Moltkestraße
nach Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), Preußischer Generalfeldmarschall
Helmuth Karl Bernhard von Moltke (ab 1870 Graf von Moltke) wurde 1800 in Parchim (Mecklenburg) geboren. Da der Vater die Güter der Familie finanziell nicht halten konnte, siedelte diese 1806 nach Dänemark über, wo Moltke zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern 1811 in Kadettenanstalten untergebracht wurde. 1818 wurde Moltke Page am dänischen Königshof, 1819 Leutnant im Infanterieregiment im damals dänischen Rendsburg (heute Schleswig-Holstein). Nachdem er die Offiziersprüfung bestanden hatte, wurde er auf seine eigene Initiative hin in die preußische Armee überführt und in Frankfurt (Oder) eingesetzt.
Aufgrund seines kartographischen Talents wurde er 1828 nach Berlin zum Topographischen Büro des Großen Generalstabes kommandiert und 1833 als Premierleutnant dorthin versetzt. Als der osmanische Sultan Mahmud II. den preußischen König Friedrich Wilhelm III. um Unterstützung bei der Modernisierung seines Heeres bat, entsandte dieser Moltke als Militärberater nach Konstantinopel. 1838/1839 nahm er in Syrien am Feldzug der türkischen Armee gegen die ägyptischen Truppen teil, was ihn zur Zeit seiner Rückkehr Ende 1839 zu einem der wenigen preußischen Offiziere mit Kriegserfahrung machte.
Über verschiedene weitere Stationen beim Militär wurde er 1855–1857 auch Adjutant des preußischen Prinzen und späteren Kaisers Friedrich III., dessen Erziehung der inzwischen zum Generalmajor beförderte Moltke ergänzen sollte. Ab 1858 war er Chef des Großen Generalstabs. 1867 wurde er in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, wo er der konservativen Fraktion angehörte. Nach Gründung des Deutschen Reiches gehörte er dem neugewählten Deutschen Reichstag an, ab 1872 auch dem Preußischen Herrenhaus.
Besondere Auszeichnungen und Berühmtheit erlangte Moltke durch seine Rolle in den Einigungskriegen, in denen er weitgehende Handlungsfreiheit im Rahmen der militärischen Operationen erhielt. Aufgrund der militärischen Erfolge, die maßgeblich auf Moltkes taktisches und analytisches Geschick zurückgeführt werden und zur Bildung des deutschen Nationalstaats unter preußischer Führung entscheidend beitrugen, wurde Moltke zu einer der populärsten Personen der Gründerzeit und galt neben Reichskanzler Bismarck und Kaiser Wilhelm I. als Mitbegründer des Kaiserreichs. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden ihm deshalb zahlreiche Ehrungen zuteil, darunter die Widmung von Straßen, Brücken etc.
Auf die Organisation und taktische Führung des deutschen Heeres hatte Moltke anhaltende Wirkung, bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Heeresleiter der deutschen Geschichte. Da Wilhelm I. mehrere Rücktrittsgesuche Moltkes ablehnte, wurde dieser erst 1888 – nach 30 Jahren im Amt und im Alter von 88 Jahren – unter Wilhelm II. von seinen Pflichten als Chef des Generalstabs entbunden. Er starb 1891 in Berlin.
Die Moltkestraße in Neustadt an der Weinstraße erhielt ihren Namen im Jahr 1891.