Neustadt unter Friedrich III. und Johann Casimir
Michael Landgraf
Neustadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war eine bedeutende Oberamtsstadt, mit einem Stadtschreiber als städtischen und einem Landschreiber als fürstlichen Verwaltungsbeamten.
Im September 1554 wurde mit Jörg Schoner (oder Schöner) ein evangelischer „Pfarrer und Prädikant“ eingesetzt, laut zweier Verträge mit Kurfürst Friedrich II. auf „untertänigstes fleißiges Ansuchen der Gemeinde“. Diese Predigtstelle wurde bei der Neuordnung des Kollegiatstifts 1468 errichtet und vom Kurfürsten verliehen. Die Stiftskirche wurde der reformierten Gemeinde übergeben und das Kollegiatstift sukzessive durch Kurfürst Friedrich III. aufgelöst. Der letzte Dekan des Stifts, Laurentius Kercher, starb 1561. Allerdings lebten 1582 noch Versorgungsempfänger des Stifts, was Johann Casimir mit Verbitterung im Blick auf die Kosten anmerkte.
TiBilder, Statuen, Reliquien, Altäre, Taufbecken und Kerzen wurden, wie die liturgischen Geräte, aus der Stiftskirche entfernt. Die kurpfälzische Kirchen- und Schulordnung von 1563 sah Schulbildung für alle Landeskinder sowie mehr Mitspracherecht für Gemeindeglieder vor. Daher wurde das Schulwesen in Neustadt ausgebaut. 1568 setzte man ein Presbyterium als Kirchengemeinderat ein, dem neben dem Pfarrer auch der Stiftsschaffner Bernhard Meister und Junker Hans von Flörsheim von der Burg Winzingen angehörte. Ein Konsistorium, das über die kirchliche Ordnung und das bürgerliche Leben der Stadt wachte, trat seit 1570 wöchentlich zusammen und war zusammengesetzt aus dem Superintendenten (Dekan), dem Pfarrer und dem Diakon, einem Vertreter der Schule, zwei Ratsmitgliedern und vier Personen aus der Bürgerschaft. Für Jugendliche und Erwachsene gab es Katechismusunterweisung im „Pfälzer Katechismus“, der erst im 19. Jahrhundert in „Heidelberger Katechismus“ umbenannt wurde. Dessen Kenntnis galt zeitweise als Kriterium für die Aufnahme als Bürger.
Prägend war in dieser Zeit Daniel Tossanus (Toussaint), der 1577–1584 erster reformierter Superintendent (Dekan) von Neustadt war. Der aus Frankreich stammende Pfarrer war reformierter Hugenotte, kam als Flüchtling an den Heidelberger Hof und war unter Kurfürst Friedrich III. Hofprediger. Johann Casimir holte ihn nach Neustadt, von wo aus er auch die französischsprachige Gemeinde der Wallonen in Lambrecht versorgte. Er leitete die Hochschule Casimirianum und kehrte 1586 an die Heidelberger Fakultät zurück, wo er Professor und schließlich Rektor der Universität wurde.