10 Jahre Bildungsbüro: Netzwerk mit frischen Ideen für die Demokratiestadt
Auf Einladung der Stadtverwaltung haben sich im Herz-Jesu-Kloster zum achten Mal Akteurinnen und Akteure getroffen, die sich im Neustadter Demokratienetzwerk für die Verankerung der Grund- und Menschenrechte in unserer Stadtgesellschaft, Demokratiebildung und Aufklärungsarbeit in Sachen Rechtspopulismus aktiv einsetzen.
Heuer stand das von mehr als 60 Netzwerker/innen besuchte Treffen unter einem besonderen Vorzeichen: dem zehnjährigen Bestehen des städtischen Bildungsbüros. Dabei wurden in Berichten und Gruppenarbeiten neue Ideen entwickelt, wie die Demokratiestadt Neustadt mit weiteren Aktionen und Engagement aus der Mitte der Gesellschaft heraus auf den hohen Wert unserer Demokratie hinweisen will.
Martin Lange, Leiter der städtischen Abteilung „Demokratie- und Ehrenamtsförderung – Kommunales Bildungsbüro“ sagte zur Begrüßung: „Die Demokratie ist nicht nur eine Staatsform, sondern unsere Lebensform!“ Dazu passend tauschten sich die unterschiedlichsten Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen, Verwaltung, Politik und Ehrenamt über anstehende Projekte und neue Ideen aus.
Ebenso wurde auf ein Jahrzehnt intensiver Aufbauarbeit zurückgeblickt - zugleich Ansporn für die Weiterentwicklung der Demokratiestadt. Erörtert wurde, was gemeinsam mit der Stadtverwaltung, insbesondere mit dem Bildungsbüro, erreicht wurde und wie sich Neustadt auch als Stadt der Beteiligung und des lebenslangen Lernens weiterentwickelt.
Die Beigeordnete Johanna Kunzendorff mahnte bei ihrer Begrüßung, den Demokratiefeinden nicht das Feld zu überlassen: „Wir müssen andere Meinungen aushalten, aber wir müssen nicht alles akzeptieren. Der demokratische Diskurs endet da, wo Grundrechte verletzt werden.“ Kunzendorff wies auf den Bedarf an Demokratiebildung hin: „Neustadt hat verstanden, dass Demokratiearbeit Bildungsarbeit bedeutet.“
Nun gelte es, die mittlerweile gut vernetzte Bildungsarbeit in Neustadt weiter zu vertiefen und gegen Gegner unseres demokratischen Systems zu verteidigen. Dies zur Aufgabe macht sich in Neustadt auch das städtische Bildungsbüro.
Das Bildungsbüro: Motor für vernetzte Bildungsarbeit
Das Bildungsbüro arbeitet auf Grundlage des sogenannten Datenbasierten Kommunalen Bildungsmanagements (DKBM). Ziel ist es, die verschiedenen Bildungsmöglichkeiten vor Ort strategisch, vernetzt und datenbasiert weiterzuentwickeln. Das Bildungsbüro initiiert außerschulische Projekte, vernetzt Bildungsakteure und -akteurinnen, koordiniert Prozesse innerhalb der Bildungslandschaft und schafft damit tragfähige Strukturen weit über einzelne Projekte hinaus. Als zentrale Schnittstelle ermittelt es so Herausforderungen und erarbeitet Entwicklungspotenziale. Ziel ist es, Chancengerechtigkeit zu stärken, lebenslanges Lernen zu ermöglichen und Bildungsangebote sinnvoll aufeinander abzustimmen – weg vom Handeln nach „Bauchgefühl“, hin zu fundierten Entscheidungen auf Grundlage messbarer Fakten.
Auf dieser Grundlage konnten bereits Netzwerkstrukturen aufgebaut werden, insbesondere in den Bereichen Demokratie- und MINT-Bildung sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Auch das Demokratienetzwerk entstand aus einer Handlungsempfehlung des Bildungsbüros. Schnell gab es erste Erfolge. So wurde 2017 mit dem „Komm mit!“-Politikpraktikum ein wahres Vorzeigeprojekt umgesetzt: Jugendliche begleiten kommunale Mandatsträgerinnen und -träger über mehrere Wochen in ihrem politischen Alltag. Das Format wurde seither sieben Mal für Jugendliche und einmal für Erwachsene durchgeführt.
Das Demokratienetzwerk: Von der Idee zur gelebten Praxis
2018 folgte der offizielle Auftakt des Demokratienetzwerks in Form einer Kooperationswerkstatt, 2019 das erste Demokratienetzwerktreffen. Seitdem findet dieses jährlich statt, wie heuer im Herz-Jesu-Kloster. Aktuell zählt das Netzwerk rund 280 Personen und Institutionen.
2022 wurde die städtische Abteilung „Demokratie- und Ehrenamtsförderung – Kommunales Bildungsbüro“ gegründet. Die Abteilungsleitung hat seit September 2024 Martin Lange inne.
Ebenfalls 2022 fand mit dem Demokratiefest unter dem Motto „Mut zur Freiheit“ erstmals ein großes öffentliches Format statt, das seither im zweijährigen Rhythmus bis zum 200. Jubiläum des Hambacher Festes 2032 fortgeführt wird. In diesem Jahr steht das Demokratiefest unter dem Motto „Freiheit pflanzen“. In Anspielung an die Landesgartenschau 2027, bei der die Demokratiebildung auch eine große Rolle einnehmen wird, wird das Fest vom 29. bis 31. Mai 2026 gefeiert werden. Auch das Demokratiefest gehört zu den Meilensteinen, die hervorgehen aus dem Stadtratsbeschluss von 2020, wonach sich Neustadt künftig als international gesehene Demokratiestadt profilieren möchte sowie aus dem 2024 beschlossenen Demokratiekonzept von Neustadt an der Weinstraße.
Vernetzung als Stärke
Die besondere Stärke des Demokratienetzwerks liegt darin, dass hier Angebot und Nachfrage zusammenkommen. Es werden Ideen gemeinsam entwickelt, Projekte koordiniert und umgesetzt. In Arbeitskreisen, thematischen Gruppen und einer Demokratie-Kerngruppe entstehen konkrete Vorhaben, die weit über Einzelaktionen hinausreichen.
Bei den bisherigen Netzwerktreffen wurden unter anderem Projekte wie der Bürgereckenrat, das Kinderparlament der Kita Hetzelstift, der Mietergarten der WBG, das Jugendc@fé oder das Schulhof-Umgestaltungsprojekt der Heinz-Sielmann-Grundschule vorgestellt. Einige dieser Konzepte wurden bereits erfolgreich auf andere Einrichtungen übertragen, etwa das Kinderparlament in weiteren Kitas.
Denkwerkstatt: Rückblick und Ausblick
Ein zentrales Element des achten Demokratienetzwerktreffens war eine Denkwerkstatt. In kleinen Gruppen widmeten sich die Teilnehmenden den wichtigsten Meilensteinen der vergangenen zehn Jahre, hinterfragten bestehende Strukturen und entwickelten neue Ideen für die Fortentwicklung der Demokratiestadt.
Bundesweite Anerkennung der geleisteten Arbeit
Dass dieser Weg auch bundesweit Anerkennung findet, zeigt unter anderem die Auszeichnung des Neustadter BNE-Netzwerks mit dem nationalen Preis „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im vergangenen Jahr. Die Jury würdigte insbesondere das starke Zusammenspiel von Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft sowie die systematische Verankerung von Nachhaltigkeit, Partizipation und Bildung vor Ort.