Gerhart-Hauptmann-Straße
nach Gerhart Hauptmann (1862-1946), Dramatiker, Schriftsteller, bedeutendster Vertreter des Naturalismus
Gerhart Johann Robert Hauptmann wurde 1862 in Ober Salzbrunn (Szczawno-Zdrój) in Niederschlesien geboren, wo seine Eltern Robert Gerhard Hauptmann und Marie geb. Straehler ein Hotel betrieben. Nachdem er die Realschule in Breslau ohne Abschluss verlassen hatte, begann er zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Gutshof eines Onkels, bevor er 1880 in die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau eintrat. In dieser Zeit begann er auch zu schreiben und sein Interesse für das Theater zu entwickeln.
1885 heiratete er Marie Thienemann aus Radebeul. Mit dem sozialkritischen Stück „Vor Sonnenaufgang“ gelang Hauptmann 1889 der Durchbruch als Dramatiker. Es folgte drei Jahre später das Drama „Die Weber“. Nach der Uraufführung am Deutschen Theater Berlin kündigte Kaiser Wilhelm II. empört seine Loge. Dennoch war Hauptmann nach der Aufführung weiterer Stücke bald der populärste Dichter in Deutschland und galt im Ausland als Repräsentant der deutschen Literatur.1912 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gehörte Hauptmann zu jenen Mitgliedern der Deutschen Akademie der Dichtung, einer Sektion der Preußischen Akademie der Künste, die am 16. März 1933 eine Loyalitätserklärung gegenüber der neuen Regierung unterzeichneten. Andere Künstlerinnen und Künstler, wie Thomas Mann, Ricarda Huch und der Ehrenpräsident Max Liebermann, weigerten sich, das Schriftstück zu unterzeichnen. Käthe Kollwitz und Heinrich Mann hatte man kurz zuvor bereits zum Austritt genötigt. Alle jüdischen Mitglieder wurden wenig später ausgeschlossen. Den Antisemitismus lehnte Hauptmann ab, er äußerte seine Kritik jedoch nie öffentlich. Im Sommer 1933 stellte Gerhart Hauptmann einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP, der jedoch abgelehnt wurde. Trotz Kritik der NS-Kulturverantwortlichen an der weltanschaulichen Haltung in vielen seiner Werke bemühten sich die braunen Machthaber, Hauptmann wegen seines hohen Ansehens in der Bevölkerung im Land zu halten und ihn für ihre Zwecke zu nutzen. Seine Stücke wurden weiterhin gespielt, wenn auch manchmal zensiert, und er erhielt viele Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag.
Im August 1944 wurde er von Hitler in die „Gottbegnadeten-Liste“ sowie als einer von sechs Schriftstellern in die Sonderlisten der unersetzlichen Künstler aufgenommen. Das Kriegsende erlebte Hauptmann in seiner niederschlesischen Heimat. 1946 sollte er ausgewiesen werden. Er starb jedoch kurz zuvor am 6. Juni in seinem Haus „Wiesenstein“ in Agnetendorf (Agnieszków).
Die Gerhart-Hauptmann-Straße in Neustadt an der Weinstraße erhielt ihren Namen 1954.