Hintergasse mit dem Gerberhaus und Mittelgasse


Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, idyllische Innenhöfe, mediterrane Vegetation, die älteste Weinstube der Stadt, gastliche Häuser, kleine Geschäfte und Galerien - die historische Altstadt lebt...

Die malerische Hintergasse ist mit der Zwerch- und der parallel verlaufenden Mittelgasse ein romantisches Ensemble von Fachwerkgebäuden, Hoftoren mit Zunftzeichen und verspielten Innenhöfen. Beide Gassen blieben von Kriegen und den Baumaßnahmen der 1960er Jahre verschont. Die Hintergasse, ehemals Lauergasse, verläuft entlang der alten Stadtmauer. Deren Reste sind teils in Gebäuden verbaut. In der Mitte der Straße floss ein offener Kanal, um Abwässer der Lauer (Gerber) aufzunehmen. Spätmittelalterlich sind die Häuser Hintergasse 12 von 1376 sowie 19 aus dem Jahr 1452. Die ältesten Torbögen in der Hintergasse 19 und 32 wurden um 1595 errichtet. Die Gebäude des sogenannten Siebenherrenhofs, Hintergasse 25-34, stammen erst aus dem 18. Jahrhundert. 1727 errichtet der Mennonit Johann Jacob Möllinger in der Hintergasse 26 eine berühmte Uhrenwerkstatt. Heute locken urige Gaststätten und romantische Hinterhöfe in diese Gassen.

Das sogenannte Gerberhaus, ein uriges Eckgebäude mit Fachwerk, wurde vermutlich im 18. Jh. errichtet. Das Zunftzeichen am barocken Torbogen weist auf einen Küfer als Besitzer hin. Der Name erinnert daran, dass das Haus im Gerber- oder Lauerviertel lag. Die Zunft der Ledermacher nannte man Gerber, Lauer oder Lohgerber. Deren Arbeit war schmutzig und gefährlich. Um eine rohe Tierhaut zu feinem Leder zu verarbeiten, mussten Fettreste von der Haut getrennt und diese weich gemacht werden. Baumrinde, Lohe genannt, Salze und Urin wurden dafür verwendet. Daher war die Lederherstellung mit Gestank verbunden. Aus diesem Grund siedelte man Gerber am Stadtrand an, in Neustadt an der östlichen Stadtmauer und nahe des Speyerbachs. So konnte das Abwasser der Lederherstellung aus der Stadt herausgeleitet werden. Heute beherbergt das Haus eine Gaststätte mit guter Küche. Verwinkelte Ecken, Tische und Stühle aus massivem Holz sowie der alte Steinfußboden lassen ahnen, wie man einst hier lebtee. Immer wieder finden in den Höfen Kulturveranstaltungen statt.

Die Mittelgasse ist mit der Zwerch- und Hintergasse eine der malerischsten Ecken der Stadt. Fachwerkgebäude und Höfe wie Mittelgasse 6 stammen aus dem Spätmittelalter. Sehenswert sind viele Torbögen, darunter das älteste datierte Tor Neustadts vor Haus Nr. 16 aus dem Jahr 1487. Ein Gedenkstein Hintergasse 22 erinnert an eine lutherische Kirche. Sie wurde abgerissen, nachdem sich 1818 Lutheraner und Reformierte der Pfalz vereinigten. Heute befindet sich hier ein Restaurant mit Außengastronomie. Die älteste Weinstube Neustadts heißt „Zur Herberge“, Mittelgasse 3. Im Kern stammt deren Bau von 1403. Über dem Torbogen von 1595 erinnert das linke Wappen an Bernhard Meister. Der Stadtrat und Kirchenverwalter wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Seit 1793 befindet sich das Anwesen in Familienbesitz. Das spätestens seit dem 17. Jahrhundert als Zunftherberge belegte Gebäude ist noch heute Treffpunkt wandernder Gesellen. Die urige Gaststätte bietet Speisen und Weine aus der Region. 



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