Das Strafgericht vom 30. Juni 1525
Berthold Schnabel
Der 30. Juni und 1. Juli 1525, zwei dunkle Tage in Neustadts Geschichte
Im Nachhinein besehen, war der Vertrag von Forst das Pergament nicht wert, auf dem er geschrieben wurde: Die Bauernhaufen lösten sich nicht auf, sondern unternahmen weitere Plünderungszüge, an denen sich auch ein Aufgebot der Stadt Neustadt beteiligte, und Kurfürst Ludwig V. rüstete für eine Strafaktion gegen die Bauern.
Er stützte sich dabei auf die 1522 gegen Franz von Sickingen gebildete Koalition zwischen ihm, dem Trierer Erzbischof Richard von Greiffenklau und dem Landgrafen Philipp von Hessen. Als Philipp Mitte Mai gegen die Bauern um Thomas Münzer zu Feld zog, waren die beiden Kurfürsten noch mit der Rüstung gegen die Bauern beschäftigt. Doch am 23. Mai verließ dann ein Heer von 1300 Reitern und 4500 Fußsoldaten mit Artillerie und Tross, darunter auch ein von Neustadt gestellter Reißwagen, die Residenzstadt Heidelberg.
Im nächsten Monat schlug es den Aufstand im Kraichgau, Neckartal, Taubergrund sowie um Würzburg nieder und stand am 23. Juni bei Pfeddersheim dem Aufgebot der Pfälzer Bauern gegenüber. Die Schlacht, die dort am Nachmittag dieses Tages stattfand, war eher ein Schlachten. Sie kostete bald 5000 Bauern das Leben, während der Sieger einen Toten zu beklagen hatte.
Dem Schlachten folgte das Strafgericht, dem nahezu 60 Männer, in denen die Sieger Urheber der „vffruhr“ sahen, zum Opfer fielen. Am 29. Juni brach das Heer nach Süden auf. Sein Ziel war die Reichsstadt Weißenburg, mit der die Pfälzer Kurfürsten seit dem sogenannten Weißenburger Krieg (1470/71) noch ein „Hühnchen zu rupfen“ hatten, aber auch die Bestrafung von Freinsheim und Neustadt.
Am 30. Juni erschien das kurfürstliche Heer vor Neustadt das sich dem Kurfürsten Ludwig V. auf „Gnad oder Ungnad“ ergeben musste. An diesem oder dem folgenden Tag wurden auf dem Markt acht oder zehn Männer aus der Stadt, dazu eine nicht bekannte Zahl aus den um sie gelegenen kurpfälzischen Dörfern geköpft. Die Bürgerschaft hatte 3000 Gulden, die beiden Bürgermeister und neun Ratsmitglieder zusammen 1000 Gulden zu zahlen.
Zum Schicksal wurde Neustadt für Wendel Hipler (1465-1526), einen der bedeutendsten Bauernführer Südwestdeutschlands. Zunächst in hohenlohischen Diensten, die er im Streit quittierte, berief ihn 1521 Kurfürst Ludwig V. zum Landschreiber des Oberamtes Neustadt. Doch gab er dieses Amt zwei Jahre später wieder auf und zog nach Wimpfen am Neckar, woher seine Frau stammte. Im Frühjahr 1525 wurde er Kanzler des Odenwälder Bauernhaufens und als solcher Initiator des Bauernparlaments, das am 12. Mai in Heilbronn tagte, um über eine Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung im „Heilligen Römischen Reich Deutscher Nation“ zu beraten. Doch dies verhinderte die am gleichen Tag erfolgte Niederlage der Bauern bei Böblingen. Nachdem Scheitern der Erhebung tauchte Hipler unter, wurde aber 1526 bei einem Besuch in Neustadt erkannt, verhaftet und nach Heidelberg verbracht. Dort starb er noch im gleichen Jahr.