Uhrwerke der Stiftskirche Neustadt an der Weinstraße
Frühe Uhrwerke der Stiftskirche
Den ersten Hinweis auf das Vorhandensein eines Uhrwerks in der Stiftskirche zu Neustadt stammt aus dem Jahre 1381. Eine reine Stundenuhr mit einem Schlagwerk, aber ohne Zifferblatt und Zeiger war im Jahre 1473 in der Stiftskirche vorhanden, wie uns der Bericht über die damalige Reinigung vermittelt. In späteren Zeiten wurden diese Arbeiten von Uhrmachern aus der Stadt bzw. der Umgebung übernommen. Die im Kirchturm stehende Uhr des Jahres 1602 war schon eine Viertelstunden-Uhr.
Uhrmacher Johann Jakob Möllinger
Im Jahre 1747 unterbreitete Johann Jakob Möllinger dem Stadtrat von Neustadt seine Vorstellungen von einer neuen Turmuhr für die Stiftskirche. Nach der Beschreibung sollte das Zeigerwerk die Tierkreiszeichen und die Mondphasen darstellen, zudem die Stunden und Viertelstunden sowie die Anbringung eines separaten Zifferblatts zur Anzeige der Viertelstunden. Als die im Jahr 1794 nach Neustadt vorgedrungenen französischen Revolutionstruppen die Glocken und alles Eisenwerk von der Stiftskirche herunterholten, zwangen sie den Sohn Elias Möllinger, mit Hand anzulegen bei der Demontage der berühmten Stiftskirchenturmuhr seines Vaters.
Die Uhrmacher Georg Roth (1756-1836) und Philipp Heinrich Roth
Die verbliebenen Reste der Möllinger-Uhr waren wohl so kläglich, dass eine durchgreifende Reparatur und Aufrüstung vonnöten war. Im November des Jahres 1801 erfolgte eine Ausschreibung für die dazu notwendigen Arbeiten Es handelte sich vor allem um die Erstellung eines neuen Zeigerwerks mit Zifferblatt, die Anfertigung neuer Vorrichtungen zum Aufziehen der Uhr und eine Mechanik für den Hammerschlag an zwei Glocken.
Georg Roth betrieb in Neustadt eine Uhrenfabrikation mit mehreren Gesellen. Er hatte bei der Versteigerung von Arbeiten an der Stiftskirchenuhr im Jahr 1802 und 1820 den Zuschlag erhalten. Nachdem Georg Roth 1836 verstorben war, kümmerte sich sein Sohn Philipp Heinrich, ebenfalls Uhrmacher, um die Turmuhr der Stiftskirche.
Er reichte 1845 einen Kostenvoranschlag für die Reparatur der vorhandenen Turmuhr ein und erhielt den Auftrag. Es handelte sich um eine umfassende Ausbesserung, die sich auf Reparaturen am Gehwerk, beide Schlagwerke und ein neues Zifferblatt erstreckten. Das Schlagwerk wurde eingerichtet für den Hammerschlag auf zwei verschiedene Glocken.
Mechanikus Jean Baptist Schwilgué
Im August 1846 bot der Uhrmacher und Mechaniker Johann Baptist Schwilgué aus Straßburg dem Stadtrat von Neustadt an, eine neue Turmuhr für die Stiftskirche zu erstellen. Dieses Uhrwerk war neben der Anzeige der Uhrzeit an den Zifferblättern am Turm auch vorgesehen für den Stundenschlag und den Viertelstundenschlag der damals vorhandenen zwei Glocken im Südturm. Die Fertigung und Montage verlief sehr zügig, so dass schon am 26. April 1847 die neue Stadtuhr von Schwilgué eingeweiht werden konnte.
Das Uhrwerk von Korfhage und Söhne
Korfhage & Söhne aus Buer bei Osnabrück lieferte 1949 eine zweiteilige neue Turmuhr, die den erweiterten Ansprüchen zur Bedienung der sieben neuen Glocken gerecht wurde. Ein Uhrwerk im vierten Geschoss des Südturms enthielt das Gehwerk und bediente die Bewegung der auf den außen am Turm befindlichen Zeigern an den drei Zifferblättern. Weiterhin war es für die Viertelstundenschläge mittels der fünf Glocken des Südturms zuständig und veranlasste den zeitgerechten Beginn der Schläge der vollen Stunden auf den beiden Nordturmglocken. Ein im Nordturm befindliches Schlagwerk regelte die Stundenschläge der Glocken des Nordturms.
Der Uhrschlag heute – 2025
Im Jahr 1980 legte man das mechanische Korfhage-Uhrwerke still und stellte auf vollelektrischen Betrieb um. Die exakte Uhrzeit wird heute per Funk von einer beim Sender in Mainflingen bei Frankfurt stehenden Caesium-Atomuhr geliefert. Die Viertelstundenschläge werden durch elektrisch betriebene Motoren bei jeder Glocke ausgelöst, geregelt durch eine Automatik. Der Schlag mit dem Hammer von außen auf die Seitenwand der jeweiligen Glocke geschieht wie früher per Seilzug. Das gleiche erfolgt bei den Stundenschlägen mit der Kurfürsten- und der Kaiserglocke im Nordturm. Die Zeiger der inzwischen neu gestalteten und einen Stock höher angebrachten Zifferblätter bewegen kleine Motoren in halber Höhe an den Innenwänden des Glockengeschosses.