Der Verein für Fraueninteressen in Neustadt an der Haardt

Hiltrud Funk

„Förderung und Hebung des weiblichen Geschlechts in geistiger, sittlicher und wirtschaftlicher Beziehung“

Bereits 1899 wurde der Pfälzische Verein für Fraueninteressen von Klara Lang aus Zweibrücken nach dem Vorbild des Münchner Vereins gegründet. Sie beklagte die mühsame und härtere Arbeit der Überzeugungsarbeit in den ländlichen Gebieten im Gegensatz zu der in den Städten. 1907 bestand der Zusammenschluss jedoch aus elf Ortsgruppen.

Sechzig Damen der gehobenen Neustadter Gesellschaft gründeten am 23.3.1900 den Verein für Fraueninteresse. Dieser unterschied sich deutlich von den konservativeren Frauenvereinigungen, die ausschließlich karitative Zwecke verfolgten. Der Verein wurde lange Jahre von Emma Geisel-Abresch (1844-1905) geleitet, einer demokratisch gesinnten Familie entstammend. Der Vater, Johann Philipp Abresch, war der Fahnenträger auf dem Hambacher Fest 1832. Der Verein wendete sich gegen die traditionelle Rollenverteilung und forderte und unterstützte eine Aufwertung der Familienarbeit, aber auch der Erwerbstätigkeit von Frauen. Die politische Gleichberechtigung zu verlangen, kam erst später in den Fokus.

Vielfältig waren die Angebote des Neustadter Vereins für Fraueninteressen, die sich auch an Proletarierinnen wendeten. Flick- und Nähschulen, Handels- und Stenografiekurse - letztere durchaus umstritten in der männlichen Geschäftswelt - aber auch zahlreiche Vorträge gehörten dazu. Ein Vortrag beschäftigte sich z.B. mit der rechtlichen Stellung der Frau.

Herauszuheben sind die Wohltätigkeitbasare. So fand 1901 im Saalbau eine Veranstaltung zugunsten der Errichtung eines Pfälzischen Lehrerinnenhauses und einer Volkskochschule mit der stolzen Einnahme von rund 19.000 Mark statt. Diese Vorhaben wurden auch realisiert. Noch umfangreicher und auch mit Unterstützung der Neustadter Geschäftswelt gestaltete sich „Die Ausstellung pfälzische Frauenarbeit“ 1903 im Saalbau, maßgeblich von Emma Geisel-Abresch und den Neustadter Frauen organisiert. Klara Lang betonte in ihrer Eröffnungsrede, „daß man es ernst meint mit der Berufstätigkeit und sie [die Frauen] zur tüchtigen Erfüllung dieser neuen Aufgaben vollwertig ausrüstet.“ Unter der Nachfolgerin von Emma Geisel-Abresch, ihrer Nichte Eugenie Abresch (1865-1955) ab 1905, prosperierte der Verein weiter. Der Verein erreichte 1910/11 eine Mädchenfortbildungsschule mit dem Ziel, eine gute Ausbildung zu erhalten.

Das Vermögen des Vereins war beträchtlich und zeugt von der erfolgreichen Akquise von Spenden und Verkäufen. Er verfügte über Besitz, so in der Landschreibereistraße 8, in der sich auch die Koch- und Haushaltschule befand.

Der Verein musste jedoch gegen 1931 über mangelnde Nachfrage klagen, die Kosten stiegen gewaltig und es ließ sich für die gealterte Eugenie Abresch keine Nachfolgerin finden. Nachdem die Stadt kein Interesse zeigte, obwohl der Verein die Volksküche betrieb, übernahm der Evangelische Frauenbund Wohnhaus und Vermögen des Vereins. Eugenie Abresch war eine der ersten Stadträtinnen Neustadts und wurde als Frauenrechtlerin mit einem Straßennamen geehrt.

Autor: Stadtarchiv