Gründe - Ablauf - Ziele
Neustadt an der Weinstraße, zwischen dem Haardtgebirge und der Rheinebene gelegen, wurde etwa im Jahr 1230 als Stadt planmäßig gegründet. Sie hat den für die im 13. Jahrhundert gegründeten Städte typischen Grundriss, nämlich ein System zumeist rechtwinklig kreuzender Straßen.
Neustadt an der Weinstraße war stets kurpfälzische Amtsstadt und zeitweilig Residenzstadt für den Pfalzgrafen Rudolf II. (1338-1353). Die dadurch hervorgehobene besondere Stellung der Stadt spiegelt sich in beeindruckenden Gebäuden wider; das Bedeutendste ist sicherlich die Stiftskirche. Auch im 16. Jahrhundert zählte die Stadt zu den wichtigsten Städten des Kurfürstentums. So wurde hier die erste calvinistische Hochschule auf deutschem Boden gegründet; darüber hinaus hatte hier Matthäus Harnisch, der Drucker der sog. Neustädter Bibel, seine Wohn- und Arbeitsstätte.
Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges sowie die kriegerischen Auseinandersetzungen der nächsten Jahrzehnte ließen die Stadt wie viele andere Städte in der Pfalz in eine Art Dornröschenschlaf fallen. Erst mit dem Anschluss an das Königreich Bayern im Jahr 1816 und der aufkommenden Industrialisierung begann sich das Bild der Stadt nachhaltig zu wandeln. Fabriken wurden errichtet. Mit dem Bau der Eisenbahn rückte Neustadt an der Weinstraße enger an die geschäftigen Zentren. Schließlich erlangte Neustadt wachsende Bedeutung durch den Wein, der in den Feldern um die Stadt in großer Menge und teils hervorragender Qualität wuchs. Diese Aktivitäten zogen nicht nur die Verwaltung, sondern auch zahlreiche andere Dienstleistungen nach sich; neue Wohnviertel und größere Anwesen wurden gebaut, die mehr Platz benötigten, so dass sich die Stadt über ihre Befestigungsanlagen hinaus ausdehnte.
An der Altstadt ging diese Entwicklung nahezu vorbei. Sie war zu verbaut und die Grundstücksverhältnisse waren zu verworren; der heutige Stadtkern verlor den Anschluss. Der bauliche Zustand der Innenstadt, die hygienischen Verhältnisse und das soziale Klima wurden immer schlechter. Zusammen mit dem zunehmenden Autoverkehr entstand ab 1955 eine unerträgliche Situation, der die Altstadtviertel aus eigener Kraft nicht mehr entkommen konnten.[1]
Im Jahre 1964 hatte der Stadtrat die Notwendigkeit erkannt, eine grundsätzliche und umfassende Lösung herbeizuführen und die Altstadt zu sanieren. Daher wurde die Durchführung von vorbereitenden städtebaulichen Untersuchungen beschlossen und im Juli 1965 ein damals deutschlandweit anerkanntes Planungsbüro mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt. Ziel sollte sein das Stadtbild, insbesondere den Stadtkern zu erhalten, die Wohnsituation zu verbessern, Fußgängerzonen zu schaffen und die Altstadt als Einkaufs- und Kommunikationszentrum zu erhalten.
Die Planungsarbeiten waren erst 1969 abgeschlossen. Es war der Bestand analysiert und ein Vorschlag für eine neue städtebauliche Struktur erarbeitet worden. Der Sanierungsplan von 1969 entspricht in seiner Form einer vorbereitenden Untersuchung im Sinne des später erlassenen Städtebauförderungsgesetzes. Mit einem Bescheid aus dem Jahre 1967 hatte der Bund diese Untersuchungen als ein Studien- und Modellvorhaben zur Erneuerung von Städten und Dörfern anerkannt und bezuschusst. Die Stadt beantragte im Jahr 1971, dass das Studien- und Modellvorhaben in das allgemeine Förderprogramm des inzwischen in Kraft getretenen Städtebauförderungsgesetzes übergeleitet wird. Um den Regelungen des Städtebauförderungsgesetzes Rechnung zu tragen, wurden im Jahr 1972 die Satzungen über die förmliche Festlegung der drei Sanierungsgebiete Klemmhof, Hintergasse und Turmstraße erlassen.
(zu 1. vgl. Sanierung Neustadt an der Weinstraße, Stadtverwaltung Neustadt an der Weinstraße 2. erweiterte Auflage 1980)