Die Uhrmacherdynastie Möllinger

Annette Mayer-Jonzek

Die Geschichte führt in Neustadts malerische Altstadt, in die Hintergasse 26. In diesem bis heute erhaltenen barocken Anwesen befand sich ab 1727 die Werkstatt des Uhrmachers Johann Jacob Möllinger. Die hier entstandenen Uhren erfreuten sich bald großer Beliebtheit und gelangten sogar bis nach Amerika.

Johann Jacob Möllinger wurde als ältester Sohn von Vincenz Möllinger (1668-1748) und seiner Ehefrau Veronika (1674-1753) am 4. Dezember 1695 in Düren bei Sinsheim geboren und hatte drei Brüder und drei Schwestern. Auch sein Bruder Joseph, geboren am 7. November 1715 in Eppstein, arbeitete zeitweise in Neustadt als Uhrmacher, später war er Hofuhrmacher, Mechaniker, Klavierbauer und Münzmeister des Herzogs Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken.

Das Uhrmacherhandwerk erlernte Johann Jacob in Frankenthal. Er ließ sich 1721 nach Heirat mit Margaretha Würtz in der Mennonitengemeinde auf dem Branchweilerhof in Neustadt nieder. 1727 erwarb er besagtes Anwesen in der Hintergasse. Trotz der damals üblichen Restriktionen für Mennoniten erhielt er eine Sondergenehmigung zur Ausübung seines Handwerks.

Johann Jacob war zweimal verheiratet. Aus diesen Ehen gingen acht Söhne und eine Tochter hervor – sechs der Söhne erlernten ebenfalls das Uhrmacherhandwerk. Johann Jacob starb am 17. Januar 1763, seine zweite Frau führte das Geschäft bis 1787 weiter und übergab es dann ihrem Sohn Elias. Zwischen 1763 und 1787 signierte Elisabeth die Uhren mit „Jacob Möllinger Wittib“ ("Witwe").

In seiner Neustadter Werkstatt beschäftigte Möllinger bis zu zehn Gesellen. Er bildete mehrere bedeutende Uhrmacher aus, darunter Friedrich-Carl Möllinger, der später Stadtuhrmacher in Frankfurt wurde.

Aus Möllingers Werkstatt stammen mehrere Turmuhren, darunter die des Altpörtels in Speyer, der Dreifaltigkeitskirche in Worms, der Georgskirche in Wachenheim und die des Schwetzinger Schlosses, letztere im Jahre 1763. Außerdem war Möllinger Hofuhrmacher des Kurfürsten Carl Theodor. Eine von ihm gefertigte Bodenstanduhr mit Glockenspielwerk zählte zum Besitz des Kurfürsten und befindet sich heute im Mannheimer Schloss.

Der drittgeborene Sohn, Johannes (1739-1815), arbeitete als Hofuhrmacher im Dienste des Grafen von Wartenberg in Fischbach bei Hochspeyer. Davor betrieb er eine Uhrenhandlung in der Metzgergasse in Neustadt.

Der jüngste Sohn Elias (1754-1799) übernahm die Werkstatt seines Vaters von dessen Witwe. Während der Revolutionskriege zwangen ihn französische Truppen, die Turmuhr der Neustadter Stiftskirche, die einst sein Vater gefertigt hatte, abzubauen.

Christian (1754-1826), der Zwillingsbruder von Elias, war Oberhofuhrmacher des preußischen Königs und gründete 1780 in Berlin eine eigene Uhrenmanufaktur, in der er allerlei Arten von Uhren herstellte. Besonders nennenswert ist seine Akademie-Uhr von 1787. Heinrich Heine fand in seinen Berliner Briefen diese Uhr an der Akademie der Wissenschaften erwähnenswert, denn es war die einzige genau gehende Uhr von ganz Berlin.

Autor: Stadtarchiv