Die Turmuhr der Neustadter Stiftskirche

Axel Rehe

Eine Zahlungsforderung Jakob Möllingers für den Zeitraum von 1727 bis 1733 an die Stadt Neustadt belegt, dass dieser schon ab dem im Jahr 1727 erfolgten Zuzug nach Neustadt das Aufziehen und die Unterhaltung der vorhandenen Neustadter Kirchturmuhr besorgte.

Aufgrund der häufig anfallenden Überprüfungen mit den entsprechenden Reparaturen gab es Überlegungen der Stadt für die Fertigung eines völlig neuen Uhrwerks.

Im Jahre 1747 unterbreitete Jakob Möllinger dem Stadtrat von Neustadt seine Vorstellungen von einer neuen Turmuhr für die Stiftskirche.

Das neue kunstvolle Uhrwerk wurde im Jahre 1748 im Südturm der Stiftskirche installiert, mit Uhrschlagverbindungen zu zwei Glocken und Vorrichtungen für die Bewegung der Zeiger an den Zifferblättern nach drei Himmelsrichtungen.

Jakob Möllinger war bis zu seinem Ableben im Jahre 1763 verantwortlich für das Aufziehen und die Wartung seiner Turmuhr in der Neustadter Stiftskirche.

Witwe Elisabeth und Sohn Elias

Als Jakob Möllinger nach einem arbeits- und erfolgreichen Leben im 17. Januar 1763 in Neustadt starb, besorgte dessen Witwe zunächst das Aufziehen und die Wartung der Stiftskirchenuhr weiter. Der Betrieb in der Hintergasse wurde von ihr ebenfalls weitergeführt.  Mit der Hilfe der gut eingearbeiteten Gesellen entstanden weiterhin Standuhren, welche die Aufschrift "Jakob Möllinger Wittib Neustadt" trugen. Im Jahr 1785 übergab sie Haus und Werkstatt an ihren jüngsten Sohn Elias. Sie starb am 11. September 1790 in Neustadt. Elias fertigte weiterhin Standuhren.

In den letzten Jahren seines Lebens hatte Elias Möllinger unter den Folgen der französischen Revolution zu leiden. Das Geschäft mit den Standuhren ebbte ab. Als die im Jahr 1794 nach Neustadt vorgedrungenen französischen Revolutionstruppen die Glocken und alles Eisenwerk von der Stiftskirche herunterholten, zwangen sie ihn, mit Hand anzulegen bei der Demontage der berühmten Stiftskirchenturmuhr seines Vaters. In ärmlichen Verhältnissen verstarb Elias Möllinger im Jahr 1799 in Neustadt. Seine Witwe Susanne geb. Berchthodt, (eine Schwester des Ehemanns der Jakob Möllinger-Tochter Judith) führte das Uhrengeschäft noch bis 1805, verkaufte es dann an ihren Bruder Friedrich Berchthold.