gefeiert. Sie flohen nach einem Aufstand gegen Russland Richtung Frankreich. Um diese zu unterstützen, gründeten Männer und Frauen Vereine. Diese organisierten das Hambacher Fest im Mai 1832 mit.

Alte Post: Hauptstraße 94
Die dreigeschossige Hofanlage wurde um 1797 neu erbaut. Seit dem 16. Jh. ist hier jedoch eine Gaststätte belegt, die „Zur Krone“ hieß. Bis 1883 war der Komplex auch eine Posthalterei. Der Quertrakt im Hinterhof diente unten als Stall für die Postpferde und oben als Fest- und Tanzsaal. Das Gasthaus war durch die zentrale Lage Neustadts im 19. Jh. Gründungsort und Treffpunkt vieler pfälzischer Vereine. 1832 war im Gasthaus der damals bekannte Journalist und Literat Ludwig Börne (1786-1837) untergebracht. Er war einer der Hauptredner beim Hambacher Fest und Ehrengast der Organisatoren. Wie Heinrich Heine lebte er im Exil in Frankreich, wo seit der Revolution 1830 ein liberales Klima herrschte. Dort schrieb er seine „Briefe aus Paris“, in denen er Deutschlands Einheit und Freiheit forderte. Während seines Aufenthaltes im Gasthaus wurde ihm eine Taschenuhr gestohlen. Dies führte zum einem öffentlich gemachten Skandal. Heute ist der Komplex eine Gaststätte mit romantischem Innenhof.

 

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