Casimirianum und seine Professoren
Michael Landgraf
Einen ehemals gotischen Klosterbau mit Kapelle (Vorbau) ließ Pfalzgraf Johann Casimir 1578 im Stil der Renaissance zur reformierten Hochschule umbauen. Am repräsentative Treppenhaus (Wendelstein) ist der Nachguss einer Widmungstafel mit kurpfälzischem Wappen angebracht. Über der Sandsteintür, datiert auf das Jahr 1579, steht der lateinischen Wahlspruch der Hochschule DEO ET MUSIS SACRUM, übersetzt: „Gott und den Künsten bzw. den Wissenschaften geweiht.“
Gelehrt wurde Theologie, Medizin, Jura und Sprachen. Aus reformierten Territorien im Reich sowie aus den Niederlanden, Schottland und Ungarn kamen Studenten hierher. Leiter war der Neustadter Superintendent (Dekan) Daniel Tossanus.
Berühmtester Professor war der Reformator Zacharias Ursinus (1534-1583). In Breslau aufgewachsen, studierte er in Wittenberg bei Philipp Melanchthon und in Genf bei Johannes Calvin. Als reformierter Theologe kam er an den Hof Kurfürst Friedrich III. und schuf 1563 als Hauptautor den Heidelberger Katechismus. Er wechselte mit den anderen Professoren nach dem Tod Friedrichs III. ans Casimirianum und hielt Vorlesungen über die Bibel sowie über seinen Katechismus. Als Lutheraner sich 1577 zusammenschlossen, rief er zur Einheit der Protestanten auf. Ursinus wurde 1583 in der Neustadter Stiftskirche beigesetzt. Sein Katechismus wurde auf der Synode von Dordrecht 1619 Glaubensgrundlage reformierter Kirchen.
Wichtig für die Demokratiegeschichte der Stadt ist Franz Junius, der Ältere (1545-1602). Er vermittelte hier die frühe Form einer demokratischen Gemeindeordnung, das „presbyterial-synodale System.“ Demnach leitet das gewählte Presbyterium (Ältestenrat) die Geschicke der Gemeinde. Dieses System entwickelte er später als Professor an der ersten niederländischen Universität in Leiden weiter fort. Der aus Oberitalien stammende Hieronymus Zanchi (1516-1590) lehrte Hebräisch und Altes Testament.
Johann Piscator (1546-1625) begann hier eine urtextnahe Bibelübersetzung, die er ab 1602 als Professor in Herborn veröffentlichte. Simon Stenius, Lambert Ludolph Pitopäus sowie Hermann Witekind lehrten Philosophie und Henricus Smetius Medizin. Bedeutend ist auch das am Casimirianum entstandene erste Arabisch-Wörterbuch, das Alphabetum arabicum von Jacob Christmann (1554-1613).
Nach dem Tod Ludwigs VI. im Jahr 1583 endete die Zeit der Hochschule. 1585 bis 1880 war das Gebäude die Lateinschule und Gymnasium der Stadt. Heute gehört es der protestantischen Kirchengemeinde und wird als Gemeindehaus sowie für Kulturveranstaltungen genutzt.