Leopold-Reitz-Weg

nach Leopold Reitz (1889-1972), Dichter, Lehrer, Mitbegründer der Weinbruderschaft

Leopold Reitz wurde 1889 in Böbingen geboren und stammte aus einer Bauernfamilie. Nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer unterrichtete er u.a. in Albersweiler, Waldmohr und Breunigweiler. Er diente im Ersten Weltkrieg, wurde jedoch auf Grund einer Verwundung 1916 aus dem Heeresdienst entlassen. 1917 heiratete er Rosa Weyrauch und zog mit seiner Familie nach Böbingen und unterrichtete in Neustadt.

Literarische Erfolge hatte er mit Büchern wie „Geschichten aus dem Kindelsbrunnen“ (1924) und „Schelm Schinderhannes“ (1927). Ab 1928 war Reitz Vorsitzender des Literarischen Vereins der Pfalz. Im Zuge der „Gleichschaltung“ im April 1933 beteiligte er sich maßgeblich an der Auflösung des Vereins und der Überführung seiner Mitglieder in die „Arbeitsgemeinschaft des deutschen Schrifttums der Pfalz“ unter dem Dach des „Kampfbundes für deutsche Kultur“. Reitz wurde Ortsgruppenleiter der Arbeitsgemeinschaft in Neustadt.

Literarisch hatte er seinen größten Erfolg 1937 mit dem Roman „Der Weinpfarrer von Wachenheim“, der noch in der Nachkriegszeit in einer Neuauflage erschien.

Bereits vor der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten war Reitz Mitglied im Stahlhelm gewesen, mit dem er im Zuge der „Gleichschaltung“ in die SA überführt worden war. Reitz gehörte der SA laut Selbstauskunft seit dem 25. Oktober 1933 an und ging den Schritt in diese paramilitärische NS-Organisation offenbar bewusst mit, was auch daran deutlich wird, dass er nicht inaktiv blieb, sondern 1934 den Rang eines Truppführers erlangte (vergleichbar mit dem Rang eines Feldwebels in der Wehrmacht) und 1936 zum Pressereferenten des SA-Sturmes I R 80 ernannt wurde.

Reitz’ Werke zeichneten sich durch heimatverbundene Themen aus und wurden von NS-Medien gefördert. Politisch war er Mitglied mehrerer NS-Organisationen und 1937 trat er der NSDAP bei. Karl Schlee, der Oberbürgermeister von Neustadt, ernannte Reitz 1943 zum städtischen Kulturreferenten. Trotz späterer Behauptungen, er sei der Partei mit Abneigung begegnet, wird sein Engagement als Teil der NS-Kulturförderung angesehen.

Nach dem Krieg wurde Reitz zunächst als „Aktivist“ eingestuft, später jedoch als „Mitläufer“ entlastet und durfte seinen Lehrerberuf wieder ausüben. Nachdem Reitz nicht mehr als belastet galt, wurden ihm diverse Ehrungen zuteil. So wurde er 1954 zum Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Böbingen ernannt, 1959 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, 1963 erhielt er den Literaturpreis des Bezirksverbandes Pfalz, 1966 die Goldene Bürgerplakette der Stadt Neustadt und 1969 den Deutschen Weinkulturpreis.

1954 war er Mitbegründer der Weinbruderschaft der Pfalz, deren Erster Ordensmeister er anschließend viele Jahre war.

Reitz starb 1972 in Neustadt, wo 1975 der ehemalige Sonnenweg im Nordwesten der Stadt ihm zu Ehren in Leopold-Reitz-Weg umbenannt wurde. Die Umbenennung erfolgte maßgeblich auf Initiative der Weinbruderschaft, die an diesem Weg auch einen Gedenkstein für Reitz aufstellte.

Anmerkung: Bei dem nach Reitz benannten Leopold-Reitz-Weg handelt es sich um einen Weg außerhalb der städtischen Bebauung, an dem es keine offizielle Anschrift gibt.

Abschlussbericht Projekt Straßennamen

Quelle: Stadtarchiv Neustadt an der Weinstraße