von 1938 bis 2012 nach Carl (Karl) Peters (1856-1918), Kolonialist

Biografie:

Carl (Karl) Peters, 1856 in Neuhaus/Elbe geboren, schlug sich Ende 1884 mit drei anderen Deutschen und mit Speeren bewaffneten Einheimischen durch Gebiete im Osten Afrikas, um Landbesitz von den dortigen Machthabern zu erhalten. Gegen die Übertragung von Land bot Peters „Schutz“ an. Die von ihm gegründete „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“ gab jedoch „die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes auf anderer, schwächerer Völker Unkosten“ als ihr Hauptziel aus.

Peters, von den Indigenen als „der mit den blutigen Händen“ bezeichnet, in Deutschland als „Hänge-Peters“ betitelt, ging selbst für kolonialistische Verhältnisse besonders skrupellos vor.

1887 bis 1889 war Peters stellvertretender Präsident der „Deutschen Kolonialgesellschaft", 1891 wurde er zum Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika ernannt. Berichte über Misshandlungen, willkürliche Hinrichtungen und Massaker in den Kolonien in Afrika gelangten schließlich nach Deutschland und sorgten für Empörung. Wegen seiner brutalen Amtsführung beschäftigte sich 1895 der Reichstag mit Peters. Er wurde zunächst nach Deutschland zurückgerufen und von seinem Amt suspendiert. Nach einem Disziplinarverfahren wurde er schließlich 1897 aus dem Reichsdienst entlassen und verlor seine Pensionsansprüche. Er starb 1918.

Widmung 1938:

1937 wurde das Urteil von 1897 durch einen Erlass von Adolf Hitler aufgehoben. Zahlreiche Straßen wurden danach nach Karl Peters benannt, 1938 auch eine der neu angelegten Straßen im „Afrika-Viertel“ in Neustadt an der Weinstraße.

Umwidmung 2012:

Seit 1994 hatte es verschiedene Versuche zur Umbenennung durch den Stadtrat von Neustadt an der Weinstraße gegeben. Diese scheiterten an Klagen der Anwohner.

2011 gab es bei einer Befragung der Anwohner eine Mehrheit für die Umwidmung nach dem Rechtswissenschaftler Karl Peters. Daraufhin beschloss der Stadtrat die Umwidmung nach dem genannten Rechtswissenschaftler sowie die Anbringung eines erklärenden Zusatzschildes.

von 2012 bis 2024 nach Karl Peters (1904-1998), Rechtswissenschaftler

Quelle: Stadtarchiv