Rudolf von Habsburg
Pirmin Spieß
Rudolf von Habsburg (1273-1291) war ein armer Graf, der sich nach seiner Burg benannte: Habsburg – die Burg liegt im Aargau/Schweiz. Sieben Kurfürsten bildeten die Königswähler und wählten am 1. Oktober 1273 Rudolf in Frankfurt einmütig zum Reichsoberhaupt: die drei rheinischen Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.
Am 24. Oktober krönte der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg Rudolf zusammen mit seiner ersten Frau Getrud von Hohenberg wie herkömmlich in Aachen zum König.
Rudolfs Landfriedenbemühungen, der Kampf mit Ottokar von Böhmen, insbesondere aber die Rückgewinnung (Revindikation) entfremdeten Reichsgutes, charakterisieren seine Regierungspolitik. Früh erkannte er dabei die Virulenz der Städte als neue politische Kraft. Als erster König nahm er ein Darlehen bei einem Bürger auf. Kaum eine Stadt unserer Region gibt es, die er nicht mit Stadtrecht begabt hat.
Allein 3 Dynastien bestimmen von 1273 bis 1806 die deutsche Politik: die Familie der Habsburger, die Familie der Luxemburger und die Familie der Wittelsbacher.
Eine feste Residenz bildet sich später erst mit Wien heraus. Davor zog der König/Kaiser mit seinem Tross aus Bediensteten, Amtsinhabern und Kanzlei von Ort zu Ort, von Zeltlager zu Zeltlager. Am 6. April 1275 „residiert“ er bei Weißenburg. Eine vergleichbare Urkunde ist ausgestellt "in campo Weißenburg", im Feldlager bei Weißenburg. Weißenburg selbst und Hagenau privilegiert Rudolf am 12. April 1275 in Hagenau.
Rudolf war zweimal verheiratet: Mit Gertrud von Hohenberg (1225-1281) – aus dieser Ehe gingen 6 Töchter und 4 Söhne hervor, in zweiter Ehe mit Isabella von Burgund (*um 1270-um 1323) (Königin 1284-1291), auch Elisabeth oder Agnes genannt.
Die politischen Verbindungen im 13. Jahrhundert waren mehr verwandtschaftlich bezogen und begründet. Bereits am Krönungstag in Aachen veranstaltete der König eine Doppelhochzeit. Seine etwa 20jährige Tochter Mathilde (um 1254-1304) wurde mit dem Pfalzgrafen bei Rhein und Herzog von Oberbayern, Ludwig II., vermählt – einem seiner wichtigsten Wähler. Katharina (*um 1256-1282) heiratete um 1279 Herzog Otto von Niederbayern, den späteren König von Ungarn. Seine Tochter Agnes (vordem Gertrud) (1267-1322) schloss die Ehe mit Herzog Albrecht II. von Sachsen.
Sämtliche Königswähler wurden seine Schwiegersöhne. Hedwig (*1260-1303) heiratete den Askanier Otto VI.: Markgräfin von Brandenburg, Clementia (*1262-1293) war mit Karl Martell verheiratet, dem Titularkönig von Ungarn. Guda (1271-1297) wurde mit Wenzel II., dem Nachfolger des böhmischen Königs Ottokar, verehelicht. Die 4 Königssöhne waren Albrecht I. (*1255) (König 1298-1308), Hartmann (*vielleicht um 1263-1281), Rudolf II. (*1270-1290) und Karl (*/+1276).
Mit 73 Jahren, im Frühsommer 1291, verschlechterte sich des Königs Gesundheitszustand – er litt an Gicht (Hände) und Arthrose im Bereich der Hüftgelenke. In Vorahnung seines Todes verabschiedete er sich von den Bürgern Straßburgs, zog im Juni über Hagenau nach Germersheim, von dort mit einer kleinen Schar nach Speyer, „wo mehr meiner Vorfahren sind, die auch Könige waren“ und starb am Tag nach seiner Ankunft am 15. Juli 1291.
Ein populärer König soll Rudolf gewesen sein, was die folgende Anekdote belegt: Als sich ein Mann bei ihm beschwerte, er könne wegen der langen Nase des Königs nicht an diesem vorbeigehen, habe Rudolf lachend seine Adlernase mit der Hand auf die andere Seite gedrückt und den Witzbold aufgefordert, nun vorbeizugehen!