Die Sicherung der Macht

Stefan Schaupp

Am 27. Februar 1933 verhöhnte die NSZ-Rheinfront ihre politischen Gegner mit den Worten: „… wo war denn nun das „andere“ Neustadt? … Es gibt von heute ab nur noch ein nationalsozialistisches Neustadt!“. Zum Leidwesen der anderen behielt die Zeitung recht. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 wählten in Neustadt 53 % NSDAP, 15 % Zentrum/BVP, 14 % SPD und 10 % KPD. Das „andere“ Neustadt verschwand nun schnell und weitgehend geräuschlos.

Am 10. und 11. März 1933 wurden circa 200 politische Gegner verhaftet, die meisten von ihnen waren Sozialdemokraten und Kommunisten. Anfang April erging ein Verbot gegen 18 angeblich „marxistische Organisationen“, darunter der Volkschor und die Naturfreunde. Am 12. Mai 1933 löste sich die SPD in Neustadt auf, ihre Stadträte traten zurück, die des Zentrums und der BVP folgten Ende Juni. Am 23. Juni 1933 zogen SA-Männer die Fahne des Neustadter SPD-Ortsvereins johlend hinter sich her und verbrannten sie an der Ecke Goethestraße/Landauer Straße. Die Demokratie war nur noch ein Häuflein Asche.

Am 15. Mai 1933 berichte der Pfälzische Kurier, dass 3000 HJ-Mitglieder auf dem Neustadter Marktplatz eine Verbrennung „marxistischer und anderer undeutscher und jugendvergiftender Bücher, Zeitschriften und Zeitungen“ vorgenommen habe. Zu diesem Zeitpunkt hieß der Marktplatz schon „Adolf-Hitler-Platz“. In seiner konstituierenden Sitzung hatte der Stadtrat am 27. April die Umbenennung beschlossen und auch die Poststraße in „Josef-Bürckel-Straße“ umbenannt. Bürckel, Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg wurden außerdem zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt.

Großes Augenmerk richteten die neuen Machthaber auf die Erziehung der Jugend und ihre Infiltration mit der Ideologie des Nationalsozialismus. Am Humanistischen Gymnasium begann das Schuljahr 1933/34 mit einer Unterweisung der Schüler zur „Bedeutung und Größe des historischen Geschehens der nationalen Revolution“, an der Oberrealschule drehten sich die Aufsatzthemen unter anderem um die Frage, warum „sich die deutsche Jugend zur nationalsozialistischen Bewegung hingezogen“ fühlt und am Mädchen-Lyzeum mussten sich die Eingangsklassen mit der Lektüre des Werkes „Deutsche Jugend – Dein Führer“ beschäftigen.

Im Bereich der Kultur galt es, die ideologisch belastete Idee der Volksgemeinschaft zu transportieren. Chöre sollten bei ihren Darbietungen „die Fülle des völkischen Geschehens der Gegenwart in Stadt und Land“ berücksichtigen, wie es die NSZ-Rheinfront formulierte.

Auch das Wirtschaftsleben konnte sich den neuen Machthabern nicht entziehen. Der 1. Mai wurde zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ umbenannt und schon 1933 in Neustadt entsprechend begangen, und zwar als „Abbild der künftigen deutschen Volksgemeinschaft“.

Autor: Stadtarchiv