Frauen und das Hambacher Fest 1832

Hiltrud Funk

„Deutsche Frauen und Jungfrauen, deren politische Mißachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und Flecken ist, schmücket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart! Kommet Alle herbei zur friedlichen Besprechung, inniger Erkennung, entschlossener Verbrüderung für die großen Interessen, denen ihr eure Liebe, eure Kraft geweiht.“ So luden die Festordner zum Hambacher Fest ausdrücklich auch Frauen und Mädchen ein. „Schmücken und beleben“ wurden den Frauen als Funktion beim Hambacher Fest zugeordnet. Keine einzige Rednerin trat während des Hambacher Festes auf. Und doch kann das Hambacher Fest als eine für die Frauenbewegung in Deutschland wichtige Station in der Erringung der Gleichberechtigung gelten. Es stärkte das Bewusstsein für Frauenrechte und ermutigte Frauen, auch den politischen Raum zu erobern.

Bereits vor dem Hambacher Fest zeigten Frauen ihre Solidarität mit den polnischen Freiheitskämpfern, die für Nationalität und Freiheit eintraten und fliehen mussten. Ein Neustadter Frauenverein gründete sich Anfang 1832 zur Unterstützung der Polen. Begeistert dankte ein polnischer Teilnehmer des Hambacher Festes für „die Volksfahne, das schätzbare Werk eurer Hände, ein Wahrzeichen eurer und aller edlen deutschen Frauen Sympathie für unsere Sache, für die Sache der Menschheit."

Frauen nahmen aktiv am Hambacher Fest teil wie auch die zahlreichen Bilder des Zuges zum Hambacher Schloss belegen. Sie liefen am Anfang des Zuges direkt hinter der Musikkapelle der Bürgergarde. Nur wenige Namen sind bekannt: Catharina oder Christina Baader, Anna Elisabeth Diesberger, Catharina Fritzweiler, Maria Heckel, Franziska Helfferich, Magdalena Hepp, Sophia Julia Hornig, Elisabeth (Liesel) Hornig, Luise Klein, (Anna) Marie Klein, Luise Knöckel, Rosa Lembert, Julia Lenz, Elisabeth (Liesel) Mohr jun., Bianka Penner, Margarethe Theresia Rassiga, Anna Margaretha Ries sowie Dorothea Schimpf(f).

Die von Johann Philipp Abresch getragene Hauptfahne mit den deutschen Farben wurde vermutlich von Neustadter Frauen geschaffen und von dessen Witwe Anna Maria bei verschiedenen Jubiläumsfeiern zur Verfügung gestellt. Zur Unterstützung und zum Bekanntmachen des Hambacher Festes und seiner Forderungen wurden vielfältige Devotionalien produziert und verteilt. Schwarz-rot-goldene Schärpen, Kokarden und Fahnen symbolisierten das Bekenntnis zu den Ideen des Hambacher Festes. Die sogenannte Hambacher Schürze war weit verbreitet und bestand aus mit dem Zug aufs Schloss bedrucktem Stoff, der von Frauen zu Schürzen gearbeitet wurde.

Die Reaktion der Regierung und der Justiz ließ nicht lange auf sich warten. Eine Verhaftungswelle setzte ein. Viele flohen, wanderten aus oder wurden eingekerkert.  Frauen gründeten den „Frauen und Mädchen-Verein am Haardtgebirge zur Unterstützung der Familien eingekerkerter und verbannter deutscher Patrioten“, eine deutliche politische und soziale Absicht verfolgend.

Autor: Stadtarchiv