Architektenmodell zum "Klemmhof-Komplex“
Planungsmodell „Klemmhofneubau“ (Teil A und B), 1973
Ab 1974 begannen im Rahmen der Altstadtsanierung die Bauarbeiten zum Klemmhofneubau als modernes Wohn- und Geschäftszentrum. Vorausgegangen war ein Architektenwettbewerb mit dem Ziel, ein Modellprojekt für attraktives innerstädtisches Wohnen zu entwickeln. Von drei Entwürfen wurde dieser ausgewählt. Die Form des Gebäudes empfindet die einst kleinteilige Struktur des alten Klemmhofs nach.
Die Altstadtsanierung
Bärbel Hanemann
Die ursprüngliche Altstadt blieb in Neustadt weitestgehend erhalten. Es herrschte eine dichte und kleinteilige Bebauung vor. Oft waren die hygienischen Verhältnisse unzureichend, auch bedingt durch den Speyerbach, der direkt an den Häusern vorbeifloss. Durch ansteigenden Autoverkehr seit den 1960er Jahren verschlimmerte sich zudem die Verkehrslage in der Innenstadt.
1964 beschloss der Stadtrat die Sanierung des historischen Stadtkerns. Unter dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Brix wurde die Sanierung der Altstadt als bundes- und landesweites Pilotprojekt in Angriff genommen. Ziel war es, die Neustadter Innenstadt in ein attraktives Kultur- und Einkaufszentrum mit Fußgängerzonen, öffentlichen Plätzen und Brunnen umzugestalten. 1965 wurde die Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt – die Planungsarbeiten waren 1969 abgeschlossen. Zur Stadtkernerneuerung gehörten die drei Sanierungsgebiete: „Klemmhof“, „Hintergasse“ und „Turmstraße“. Das Großprojekt startete 1970 mit dem Ausbau der „Mittleren Hauptstraße“ zur Fußgängerzone. 1971 erfolgt die Verrohrung des Speyerbachs in der Innenstadt. In der „Sanierungszone Turmstraße“ konnte 1972, nach einer Flächensanierung, der erste Spatenstich zum Warenhaus „Karstadt“ getätigt werden. Der Kartoffelmarkt mit dem „Paradiesbrunnen“ von Gernot Rumpf wurde im Oktober 1974 eingeweiht.
Nach großflächigem Abriss begann ab 1974 die Errichtung des „Klemmhof-Komplexes“. Auf etwa 5.400m² Grundfläche sollte ein modernes Wohn- und Geschäftszentrum mit Tiefgarage entstehen. Der Komplex war zweigeteilt, der größere, längliche Teil A hatte die Zu- und Ausfahrt zur Tiefgarage, der kleinere etwa quadratische Teil B sollte das Sparkassengebäude beherbergen.
Am 11. November 1974 erfolgte der erste Spatenstich zum „Klemmhof-Projekt“, am 31. Januar 1977 eröffnete das erste Verkaufsgeschäft. Die erste Wohnung wurde am 16. Februar bezogen. Am 20. März eröffnete die Stadtbücherei. Die dreigeschossige Tiefgarage öffnete am 2. April ihre Pforten, die Stadtsparkasse im „Klemmhof Teil B“ am 7. Juli. Der Klemmhof-Komplex hatte zu seiner Zeit Modellcharakter.
Weitere Sanierungsmaßnahmen folgten:
Der Marktplatz diente als Autoparkplatz, die Fahrzeuge parkten oft Stoßstange an Stoßstange. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen sollte auch der Marktplatz neugestaltet und autofrei werden. Baudirektor Volker Münch wurde mit der Planung zur Umgestaltung des 3.000m² großen Fläche betraut. Er hatte die Idee, den Platz mit sternförmig vom Brunnen ausgehenden Streifen aus Sandsteinplatten zu belegen. Am 23. Januar 1978 begannen die Arbeiten, die Einweihung erfolgte bereits im Juni 1978.
Am 1. März 1978 begann die Neugestaltung des Marstallplatzes. Die Aufgabe lag wiederum in den Händen von Stadtbaudirektor Volker Münch. Er trug Sorge dafür, dass dort ein Kinderspielplatz eingerichtet wurde. Ebenso plante er die Errichtung eines Rundbrunnens und entwarf dessen Grundform. Die Brunnenform bezieht sich auf die Eingemeindung von 1969 und 1974: Der größte Wasserspender stellt die Innenstadt dar, die neun darum gruppierten Stelen symbolisieren die neun Ortsteile. Der Neustadter Bildhauer Gernot Rumpf stattete den Brunnen mit einer Schar in Bronze gegossener, fabelhafter Elwedritsche aus. Dadurch wurde der Brunnen nicht nur für Kinder zu einer ganz besonderen Attraktion.
Flächensanierung und Umgestaltung des Marktplatzes in Neustadt an der Weinstraße
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