Josef Bürckel

* 30. März 1895 in Lingenfeld - † 28. September 1944 in Neustadt an der Weinstraße

Familie, Schule und Beruf:
Josef Bürckel wurde als jüngstes von vier Kindern in der katholischen Familie des Bäckermeisters Michael Bürckel und seiner Frau Magdalena geboren. 1920 heiratet er Hilda Spies aus Landau. Gemeinsam hatten sie die beiden Söhne Sepp und Hermann.

Nach der Volksschule in Lingenfeld besuchte Bürckel die Realschule in Karlsruhe, von 1909 bis 1914 die Lehrerbildungsanstalt in Speyer. 1915 bestand er während eines Fronturlaubs das Examen für das Lehramt. Als Lehrer-Anwärter war er in Lingenfeld, Ramberg, Bellheim und Minfeld tätig. 1919 bestand er die praktische Lehrerprüfung und war anschließend als Volksschullehrer tätig, bis 1920 in Roxheim, anschließend in Rodalben und ab 1927 in Mußbach.

Von 1914 bis 1916 nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil.

Politisches Wirken:
Erste Kontakte zur NSDAP unterhielt Bürckel bereits 1921. Ab 1923 beteiligte er sich an Aktionen gegen die separatistische Bewegung in der Pfalz. Er soll im Hintergrund am Sturm auf das Pirmasenser Bezirksamt am 12. Februar 1924 beteiligt gewesen sein.

1925 trat Bürckel mit der Mitgliedsnummer 33.979 in die NSDAP ein. Er galt als Anhänger der eher sozialistischen Linie der NSDAP um Georg Strasser.

1926 wurde Bürckel von Adolf Hitler zum NSDAP-Gauleiter der Pfalz ernannt. Zwischen 1935 und 1936 hatte er die Funktion des „Reichskommissars für die Rückgliederung des Saargebiets“ inne. Ab 1938 war er „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ und von 1940 bis 1944 „Reichsstatthalter der Westmark“ mit Sitz in Saarbrücken. Als „Chef der Zivilverwaltung“ war Bürckel auch für Lothringen zuständig. Ab 1936 war er SA-Obergruppenführer und ab 1937 SS-Gruppenführer. Ab 1942 hatte Bürckel den Dienstgrad des SS-Obergruppenführers im NS-Kraftfahrkorps (SS-Nr. 289.830). Ab 11. März 1941 lautete Bürckels offizieller Titel „Reichsstatthalter in der Westmark“. Von 1930 bis 1944 war er Mitglied des Reichstags.

Am 22. Oktober 1940 organisierte Bürckel mit seinem badischen Kollegen, Gauleiter Robert Wagner, die erste Massen-Deportation im Deutschen Reich von mehr als 6500 Juden aus dem Gau Baden und dem Gau Saarpfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs. Nur wenige überlebten.

Josef Bürckel residierte als Gauleiter von 1935 bis zu seinem Tod am 28. September 1944 in der Villa Böhm in Neustadt an der Weinstraße. Auf dem Totenschein wurde als Todesursache ein natürlicher Tod durch „Toxischer Kollaps, Dysenterie und schlechter Allgemeinzustand“ festgestellt.

Das Grabmal steht heute noch auf dem Hauptfriedhof in Neustadt an der Weinstraße. Es wird von der Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz als erhaltungswertes, historisches Denkmal eingestuft.

Quellen- und Literaturangaben:

  • Josef Bürckel, Nationalsozialistische Herrschaft und Gefolgschaft in der Pfalz, Pia Nordblom, Walter Rummel, Barbara Schuttpelz (Hrsg.), Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2019
  • Volksgemeinschaft in der Gauhauptstadt, Neustadt an der Weinstraße und der Nationalsozialismus, Markus Raasch (Hrsg.), Aschendorff Verlag, Münster 2020
  • Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz, Franz Maier, Hase & Koehler Verlag, Mainz 2007
  • Archiv der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt/W., Personalakte zu Josef Bürckel
  • Stadtarchiv Neustadt an der Weinstraße, Personalakte zu Josef Bürckel
  • Landesarchiv Speyer, Personalakte zu Josef Bürckel
  • Web-Link in Wikipedia, Beitrag zu Josef Bürckel

Weiterführende Online-Lexikon-Artikel:
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Bürckel-Mythos: hier