Pendeluhr im Neuenburger Stil von Elias Möllinger
Zifferblatt aus Emaille, grünes Holzgehäuse mit Blumenmalerei
Nach dem Dreißigjährigen Krieg lockte Kurfürst Carl Ludwig neue Siedler in die Kurpfalz. Im 17. Jahrhundert kam Ulrich Möllinger als mennonitischer Glaubensflüchtling aus der Schweiz. Einer seiner Enkel, Johann Jacob Möllinger, begründete in Neustadt die berühmte Uhrenmanufaktur. Dessen Sohn Elias (1754-1799) musste im Plünderungswinter 1794 die Turmuhr der Stiftskirche, das Werk seines Vaters, abmontieren. Von diesem Schicksalsschlag erholte er sich nie.
Möllinger - eine Neustadter Uhrendynastie
Kunsthistorische Recherche aus dem Antiquitätenhaus Denzinger, März 2025
Die Uhr ist in ihre Jahrtausenden umfassenden Entwicklungsgeschichte zum unverzichtbaren Begleiter des Alltags geworden. Schon im Altertum teilte der Mensch seinen Tagesablauf durch Beobachtung von Sonne und Mond und dem wandernden Schatten auf.
Es war ein weiter Weg von der einfachen Elementaruhr bis zur hochpräzisen Atomuhr.
In dieser Zeit haben viele herausragende Uhrmacher die Entwicklung der Uhr besonders beeinflusst und eine bedeutende Stellung eingenommen.
Für Neustadt an der Weinstraße und die Pfalz sind das die Möllingers, eine Uhrmacherdynastie.
Die Familie Möllinger stammt vermutlich aus der Schweiz und soll um 1650 in die Pfalz eingewandert sein. Begründer der Dynastie war der Mennonit Johann Jacob Möllinger. Der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, eine religiöse Gruppe von Täufern, war das Ausüben eines Handwerks in der Regel nicht erlaubt. Ihr Antrag auf Genehmigung wurde zunächst abgelehnt, muss aber schließlich vom technikbegeisterten Kurfürsten Carl Theodor genehmigt worden sein. Denn genau wie sein Bruder Joseph erlernte Johann Jacob in Frankenthal das Uhrmacherhandwerk. Johann Jacob erwarb 1727 das Anwesen Hintergasse 26 in Neustadt, das heute noch steht. Er hatte acht Söhne und eine Tochter, die alle in die Fußstapfen des Vaters traten.
Der bekannteste ist sein Sohn Christian, der 1754 in Neustadt geboren ist.
Auf seinen Wanderungen wurde er 1778 in die Werkstatt des Berliner Hofuhrmachers Christian Ernst Kleemeyer aufgenommen. Dort wurden auch die damals so beliebten Spieluhren gefertigt.
Christian Möllinger erregte durch seine vorzügliche mechanische Fertigkeit und Genauigkeit in seinen Arbeiten die Aufmerksamkeit der Sachverständigen.
Sein Zwillingsbruder Elias übernahm 1785 die väterliche Werkstatt, die nach dem Tod von Johann Jacob im Jahr 1763 von seiner Mutter Elisabeth geführt wurde. Während der Französischen Revolution musste Elias die Turmuhr seines Vaters auf dem Neustädter Stiftskirchturm abmontieren. Die Französischen Truppen nahmen sie mit. Von diesem Schicksalsschlag erholte sich Elias nicht mehr und starb 1799 in ärmlichen Verhältnissen. Er hat Neustadt nie verlassen.
Von Elias selbst findet man nicht allzu viele Uhren. Er wird zwar auf der Liste bedeutender Uhrmacher aufgeführt, hat aber der Nachwelt weniger prominente Objekte hinterlassen, wie sein Zwillingsbruder oder sein Vater Johann Jacob. Was aber nicht heißt, dass er sein Handwerk nicht verstand.
Es gibt wenige Beispiele aus vergangenen Auktionen oder im Kunsthandel. Im Antiquitätenhaus Denzinger wird eine Standuhr von Elias aus Eiche mit originaler Bierlasur angeboten. Auf dem Zifferblatt ist ein Schriftband mit Namensgravur „Elias Möllinger Neustatt“ angebracht.
Das Stadtarchiv Neustadt an der Weinstraße hat eine schöne Pendule für seine Sammlung überlassen bekommen. Diese um die 70 cm große Pendeluhr hat ein grün gefasstes und mit Blumenmalerei versehenes Holzgehäuse im Stil der Neuenburger Pendulen, unverkennbar durch ihre taillierte Gehäuseform. Das Emaille-Zifferblatt mit römischer Stunden- und arabischer Minutenanzeige, sowie Datumsanzeige hat die Aufschrift „Elias Möllinger A. NEUSTADT“. Die zierlichen Zeiger sind stimmig zu den Messingapplikationen am Glas, den floral gestalteten Bronzefüßen und der Bekrönung. Das aufwändig gefertigte Werk hat einen Viertelstundenschlag auf Glocke.
Vor 10 Jahren ist eine vergleichbare Uhr in einer Auktion verkauft worden, die Elias Möllinger zugeschrieben wurde und auf ca. 1780/90 datiert war. Sie stammte aus einem alten Blieskasteler Familienbesitz und ist der Pendule des Stadtarchivs sehr ähnlich.
Wenn man die Pendule vom Stadtarchiv genauer betrachtet, fällt die eher silbrig scheinende Glocke auf, die nicht unbedingt in die Zeit von Elias Möllinger und diese Region passt.
Auf dem Zifferblatt der Pendule steht: „Elias Möllinger A. NEUSTADT“. Das ist sehr untypisch für Möllinger-Uhren, auf denen „NEUSTATT“ zu lesen ist. Die Schreibweise mit „DT“ kam erst im 19. Jh. auf, nachdem Elias Möllinger schon längst verstorben war. Ob die Pendule des Stadtarchivs tatsächlich von Elias Möllinger gefertigt oder nicht teilweise im Lauf der Jahre verändert wurde, lässt sich nicht hundertprozentig belegen.
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