Der Forster Vertrag
Berthold Schnabel
Wie Neustadt dafür sorgte, dass Kurfürst Ludwig V. den Ehrennamen der "Friedfertige“ erhielt.
Zunächst zur Situation an der mittleren Haardt am Sonntag Jubilate:
Zum Ersten.
Am Speyerbach schworen die Neustadter Bürger zum Geilweiler Haufen, und an der Isenach die von Dürkheim zum Bockenheimer Haufen. Dieser trug seinen Namen nach dem Dorf – ob Klein oder Großbockenheim ist nicht bekannt -wo sich am 29. April Bauern zusammengerottet und die Klosterhöfe geplündert hatten. Sie waren dann durch die nördliche Vorderpfalz und das südliche Rheinhessen gezogen und hatten dabei die Frauenklöster Liebenau und Himmelkron bei Worms geplündert. Schließlich marschierte der Bockenheimer Haufen nach einem verlustreichen Treffen mit kurpfälzischen Truppen bei Westhofen nach Süden an die mittlere Haardt, wohl auch in der Absicht, mit dem Geilweiler Haufen Kontakt aufzunehmen.
Zum Zweiten.
Kurfürst Ludwig V. als der mächtigste der von der "vffruhr" der Pfälzer Bauern betroffenen Landesherrn, bemühte sich zwar seit März, ein Heer aufzustellen, verfügte aber Anfang Mai immer noch nicht über ausreichende Truppen, um gegen die Erhebung des „Gemeinen Mannes“ gewaltsam vorgehen zu können.
Zum Dritten.
Neustadt war zwar von den Bauern besetzt und hatte auch zu ihnen geschworen, doch der Kontakt zum Landesherrn in Heidelberg bestand weiterhin. Der Ablauf der folgenden Ereignisse legt es sogar nahe, dass der Abschluss eines Vertrags zwischen dem Pfälzer Kurfürsten und den Bauern Bestandteil der Übergabe der Stadt gewesen ist.
Bei solchen Voraussetzungen lässt Peter Harer dann doch der Bürgerschaft von Neustadt Gerechtigkeit widerfahren, wenn er schreibt „der durchleuchtigst, hochgeborn Furst, mein gnedigster Her Pfalzgrave Ludwig, Churfürst“, hat sich, angeregt „durch die Burgerschaft zu Newenstat, onangesehen irs Abfals“, verpflichtet gefühlt, „bey dem Haufen zu Wintzingen umb gutlich Gesprech und Handlung anzusuchen“ und darin auch die Hauptleute des Bockenheimer Haufens einbezogen.
Bereits am 8. Mai ging ein entsprechendes Schreiben von Neustadt nach Heidelberg, das der Kurfürst am folgenden Tag in Händen hielt. Daraufhin teilte er den Hauptleuten der beiden Haufen, die ihm das notwendige Geleit zugesichert hatten, mit, er werde sie, wie vorgeschlagen, am 10. Mai bei Forst treffen.
Das geschah dann auch „des Morgens zur rechten Tagzeit“, als Kurfürst Ludwig V. „in aygner Person samt irer Gnaden Reten, doch nit sterker dann mit 30 Pferden bey Forst, dem dorf im Feld“ erschien. Seinen Schutz hatte wunschgemäß ein Aufgebot der Neustadter Bürgerschaft übernommen. Kaum hatten die Verhandlungen begonnen, da erschienen die beiden Haufen – zusammen etwa 8000 Mann – mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel. Es war dies eine Machtdemonstration, die dem Kurfürsten wohl seine Machtlosigkeit vor Augen führen und so den Gang der Verhandlungen zu Gunsten der Bauern beeinflussen sollte.
Nach „langer Handlung“ kam ein Vertrag zustande, der am folgenden Tag in Neustadt bei einem erneuten Treffen des Kurfürsten mit den Hauptleuten der beiden Haufen zu Pergament gebracht wurde: Ludwig V. sagt den Bauern für ihre bisher begangenen Übergriffe Straffreiheit zu und beruft auf Donnerstag nach Pfingsten, dem 8. Juni, einen Landtag ein, auf dem die Beschwerden des „Gemeinen Mannes“ behandelt werden. Die Bauern ihrerseits versprechen, nach Hause zu gehen, sich ruhig zu verhalten und den Landtag abzuwarten.