Städtisches Leben
Johannes Weingart
Handel prägt seit alters her das städtische Leben. Das spätmittelalterliche Neustadt hatte, so wie heute, seinen Wochenmarkt, kannte aber auch einen Jahrmarkt. Der Wochenmarkt diente dem Nahhandel. Dagegen übernahm der Jahrmarkt Fernhandelsfunktion. Hier wurde in erster Linie mit Stoffen, Schmuck oder Luxusgütern gehandelt.
Neustadt hatte früh Marktrecht. Bereits mit Urkunde vom 15. September 1349 hat Kaiser Karl IV. den Jahrmarkt in Neustadt unter seinen Schutz gestellt. Gut ein halbes Jahrhundert später gewährte König Ruprecht der Stadt das Recht, einen vierzehntägigen Jahrmarkt abzuhalten. Er sollte acht Tage vor dem Fest Johannes des Täufers (24. Juni) beginnen und bis zum achten Tag nach diesem Fest andauern.
Für die öffentlichen Märkte galt zum Schutz von Handel und Wandel am Markt das Marktfriedensrecht. Als Zeichen für den Marktfrieden wurde für die Dauer eines Jahrmarkts ein Kreuz errichtet. So auch in Neustadt, wie sich aus den Stadtrechnungen ersehen lässt.
Zum Charakter der Oberamtsstadt passte das städtische Kaufhaus. Diese zur Lagerung und zum Verkauf von Waren bestimmte Einrichtung stand in mittelalterlichen Städten häufig in Verbindung mit dem Rathaus. Pfalzgraf Ludwig III. erlaubte am 13. März 1424 der Stadt, unter dem Rathaus ein städtisches Kaufhaus ("gemeyne kauffhus") zu unterhalten. Es war wohl im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht.
In Neustadt ist eine Münzstätte schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts bekannt. Am 27. März 1383 verlieh Ruprecht I. seinem Münzmeister in Neustadt das Recht, Silberpfennige zu schlagen. Als Prägestätte für Goldmünzen ist Neustadt von 1383 bis 1428 nachgewiesen. Heidelberg und Neustadt besorgten ursprünglich mit der Ausprägung von Pfennigen die Deckung des regionalen Kleingeldbedarfs.
Die Stadtrechnungen, die ältesten in der Pfalz erhaltenen, gewähren Einblicke in das Leben Neustadts im Spätmittelalter. Die städtischen Amtsträger waren zu entlohnen, Baulichkeiten – insbesondere die Verteidigungsanlagen – mussten errichtet und instandgehalten werden. Brunnen wurden gebaut, immer wieder wurden Straßen und Gassen gepflastert. Bürger der Stadt, die zum Nutzen der Allgemeinheit Zuchtstiere hielten, wurden für ihren Aufwand entschädigt. Die Eichelmast, bei der die in der Stadt gehaltenen Schweine zur Weide in den Wald getrieben wurden, hatte die Stadt zu organisieren.
Und ein Thema, das für Neustadt schon immer von großer Bedeutung war, findet sich durchgehend in den Stadtrechnungen: der Wein. Der Rebensaft war Gegenstand der Besteuerung, wurde bei festlichen Anlässen kredenzt oder hochrangigen Gästen der Stadt bei feierlichen Empfängen überreicht. Aber auch Bürger, die in städtischen Diensten standen, wurden damit bedacht. So wurde stets zur Fastnacht und am Johannistag (24. Juni) den Türmern Wein auf den Turm gereicht.