Jahnstraße, Jahnplatz
nach Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), Pädagoge, Begründer der deutschen Turnbewegung
Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn wurde am 11. August 1778 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Lanz im Landkreis Prignitz in Brandenburg geboren. Nach Schulzeit und dem Studium an mehreren Universitäten, die er ohne Abschluss verließ, arbeitete er als Hauslehrer.
Unter dem Eindruck der Kämpfe gegen Napoleon wurde Jahn Nationalist. 1808 verfasste er die Schrift „Deutsches Volkstum“. Im November 1810 gründete er mit elf Freunden in der Hasenheide bei Berlin den geheimen „Deutschen Bund“, dessen Ziel die Befreiung und Einung Deutschlands war.
1811 gründete Jahn den Berliner Turnverein. Diesem Beispiel folgend, entstanden in 150 Städten in Deutschland Vereine, die 1818 bereits 12.000 Mitglieder zählten. Jahn ging es bei der Gründung der Turnbewegung neben der körperlichen Ertüchtigung auch um die Entfaltung sittlich-geistiger Kräfte. Vor allem aber ging es ihm um die Erzeugung eines nationalen Bewusstseins und um die paramilitärische Ausbildung der jungen Männer zur Vorbereitung auf einen Krieg, der Deutschland von Napoleons Herrschaft befreien sollte. Jahn versuchte, den preußischen Königshof von der Notwendigkeit dieses Freiheitskampfes zu überzeugen, und initiierte die Gründung des Lützowschen Freikorps.
Auf dem Höhepunkt der Turnbewegung hielten am 18./19. Oktober 1817 die Burschenschafter das Wartburgfest ab. Dabei fand auf Initiative von Jahn eine Bücherverbrennung statt, bei der auch der „Code Civil“ in Flammen aufging. Nach der Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue im März 1819 wurden das Turnen ebenso wie die Burschenschaften verboten und beide Bewegungen polizeilich überwacht. Mehrere Turner aus Jahns Umfeld wurden festgenommen. Auch Jahn selbst wurde im Juli 1819 verhaftet und musste mehrere Jahre im Gefängnis verbringen, da er revolutionärer Umtriebe verdächtigt wurde.
1848 wurde Jahn als Abgeordneter in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Er favorisierte nun die Idee eines preußischen Erbkaisertums. Von der Turnerbewegung, die zunehmend demokratisch ausgerichtet war, wandte er sich enttäuscht ab. 1852 starb Friedrich Ludwig Jahn in Freyburg (Unstrut).
Die Jahnstraße in Neustadt an der Weinstraße wurde zwischen 1896 und 1911 nach ihm benannt. Der Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf trägt den Namen seit 1945.