Der Goldschatz aus dem Kuby-Hof
Verborgen im "Kuby-Hof"
Im Zuge der Altstadtsanierung wurde von 1985 bis 1995 der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Kuby´sche Hof (heute Steinhäuser Hof) in der Rathausstraße 6 aufwändig saniert. In dem Gebäudetrakt befand sich um 1604 auch das Gasthaus „Zum Löwen“. Am 8. März 1991 wurden dort bei der Erneuerung des Bodenbelages, unter einer Steinplatte verborgen, mehrere Goldmünzen entdeckt.
Dieser außergewöhnliche Fund zählt zu den Prunkstücken des Stadtmuseums in der Villa Böhm und ist dort in der ständigen Schausammlung ausgestellt.
Die Auffindung des Münzschatzes
Bereits die Auffindung der Münzen im Jahr 1991 ist eine spannende Geschichte, wie der damalige Stadtbaudirektor Volker Münch im Rahmen der Jubiläumsausstellung 2025 berichtet:
Mein Amtszimmer im Rathaus war genau gegenüber dem „Kuby-Hof“. Eines Morgens kamen zwei Arbeiter zu mir. Sie hatten mehrere Goldmünzen in der Hand und sagten „wir haben was gefunden“. Ich ging mit ihnen rüber in den „Kuby-Hof“ und sie zeigten mir die Fundstelle unter einer Sandsteinplatte des alten Lehmbodenbelages, der gerade entfernt wurde. In der Rathausstraße stand ein großer Container voll mit Bauschutt.
Ich fragte: „Haben Sie da auch schon von dem Grund rein?“ Dann müssen wir den Container nochmal leer machen, es könnte sein, dass noch mehr Münzen unter dem Schutt sind.
Auf Veranlassung des bauleitenden Architekten Günter Helfrich wurde der gesamte Abraum aus dem Container geholt und Schaufel für Schaufel durchsiebt. In seinem Beisein konnten noch weitere Goldmünzen geborgen werden. Er nahm die Fundstücke direkt in Verwahrung und übergab sie der Stadt.
Der Fund ist der Ehrlichkeit dieser Bauhandwerker zu verdanken – sie hätten´s ja auch einstecken können, meint Volker Münch. Die beiden Arbeiter erhielten damals eine angemessene Belohnung seitens der Stadt.
19 Goldmünzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert
Man fand insgesamt 19 Goldmünzen: drei Gulden der Stadt Metz (um 1550), ein Bamberger Gulden von 1507 und ein Gulden aus Jülich-Berg aus dem Jahr 1608 sowie 14 spanische Dublonen (Doppelescudos).
Die Doppelescudos wurden seit 1566 unter Philipp II. (1527-1598) in Spanien geprägt. Ein Großteil des Goldes, das dort zur Münzprägung verwendet wurde, stammte aus den spanischen Kolonien in der Neuen Welt, aus Mexico und Südamerika. Daher könnten die spanischen Münzen aus dem Gold der Inkas oder Azteken gefertigt sein.
Die Dublone wurde in Europa Anfang des 17. Jahrhunderts mit ca. 4 ½ Gulden bewertet. Der Lohn eines einfachen Söldners während des Dreißigjährigen Krieges betrug im Durchschnitt etwa 4 bis 6 Gulden pro Monat, demnach handelt es sich bei dem kleinen Münzschatz um ein eher bescheidenes Vermögen.
Der Münzhort – Geld versteckt vor 400 Jahren
Hortfunde sind Anhäufungen von Wertgegenständen, die an einem vermeintlich sicheren Ort versteckt wurden, in der Absicht diese später wieder zu bergen. Solche Depots hat man meist in Krisenzeiten angelegt. Wird ein solcher Hort in heutiger Zeit gefunden, war es dem Besitzer nicht mehr möglich, an seine Wertsachen zu gelangen.
Bei einem Münzhort gibt die jüngste Münze den frühesten Zeitpunkt an, an dem der Schatz verborgen worden sein kann. Unter den kaiserlichen Goldgulden ist das die Münze aus Jülich-Berg von 1608. Die 19 Goldmünzen aus dem „Kuby-Hof“ waren jedoch nicht prägefrisch, sondern aufgrund der starken Abnutzung bereits längere Zeit im Umlauf.
Bei den spanischen Prägungen lässt sich wegen des starken Abriebs nur ein Exemplar exakt bestimmen. Diese Münze ist unter Philipp III. (1598-1621) entstanden und trägt die Jahreszahl 1614. Da die Goldmünzen aus dem Königreich Spanien erst im Zuge des Dreißigjährigen Krieges ihren Weg nach Neustadt fanden, stellen diese die jüngsten Münzen aus dem Schatzfund dar.
Neustadt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648)
Im Dreißigjährigen Krieg geriet die Stadt Neustadt trotz Gegenwehr nacheinander in die Hände der Spanier (1622), der Schweden (1631), der Reichstruppen (1635) und der Franzosen (1639 und 1644). Die Neustadter Bürger wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, es kam zu Plünderungen und Gewalt. Zusätzlich dezimierten Hungersnöte und die Pest die Bevölkerung.
IIm Winter 1631 rückten schwedische Truppen auf Neustadt vor, um die seit 1622 in der Stadt anwesenden Spanier zu vertreiben. Die Schweden siegten und die spanischen Besatzer mussten abziehen. Da es sich bei dem Münzschatz mehrheitlich um spanische Prägungen handelt, lässt sich vermuten, dass die Goldmünzen wohl zur Zeit der spanischen Besatzung versteckt wurden.
Wem gehörten einst die Goldmünzen?
Über den einstigen Besitzer der Münzen lässt sich nur spekulieren: Bereits ein halbes Jahr nach ihrer Auffindung 1991 wurden die Goldmünzen in der Schalterhalle der Stadtsparkasse der Öffentlichkeit vorgestellt.
Auf Anregung des damaligen Oberbürgermeister Dieter Ohnesorge riefen die Stadtsparkasse und der Förderverein des Museums einen Wettbewerb aus, sich eine spannende „Schatz-Geschichte“ auszudenken.
War es Kriegsbeute eines spanischen Söldners? Wurde der Münzhort beim Abzug der spanischen Truppen versteckt? Hatte ein Soldat, bevor er ins Gefecht zog, seinen Besitz in Sicherheit gebracht? Oder hatte vielleicht ein Bewohner oder eine Bewohnerin des „Kuby-Hofes“ die Münzen unter der Steinplatte verborgen? Auf jeden Fall war es dieser Person nicht mehr möglich, den Schatz zu bergen. Vielleicht war sie in den Kriegswirren umgekommen.