Neustadt - Der pfälzische Verkehrsknotenpunkt

Werner Schreiner

Die Lage der Stadt am Rande des auch Vogesen genannten Haardtgebirges prägte die Entwicklung der Straßen und Wege: Von Neustadt in Richtung Oggersheim führte eine Straße in die Rheinebene, entlang des Gebirges ging es in Richtung Straßburg/Strasbourg. Die Wege durch das Hochspeyerbachtal in Richtung Westen waren kaum ausgebaut.

Seit 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern; die ersten Überlegungen zum Bau von Eisenbahnen ließen das linksrheinische Rheinufer außen vor.  Lediglich eine Linie Mainz – Straßburg kam aus historischen Gründen ins Gespräch. Dafür rückten Überlegungen die Kohlegruben des preußischen Saarbereiches und der Westpfalz per Bahn an den Rhein und seine Transportmöglichkeiten anzuschließen in den Vordergrund. Natürlich wollten Landau, Dürkheim und Neustadt sowie insbesondere die Kreishauptstadt Speyer an diese West-Ost-Linie angeschlossen werden.

Die Untersuchungen der Fachleute, Geländeverhältnisse und Wasserläufe berücksichtigend, schlugen letztlich der Staatsregierung in München eine Trasse von der Saar über Homburg und Kaiserslautern durch das Neustadter Tal vor. Von Neustadt aus sollte die Bahn direkt zur Rheinschanze führen – die Kreishauptstadt Speyer erhielt einen Zweiganschluss von Schifferstadt aus.

Rund 3 Jahre dauerten die Bauarbeiten, bei denen erstmals in deutschen Landen ein Mittelgebirge und eine Wasserscheide durch den Bau von 12 Tunneln durchquert wurden. Der zuständige Bauingenieur Paul Camille Denis konnte, nachdem sich nicht genügend Firmen für die Bauarbeiten fanden, einen großen Teil der Arbeiten in Eigenregie durchführen lassen, wobei die Fürsorge für die Arbeitskräfte, nämlich Versorgung und Unterkunft ihm am Herzen lagen.

Noch waren die Arbeiten an der Pfälzischen Ludwigsbahn nicht abgeschlossen, als Denis – später Baudirektor aller pfälzischen Bahnen – von Neustadt aus das nächste Projekt organisatorisch in Angriff nahm, den Bau einer Eisenbahn von Neustadt nach Straßburg. Die Revolutionen von 1848/49 und der Staatsstreich in Frankreich von 1851 verzögerten insgesamt den Baustart für diese später "Maximiliansbahn" genannte Strecke, die am 26. November 1855 durchgehend in Betrieb ging. Von Mainz kommend fuhren die Züge durch die Pfalz ins Elsass und später weiter in die Schweiz und nach Italien.

Um diesen Nord-Süd-Reiseweg zu sichern, suchte die Pfälzische Bahndirektion von Hochspeyer aus via des Alsenztales einen Anschluss an die im Rheintal verlaufende Bahn, was auch gelang. Es entstanden europäische Verbindungen von Holland nach Italien. Neustadt war Teil des europäischen Fernverkehrs. Aus dieser Epoche stammt auch das Gebäude des Neustadter Hauptbahnhofes. Am 6. Mai 1865 wurde die lokale Linie von Neustadt nach Dürkheim in Betrieb genommen. Neustadt wurde zum Verkehrsknotenpunkt. Die Weiterführung dieser Linie via Rheinhessen bis ins Rheintal nach Bingen konnte ihr keinen Bedeutungszuwachs bringen.  Sie blieb von regionaler Bedeutung. Paul Camille von Denis konnte noch den Brückenschlag der Ludwigsbahn ins badische Mannheim vorbereiten.

Neustadt entwickelte sich durch den Bau des Gäubähnels (Betrieb ab 1905/08) nach Speyer und der Oberlandbahn (Betrieb 1912) nach Landau sowie durch den seit 1925 durch private Unternehmer eingeführten Busverkehr zu einem herausragenden Verkehrsknoten. Die Attraktivität ist durch den 1994 eingeführten Rheinland-Pfalz-Takt und den Bau des Haltepunktes Neustadt-Böbig (1974/1995) weiter gestiegen. Die 2024 eingeführten Buslinien haben diese Knotenfunktion weiter gestärkt.  Die Pfälzische Ludwigsbahn bildet auch heute noch das Rückgrat des regionalen Verkehrsangebotes und ist Teil der Fernverkehrslinie von Frankfurt nach Paris (POS-Nord).

Autor: Stadtarchiv