Johann-Gottlieb-Fichte-Straße
nach Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), Philosoph
Johann Gottlieb Fichte wurde 1762 im sächsischen Rammenau geboren. Der Adelige Ernst Haubold von Miltitz förderte die schulische Bildung des Handwerkersohns und ermöglichte ihm den Besuch der Stadtschule in Meißen und ab 1774 das Gymnasium in Schulpforta. Nach seinem Abschluss begann Fichte 1780 ein Theologiestudium zunächst in Jena, dann in Leipzig. Nach dem Tod seines Förderers musste er dieses Studium 1784 aufgrund fehlender finanzieller Mittel abbrechen und verdiente seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer u. a. in Zürich und Leipzig.
Als ihn ein Student in Leipzig 1790 darum bat, ihm die Lehren Kants näherzubringen, beschäftigte sich Fichte erstmals eingehend mit den Arbeiten des Königsberger Philosophen, was sein Denken nachhaltig prägte. 1791 reiste er nach Königsberg und stellte sich Kant mit seiner eigens verfassten Schrift „Versuch einer Critik aller Offenbarung“ vor, in der die Religion erstmals aus der Sicht von Kants kritischer Philosophie betrachtet wird. Die 1792 anonym publizierte Arbeit wurde deshalb auch zunächst Kant selbst zugeschrieben. Dieser nannte jedoch Fichte als Verfasser, der dadurch als Philosoph unmittelbar große Geltung erlangte.
1794 erhielt Fichte eine Philosophieprofessur in Jena. Ab 1802 hielt Fichte Vorlesungen in Berlin, 1805 im damals preußischen Erlangen. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon zog er zunächst nach Berlin und erhielt in Königsberg schließlich erneut eine Professur, floh jedoch 1807 vor der französischen Besatzung und kehrte anschließend über Kopenhagen nach Berlin zurück, wo er sich für die Errichtung einer Universität einsetzte.
Größere Aufmerksamkeit erhielt er nun wieder, als er im Winter 1807/1808 an 14 Sonntagen mittags in der Akademie seine „Reden an die deutsche Nation“ hielt. Als die Universität in Berlin 1810 eröffnet werden konnte, wurde Fichte zunächst Dekan der Philosophischen Fakultät und anschließend zum ersten Rektor gewählt, doch geriet er schon nach wenigen Monaten mit dem Senat, dem Ministerium und der Studentenschaft derart in Streit, dass er selbst seine Amtsenthebung beantragte. Am 29. Januar 1814 verstarb er an Typhus.
Die Johann-Gottlieb-Fichte-Straße in Neustadter Ortsbezirk Mußbach wurde 1975 nach ihm benannt.