Die Hambacher "Botin“ von Christiane Maether

Bronze, vergoldet, 2007

Im Rahmen des Kunstprojekts „Vergiss´ nicht, dass du Flügel hast“ schuf die Künstlerin Christiane Maether anlässlich des 175. Jubiläums des Hambacher Festes die „Vorbotin“. Die vergoldete Bronzeplastik ist vor dem Neustadter Saalbau aufgestellt. Neben der Großplastik entstanden kleinere Variationen zu dem Thema in limitierter Auflage. Sie sollten nach dem Wunsch der Künstlerin, die Hambacher Ideen über die Grenzen hinaustragen und dazu beflügeln, „einen persönlichen Bezug zum Hambacher Geschehen damals und heute zu finden“ (Christiane Maether 2007).

"Vergiss nicht, dass du Flügel hast" - Die Vorbotin

KUNSTPROJEKT VON CHRISTIANE MAETHER 2007

Bärbel Hanemann

Neben Zeichnungen und Gemälden schuf die Künstlerin Christiane Maether (1941-2024) ab 1991 auch Plastiken. Die in Gips modellierten und dann in Bronze gegossenen Figuren entstanden zunächst nur im kleinen Format, später auch im Großformat. Die seit 1977 in Hambach lebende Künstlerin ließ sich vom täglichen Blick auf das Hambacher Schloss inspirieren. Eindrücke, die sie bei der alljährlich stattfindenden Jakobuskerwe gewann, regten sie zu einem Motiv an, das sie seit 1991 in Zeichnungen, Bildern und Plastiken immer wieder aufgriff:

„Ein Kettenkarussell vis-à-vis meines Gartens bringt Mädchenlocken und flatternde Röcke in sommerliche Schwingung.
Diese Schwingung findet sich in der Skulptur VORBOTIN wieder:
abheben — Freiheit fühlen.“
(Christian Maether 2007)

Zum 175jährigen Jubiläum des Hambacher Festes von 1832 wollte Christiane Maether mit einem Impuls, einer„Hommage beitragen, die das historische Gedankengut ebenso ehrt wie die bis heute nachwirkenden geistig-schöpferischen Kräfte“. Im Rahmen des Kunstprojektes „Vergiss´ nicht, dass du Flügel hast“, schuf sie die Bronzeskulptur „Vorbotin“, die vom 27. Mai bis 4. November 2007 auf dem Schlossberg vor dem Hambacher Schloss aufgestellt war:

„Mit weiblichen Flügeln“ schwebt von Mai bis September ein aufsteigender Genius, in Bronze gegossen, über einem Sockel auf der Höhe des Hambacher Schlossberges.
Die VORBOTIN - Erinnerungszeichen und zugleich Sehnsuchtssymbol der Liebe zur Freiheit.
In der Figur verbinden sich Fragment und offene Form, Teil und Ganzes, Materie und Geist, in Eigenschwingung verharrend.
Gegensätzliches wird über die Kunst vereint.“
(Christiane Maether 2007)

Die vergoldete Bronzeplastik fand ihre endgültige Aufstellung am 6. Dezember 2007 an zentraler Stelle in Neustadt vor dem Saalbau. Ein weiterer Abguss der "Vorbotin" in einer grün patinierten Variante, steht vor dem Zweibrücker Herzogsschloss und erinnert an Zweibrücken als wichtiges Zentrum der frühen deutschen Demokratiebewegung.

Christiane Maether sah in der „Vorbotin“ ein „Erinnerungszeichen und zugleich Sehnsuchts-symbol der Liebe zur Freiheit“. Sie schuf auch „eine Schar von kleinen goldbronzenen Botinnen“ in limitierter Auflage. Diese sollen, ergänzend zu den großen Bronzeplastiken, die Gedanken der Künstlerin zum Hambacher Fest weit über die Grenzen hinaustragen.

„Das Hambacher Fest 1832 und die Geschehnisse davor und danach spiegeln im Einzelschicksal wie in den politischen und gesellschaftlichen Folgen Menschliches — Glanz, Elend, Leiderfahrung der Seele, Aufbruch, Scheitern, Tragik, Hoffnung und Erfüllung.

Das, was sich im Marsch auf das Schloss als heutige Botschaft erhalten hat,

ist der Aufbruch zu Neuem.
Verstehen heißt nachvollziehen.“
(Christiane Maether 2007)





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Autor: Stadtarchiv