Die Winzer und das Hambacher Fest
Kristian Buchna
Für das leibliche Wohl und die Geselligkeit war beim Hambacher Fest reichlich gesorgt. Dies lässt sich bereits bei einem Blick auf die berühmte Federlithografie von Erhard Joseph Brenzinger zum „Zug auf das Hambacher Schloss“ erahnen. Sie zeigt nicht nur unterhalb des Schlosses die Tischreihen für die Teilnehmer des exklusiven Festmahls. Entlang des Weges hinauf zum Schloss finden sich darüber hinaus elf Hütten und Zelte „der Restaurateurs und Wirthe“.
Es würde jedoch in die Irre führen, die Rolle der hiesigen Winzer beim Hambacher Fest auf die der Weinlieferanten zu reduzieren. Vielmehr brachten sie sich intensiv in das Festgeschehen ein, zogen mit Abordnungen hinauf zum Schloss, stimmten eigene Protestlieder an und traten als politische Redner in Erscheinung. Doch der Reihe nach.
Neben der Land- und Forstwirtschaft war es vor allem der Weinbau, der den Wirtschaftsraum der Pfalz geprägt hat. Die Anbaufläche umfasste damals etwa 6.000 Hektar (heute sind es rund 23.800 Hektar). Wein war das wichtigste landwirtschaftliche Exportprodukt – gefolgt vom Tabak. Doch die Einverleibung der Pfalz in das Königreich Bayern stellte alle exportorientierten Unternehmen vor große Probleme. Plötzlich war der Bayerische Rheinkreis von Staaten umgeben, die ihre heimischen Gewerbe mit Zöllen schützen wollten.
Selbst bei Exporten in das rechtsrheinische „Mutterland“, zu dem keine direkte Landverbindung bestand, musste der Pfälzer Wein verzollt werden – eine Schutzmaßnahme der Bayern zugunsten ihres Frankenweins. Darüber hinaus war die Steuerlast im Rheinkreis deutlich höher als im rechtsrheinischen Bayern. Da nur ein geringer Teil der Abgaben in die Pfalz zurückfloss, herrschte in weiten Teilen der Bevölkerung der Eindruck, vom bayerischen Staat ausgebeutet zu werden. Am Ende der 1820er und zu Beginn der 1830er Jahre verschärften besonders harte Winter und Missernten die ohnehin große wirtschaftliche und soziale Not.
Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage oder gar Existenzängste waren für viele Winzer zentrale Gründe zur Teilnahme am Hambacher Fest. Eine Abordnung von Dürkheimer Bürgern versammelte sich beim Hambacher Fester hinter einer schwarzen Fahne mit der Aufschrift „Die Weinbauren müssen trauren!“. Wie eng bei den Winzern jedoch wirtschaftliche und politische Motive verknüpft waren, zeigt das eigens für das Fest geschriebene „Winzerlied“, dessen Autor höchstwahrscheinlich der Dürkheimer Weingutsbesitzer Johannes Fitz (1796-1868) war. Es heißt darin:
Wir wohnen in dem schönsten Land auf Erden,
von Gottes Segen voll.
Doch müssen wir noch all’ zu Bettlern werden
durch den verdammten Zoll!
Die freie Presse, Brüder! sie soll leben,
sie macht vom Zoll uns frei,
Denn wo man darf die Stimme frei erheben,
kommt alles noch in Reih’.
Für die im Pfälzer Weinbürgertum weitverbreitete liberale Gesinnung steht beispielhaft der Neustadter Weingutsbesitzer und Kaufmann Friedrich Deidesheimer (1804-1876). In seiner Rede auf dem Hambacher Fest erteilte er – ganz Liberaler – revolutionären Umwälzungen eine Absage. Zugleich trat er unter dem Wahlspruch „Es lebe die Freiheit, es lebe die Ordnung!“ für politische Grundrechte und Freihandel ein:
„Wir wünschen unsere Verfassung zu erhalten, die uns Freiheit der Rede und der Presse sichert, und auch wohl zu Freiheit des Handels und Vernichtung der Wohlstand und Sitten verderbenden Zwischen-Mauthen [Zölle] führen muss. Darum Freunde lasst uns fest aneinanderhalten; wird Einer in seinen Rechten gekränket, so seien wir es alle!“
Die Winzer haben dem Hambacher Fest somit ihre ganz eigene Note verliehen.