Walter-Engelmann-Platz
nach Walter Engelmann (1885-1951), Fabrikant, Vorsitzender der Volksbad AG
Walter Engelmann wurde 1885 in Köln geboren. Als Oberrealschüler kam er nach Neustadt, arbeitete später in der Nudelfabrik Mack und heiratete eine der Töchter des Inhabers Jakob Mack. Da Mack vier Töchter hatte, die seinen Betrieb nach seinem Tod 1926 erbten, hatte er bereits 1923 Engelmann und Georg Henrich, einen weiteren Schwiegersohn, zu Teilhabern seines Unternehmens gemacht. Beide leiteten die Nudelfabrik nach Macks Tod gemeinsam.
Schon früh engagierte sich Engelmann im Schwimmsport, nahm bereits 1902 erfolgreich für den SC Neustadt an Wettbewerben teil. 1919 wurde er technischer Leiter des Damen-Schwimmvereins, 1930 in den Aufsichtsrat der Neustadter Volksbad AG gewählt, deren Vorsitzender er ab 1935 war. Das 1898/1899 erbaute Volksbad wurde ihm zu Ehren in Walter-Engelmann-Bad umbenannt.
Vor 1933 war Engelmann Mitglied der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP), für die er auch Mitglied im Neustadter Stadtrat war. Außerdem war er dem Stahlhelm, einen rechtskonservativen, republikfeindlichen Zusammenschluss, beigetreten. Als dessen Mitglieder in die nationalsozialistische Sturmabteilung (SA) überführt wurden, wurde auch Engelmann im August 1933 Mitglied der SA. Allerdings wurde er bereits im Juli 1934 nicht weiter als SA-Mitglied geführt, denn er habe es „an dem nötigen Interesse fehlen lassen“. Auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) war Engelmann bereits bei deren Gründung im April 1932 beigetreten; ab dem 1. Mai 1933 wurde er als NSDAP-Mitglied geführt. Doch auch in der Partei war er inaktiv, weshalb ihm in seinem „Säuberungsprozess“ bescheinigt wurde, dass er ihr nur zur Vermeidung beruflicher Nachteile beigetreten sei.
Seine einzige relevante Position in der NS-Zeit war die des stellvertretenden Obmanns des Fachverbandes Nahrungsmittelindustrie in Neustadt. 1947 wurde er als „Mitläufer“ eingestuft und zu einer Geldbuße von 300 RM verurteilt. Im Herbst 1950 trat Engelmann nach 24 Jahren als Vorsitzender des Neustadter Karnevalsvereins zurück. 1951 kam er bei einem Betriebsunfall in der Nudelfabrik Mack ums Leben.
Nachdem der Badebetrieb im Walter-Engelmann-Bad eingestellt und das Gebäude zu einem Gesundheitszentrum umgebaut worden war, wurde der Bereich davor zu Ehren Engelmanns 1993 Walter-Engelmann-Platz genannt.