1 Sanierungsgebiet Klemmhof

Dieses Innenstadtgebiet war negativ geprägt durch eine enge, zwei- bis dreigeschossige fast geschlossene Wohnbebauung mit schlechten hygienischen bzw. sanitären Bedingungen und eingeschränkter Belüftung und Belichtung; ein Großteil der Gebäude war baufällig. Der Speyerbach verlief in diesem Stadtteil offen und reichte an die Häuser heran.

Die Bewohner waren unmittelbar den unangenehmen Gerüchen des verunreinigten Speyerbachs ausgesetzt. Darüber hinaus bestand fortwährend die Gefahr der Ansiedlung von Ungeziefer aller Art.

Diese städtebaulichen Missstände sollten im Rahmen der Sanierung nachhaltig behoben werden. Die Stadt Neustadt an der Weinstraße entschied sich dem damaligen Zeitgeist folgend, in diesem Gebiet eine Flächensanierung durchzuführen, also ein stadtplanerisches Konzept umzusetzen, bei dem nach großflächigem Abriss der Altbausubstanz der Weg für eine zeitgemäße, den moder­nen Bedürfnissen entsprechenden Neubebauung freigemacht wird.

Daher wurde hauptsächlich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts das gesamte Gebiet konsequent brachgelegt. Die stark vernachlässigten Gebäude wurden vollständig abgerissen. Nach der Verrohrung des Speyerbachs wurde auf einer Fläche von rd. 5.000,00 ein Einzelhandelszentrum mit knapp 90 Wohneinheiten, rd.7.000,00 Büro- und Gewerbeflächen sowie 480 Tiefgaragenstellplätzen geschaffen.

Die Straßen rund um den Sanierungskern wurden als Geschäfts- und Fußgängerstraßen ausgebaut. Auf dem neu geschaffenen Marstallplatz hat die Stadt Neustadt an der Weinstraße neben neuen Spielplatzanlagen den über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Elwedritsche-Brunnen geschaffen. Der historische Storchenturm wurde saniert und für die Umgebung wieder sichtbar gemacht.

Der Klemmhof-Komplex hatte zu seiner Zeit Modellcharakter und wurde weit über die Grenzen der Pfalz hinaus ob seiner Neuartigkeit propagiert. Auch wenn von der Architektur der 70er Jahre inzwischen wieder Abstand genommen wird, ist dieser Baukomplex ein prägendes Baudenkmal seiner Zeit.

 

Im Einzelnen:

Klemmhof-Komplex

Der sogenannte Klemmhof-Komplex wurde ab 1974 in Neustadt errichtet. Er ersetzt eine sehr kleinteilige Struktur städtischen Wohnens und Arbeitens, die auch aufgrund des schlechten Gesamtzustands als nicht mehr erhaltenswert beurteilt wurde. Vorausgegangen war ein Architektenwettbewerb mit dem Ziel, für diesen zentralen Bereich ein attraktives Modellprojekt für innerstädtisches Wohnen zu entwickeln.

Das Ergebnis mag aus heutiger Sicht zwiespältig beurteilt werden; angesichts der damals üblichen Bauweise ist es jedoch als mutig und fortschrittlich zu werten. Die Kleinteiligkeit der innerstädtischen Häuser ist in der Fassade nachempfunden. Für die Nahversorgung wurde eine große Anzahl an Ladenflächen im Erdgeschoß erstellt.

 

Marstallplatz mit Elwedritsche-Brunnen

Zwischen den Fußgängerzonen gelegen, lädt der Marstallplatz mit dem über die Stadtgrenzen hinweg bekannten Elwedritsche-Brunnen zum Verweilen ein. Dieser Brunnen mit den vogelähnlichen Fabelwesen, die vornehmlich in der Pfalz zuhause sind, wurde von dem regionalen Künstler Professor Gernot Rumpf im Jahr 1978 errichtet.

 

Storchenturm

Der historische Storchenturm war Teil der ehemaligen südöstlichen Stadtbefestigung. Es handelt sich bei diesem Eckturm um den einzigen noch verbliebenen Turm der mittelalterlichen Befestigungsanlage Neustadts. Vermutlich wurde er noch im 13. Jahrhundert erbaut. Heute sind nur noch die drei unteren Geschoße der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. Als sogenannter Schalenturm war er ehemals zur Stadt hin offen bzw. mit einer Fachwerkwand geschlossen. Die Schießscharten befinden sich in den beiden unteren Geschoßen.

Wie der Turm zu seinem Namen kam, ist nicht bekannt. Wenn man dem Volksmund Glauben schenken darf, lebten einst auf dem Dach dieses Eckturms Weißstörche.

Der davor gelegene im Zuge der Sanierung angelegte Spielplatz gibt den in der Stadt bummelnden Familien Gelegenheit zu einer Verschnaufpause.

 

 

Verrohrung des Speyerbachs

Der Speyerbach verlief ursprünglich quer durch Neustadts Innenstadt oberirdisch. Offen und ungepflegt wurden viele Abfälle in ihn entsorgt, so dass er nicht nur unangenehme Gerüche ausströmte, sondern auch Ungeziefer aller Art anzog. Ein Wohnen in unmittelbarer Umgebung des Speyerbachs war in höchstem Maße unattraktiv.

Im Rahmen der Sanierung wurde er verrohrt; der Bachlauf wurde verlegt. Auf diese Weise konnte die anziehende Laustergasse hergestellt werden, an der die schmucken Wohn- und Geschäftsgebäude hervorragend zur Geltung kommen.