Die Instrumente der Macht
Stefan Schaupp
Zur Sicherung ihrer Macht und zur Abschreckung begannen die Nationalsozialisten damit, politische Gegner in sogenannte Schutzhaft zu nehmen. Die Anfang März 1933 in Neustadt Verhafteten kamen entweder ins Gefängnis des Amtsgerichtes oder in das frühe Konzentrationslager, das seit 10. März 1933 in der Turenne-Kaserne am südlichen Stadtrand errichtet worden war und bis zum 13. April existierte. In den ersten fünf Tagen wurden rund 80 Personen eingeliefert. Eine Verfügung der Regierung der Pfalz vom 14. März beinhaltete, dass alle Schutzhäftlinge in der Pfalz in das Neustadter Lager zu bringen waren. Damit stieg die Zahl der Inhaftierten bis Ende März auf über 300 und das Lager war überfüllt.
Die Bewachung des Lagers hatten circa 220 SS- und SA-Männer übernommen, die eine Ausbildung zu Hilfspolizisten absolvierten. Sie waren auch verantwortlich für die an den Gefangenen verübten Misshandlungen und Gewalttaten. In den ersten Apriltagen begann die Auflösung des Lagers. Von den zu diesem Zeitpunkt noch inhaftierten 280 Männern wurde die Hälfte entlassen, die andere Hälfte in Gefängnisse verlegt.
Die meisten Gefangenen entstammten der KPD und SPD, einige auch dem Zentrum oder der BVP. Hinzu kamen Gefangene, die teils angeblich, teils tatsächlich die Separatisten unterstützt hatten, sowie circa 50 Juden. Gerade die letzten beiden Gruppen erlebten besonders brutale Gewalttätigkeiten und Demütigungen. Für alle Gefangenen galt, unmittelbar nach der Einweisung das „Horst-Wessel-Lied“ auswendig zu lernen und zweimal am Tag auf dem Gelände der Kaserne zu exerzieren, ferner mussten sie immer wieder den „Hitlergruß“ zeigen. Mitte März hatten die Grausamkeiten gegen die Gefangenen einen Höhepunkt erreicht. Nach schweren Schlägen bis zur Bewusstlosigkeit und der Androhung weiterer Gewalt sprang am Abend des 16. März 1933 der Häftling Hermann Zahm, ein Mitglied des Reichsbanners, aus dem dritten Stock der Kaserne. Dabei verletzte er sich schwer und wurde ins Neustadter Krankenhaus gebracht.
Die regionale Presse hatte einen ganz eigenen Blick auf die Ereignisse im Lager. Laut einem Bericht der Pirmasenser Zeitung bekämen die Häftlinge „Vorträge im Lager, man gibt ihnen gute Zeitungen, man verschafft ihnen Bewegung in frischer und gesunder Luft – und sie lernen wieder Ordnung und Disziplin, die Grundpfeiler des neuen Staates“.
Die „Etablierung der NS-Diktatur“, so die Historikerin Miriam Breß, war „ohne das Zwangsmittel der Schutzhaft nicht zu denken“. Dazu hat das frühe Konzentrationslager Neustadt beigetragen und erfüllte somit seinen Zweck.